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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Keramik und Porzellan PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. Juni 2009 um 05:39 Uhr

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Keramik und Porzellan.

 

Die Technik, aus gebranntem Ton Gefäße zu erzeugen, reicht in die Anfänge der menschlichen Kultur zurück. Nach der Zusammensetzung der Masse und der Temperatur des Brandes wird der >Scherben< entweder porös und wasserdurchlässig oder dicht versintert und dadurch wasserdicht. Diese Gefäße wurden schon in früheren Zeiten mit einer Schicht überzogen, die entweder aus einer durchsichtigen Bleiglasur, einer undurchsichtigen Zinnglasur oder einer Erdglasur besteht. Bei der Zubereitung der Tonmasse gibt es viele Variationsmöglichkeiten, die sich in Dichte, Helligkeit, Brandhärte und Haltbarkeit auswirken, deren Höhepunkt das Porzellan darstellt. Die wichtigsten Gruppen daraus sind: 1. die Irdenware: undicht, farbiger Scherben, unglasiert; 2. dieSchmelzware (Fayence, Majolika): undicht, farbiger Scherben, glasiert; 3. das Steingut: undicht, weißer Scherben, glasiert; 4. der Klinker: dicht, farbiger Scherben, unglasiert; 5. das Steinzeug: dicht, farbiger Scherben, glasiert. Als 6. Gruppe folgt darauf das Porzellan. Für die Gestaltung der Form war die wichtigste Erfindung die Töpferscheibe, für die Dekoration die Anwendung vonEmailfarben teils unter, teils auf der Glasur.

 

I. KERAMIK.

 

Nach der großen und sehr bedeutenden Entfaltung der Keramik in der Antike war die mittelalterliche Produktion äußerst gering und primitiv. Im Vorderen Orient erhielt sich die antike Tradition und es entstand eine sehr bedeutende islamische Keramik, die im Verlauf des Hochmittelalters in Spanien, auf Sizilien und der Insel Mallorca (die als Ausgangspunkt der >Majolika< gerechnet wird) Einfluß nahm. Den arabischen Keramiken wurde im 12. und 13. Jh. durch Zusetzen von Kupfer zur Glasur ein metallischer Charakter verliehen (Lüster). Diese Technik wurde in Spanien durch die Araber eingeführt und dort zu besonderen Leistungen gesteigert (z. B. in Deruta). Die herrlichen Gefäße dieser Produktion wirkten auch auf das abendländische Mittelalter ein.

 

Die gotische Produktion beschränkte sich vor allem auf kleine irdene Gefäße und auf glasierte Ziegel. Großen Aufschwung nahm die keramische Produktion im Verlauf des 14. und 15. Jhs. durch die im Zusammenhang mit den arabischen Arbeiten stehenden italienischen Manufakturen. Das wichtigste Zentrum war Faenza, aber auch in Urbino (Abb. 120), Forli, Gubbio und Pisa waren bedeutende Werkstätten, aus denen nicht nur Schalen, Kannen, Flaschen und Teller mit Figuren und Bildern entstanden sind, sondern auch kleine Plastiken und keramische Verzierungen der Architektur. Soweit Zinnglasur verwendet wurde, bezeichnet man diese Gegenstände als Majolika, die mit Bleiglasur versehenen als Mezzomajolika. Große Künstler, Plastiker (Luca della Robbia) und Maler haben für diese Produktion gearbeitet, in der große Gegenstände mit bildhafter Wirkung und Tafelgeschirr entstanden sind. Die Blütezeit war im 15. und 16. Jh., mit einer Ausstrahlung nach Süditalien im 17. Jh., bei deren Werken blassere Farben verwendet wurden. Eine weitere wichtige Ausstrahlung ging nach Frankreich, wo der Name Fayence in Ableitung von Faenza entstanden ist. Dort war das wichtigste Zentrum Rouen. Den Höhepunkt der französischen Fayence bringt Bernard Palissy im 16. Jh., der große Schüsseln in grotesken Formen mit plastisch aufgearbeiteten Früchten, Blumen und Tieren erzeugte. In Deutschland entstand in der gleichen Zeit des 15. und 16. Jhs. eine bedeutende Keramik im Zusammenhang mit Hafnerwerkstätten, die vor allem Kachelöfen und auch große Gefäße wie Plastiken erzeugten. Bedeutende Zentren waren Nürnberg, Salzburg und Winterthur. Die erste Form der Kachel war die primitive Schüsselform, die im 16. Jh. von der Nischenform mit Eildern und kleinen Plastiken abgelöst wurde. Im rheinischen Gebiet gab es im 16. Jh. eine reiche Produktion an großen schweren Humpen und Krügen, meist in aschgrauer oder brauner Färbung mit aufgeprägten Reliefbildern. Die Zentren waren Nassau und Siegburg mit Ausstrahlung nach Regensburg, Gmunden und Bunzlau.   

 

In den deutschen Werkstätten pflegte man im Verlauf des 17. Jhs. eine großformige, bunt bemalte Keramik, in der Tafelgeschirre und Aufsätze angefertigt wurden, die für den prunkhaften Gebrauchsgegenstand große Bedeutung hatten. Am Anfang des 17. Jhs. wird in Delft eine blau-weiße Keramik (in Nachahmung des chinesischenPorzellans) erzeugt, die in ganz Europa weite Verbreitung erlangte. Im 18. Jh. nahm die Keramikproduktion durch die Erfindung des europäischen Porzellans wesentlich ab. Bedeutend war nur das Fortwirken des englischen Steingutes, das schon vom 16. Jh. an in einigen Manufakturen erzeugt wurde und in der zweiten Hälfte des 18. Jhs. durch Josiah Wedgwood eine besondere Form (in Zusammenhang mit dem Klassizismus und der Nachahmung griechischer Gefäßformen) erhielt. In bescheidener und historistischer Weise wurde während des 19. Jhs. an vielen Stellen die keramische Produktion fortgeführt, bis sie in den letzten Jahren wieder in ganz modernen expressiven Formen (Picasso, Léger) neue Bedeutung und Selbständigkeit erlangte.

 

II. PORZELLAN.

 

Die Geschichte des europäischen Porzellans beginnt erst im 18. Jh., in einer Epoche, in der die künstlerische Gestaltung aller anderen Materialien bereits auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblickte. Im Verlauf dieses einen Jahrhunderts aber hat das Porzellan eine so rasche Ausbreitung und hohe künstlerische Blüte erlebt, daß es zu den wichtigsten und bedeutendsten Zweigen des europäischen Kunstgewerbes geworden ist. Das hat seinen Grund darin, daß einerseits in Europa schon lange der Wunsch nach einer eigenen Porzellanerzeugung bestanden hatte und daß andererseits dieses Material mit seiner Bildsamkeit und der speziellen Wirkung seiner harten und glänzenden Oberfläche, die eine harmonische Verbindung von Form und Farbe besonders begünstigte, den künstlerischen Absichten gerade des 18. Jhs. in vieler Hinsicht sehr entgegenkam. Schon seit Jahrhunderten hatte das Porzellan in Ostasien künstlerisChe Gestaltung gefunden, und seit dem späten Mittelalter war es in steigendem Umfang nach Europa gelangt und hier zum begehrten und geschätzten Sammelobjekt geworden. Seit dieser Zeit hatte es auch nicht an Versuchen zur Nachahmung dieses köstlichen Materials gefehlt.

 

Deutschland kann nicht nur den Ruhm der Erfindung des europäischen Hartporzellans für sich beanspruchen, sondern hier hat die Porzellankunst auch ihre breiteste und größte künstlerische Entfaltung gefunden. Nach längeren, verschiedenartigen Versuchen, an denen der Mathematiker E. W. von T schirnhausen mitbeteiligt war, ist Johann Friedrich Böttger in seinem Laboratorium in Dresden zuerst die Erfindung eines besonders harten und dichten Steinzeugs gelungen. Wohl noch im Verlauf des Jahres 1708 fand er die Verbindung von Kaolin und Feldspat bei sehr hoher Brenntemperatur und damit die Porzellanmasse und kurz darauf auch die Herstellung der mit dem Scherben fest und unlösbar verbundenen Porzellanglasur. 1710 erfolgte die Gründung der Porzellanmanufaktur in Dresden, die alsbald aus Sicherheitsgründen auf die Albrechtsburg nach Meißen verlegt wurde. Meißen steht nicht nur als die älteste, sondern auch als die künstlerisch bedeutendste, deren Einfluß sich auf fast alle anderen geltend machte, an der Spitze der deutschen Porzellanmanufakturen. Von der Nachahmung ostasiatischer Gefäßformen und Dekorationen und Anregungen der Goldschmiedekunst ausgehend, entwickelt sich hier ein eigener Porzellanstil. Bis gegen 2730 nimmt auch das sog. Böttgersteinzeug, das mit seiner harten Oberfläche sowohl dem Schliff und Schnittdekor wie der Glasur und Malerei Möglichkeiten bot, an dieser Entwicklung teil.

 

Ihre künstlerische Höhe und größte Bedeutung erlangte die Meißner Manufaktur im zweiten Viertel des 18. Jhs. Getragen wird diese Blütezeit von zwei führenden Künstlern, dem Maler Johann G. Höroldt und dem Plastiker Joh. Joach. Kändler (Abb. 125). In Höroldt gewann die Manufaktur nach Böttgers Tod (1719) einen Mann, der nicht nur die Malerei auf den Gefäßen technisch wesentlich zu verbessern verstand, sondern auf dessen Erfindung vor allem die >Chinoiserien< in der Meißener Porzellanmalerei zurückgehen, die in ihren unerschöpflichen Variationen den ganzen Inbegriff des 18. Jhs. von Exotik überhaupt beinhalten. Die Berufung von Gottlieb Kirchner (bis 1733), die Tätigkeit Kändlers als Modellmeister und der Plan der Neuausstattung des sog. japanischen Palais< mit Porzellan durch König August den Starken brachten den raschen und großen Aufschwung der Meißener Plastik, die sich bald über alle Bereiche von Einzelfiguren und Gruppen, der plastischen Ausgestaltung vonServicen und Tafeldekorationen bis zu den großen lebendig modellierten Tierplastiken erstreckte. Mit dem Ende des Rokoko beginnen bald nach der Jahrhundertmitte die künstlerischen Kräfte zu erlahmen. Die von Kändler geschaffenen Rokokoformen wirken noch lange nach, die Auswertung von Stichvorlagen ersetzt vielfach die Neuerfindung. In der Periode unter der Leitung des Grafen Camillo Marcolini (1774 bis 1814) treten klassizistische Elemente (Vereinfachung der Gefäßformen und Bevorzugung des unglasierten Biskuitporzellans für die Plastik) immer stärker hervor. Die seit 1740 als Gefäßdekor bevorzugten sog. ›deutschenBlumen<, die im Gegensatz zu den mit ostasiatischen Motiven durchsetzten >indianischen< die heimische Flora verwenden, werden kleiner und pedantischer. Ängstliche Naturnachahmung, bei der auch das farbige oder als Silhouette ausgeführte Porträt nicht fehlt, beherrscht diese Epoche.

 

Trotz der Bemühungen, das Geheimnis des rasch berühmt gewordenen Porzellans in Meißen zu wahren, gelang es schon 1718 dem Hofkriegsratsagenten Claudius Innocentius Du Paquier, in Wien eine zweite, von Kaiser Karl VI. privilegierte Porzellanmanufaktur zu begründen. Ungeachtet der großen, vor allem finanziellen Schwierigkeiten, mit denen Du Paquier zu kämpfen hatte und die ihn schließlich im Jahre 1744 zwangen, die Manufaktur an den Staat zu verkaufen, hat diese doch bald Bedeutung erlangt und auch große Aufgaben, wie das mit Hunderten von Einzelstücken ausgestattete Porzellanzimmer für das Palais Dubsky in Brünn (um 1725), bewältigt. Während die Plastik nur wenig in Erscheinung tritt, macht sich die Eigenart der Wiener Manu faktur in der reichen Ausgestaltung der meist schweren Gefäßformen durch plastische Dekorationen, wie auch durch Malerei in Schwarzlot und Gold und mit indianischem und deutschem Blumendekor bald geltend (Abb. 123). Die Rokokoplastik seit der Jahrhundertmitte erhält in den Arbeiten des Modellmeisters Niedermeyer eine etwas akademisch gefärbte Ausführung. Mit der allgemeinen Bevorzugung des französischen Geschmackes kommt in Wien der Einfluß von Sèvres schon ab 1760 deutlich zum Durchbruch. Unter der Leitung von Konrad Sörgel von Sorgenthal (1784-1805) kam die Wiener Manufaktur im Klassizismus zu einer besonderen Blüte. Dies besonders in der Gefäßkunst, die durch die von dem Chemiker Leitner erfundenen dunkelblauen, zum Teil lüstrierten Fondfarben und den von Georg Perl geschaffenen Reliefgolddekor besonderes Gepräge erhält. Um die Jahrhundertwende finden historisierende Motive, Kopien nach Bildern wie nach antiken und Renaissancedekorationen ebenfalls Aufnahme. In der Plastik vollzieht Antonio Grassi als führender Künstler dieser Periode den Übergang von den eleganten Rokokogruppen zu den in weißem Biskuit ausgeführten antikisierenden Figurenkompositionen. Die naturalistische Blumenmalerei auf Gefäßen wie auch Porzellanbildern bestimmt im Biedermeier die Arbeiten der Wiener Porzellanmanufaktur, die in den 1860er Jahren aufgelöst wurde.

 

Die größte und bedeutendste der um die Jahrhundertmitte auf fürstlichen Wunsch gegründeten Porzellanmanufakturen ist die Berliner. Von den beiden privaten Gründungen von Wegely (1752-57) und von Gotzkowsky (1761) wurde die letztere 1763 von Friedrich II. erworben und zur königlich preußischen Porzellanmanufaktur umgestaltet, an der der König persönlich das größte Interesse nahm. Obwohl vier aus Meißen berufene Künstler — der Plastiker Friedrich Elias Meyer und die Maler Wilhelm Böhm, Borrmann und Kipfel— die führenden Künstler waren, hat sich bald ein selbständiger eigener Stil herausgebildet, der sich besonders in den zahlreichen neuen und schönen Geschirrformen äußert, in denen Berlin bald führend wurde. In der Verbindung von plastischer Form und einer sehr feinen Blumenmalerei sind hier die schönsten Rokokogeschirre überhaupt entstanden. Dagegen tritt die Plastik etwas in den Hintergrund, wenn sie auch an großen Werken, wie dem Tafelaufsatz für die Kaiserin Katharina II., nicht fehlte, an dem neben Friedrich Elias Meyer auch sein Bruder Wilhelm Christian beteiligt war. Nach dem Tode Friedrichs II. (1786) hält auch hier der Klassizismus in Gefäßformen und in der Plastik seinen Einzug, dessen beste plastische Arbeit die Gruppe der beiden Kronprinzessinnen von Riese nach dem Denkmal Schadows darstellt.

 

Während die Fürstenberger Manufaktur in Gefäßformen und Dekorationen ihre besten Leistungen besitzt, tritt bei allen süddeutschen Manufakturen die Figurenplastik gegenüber den Geschirren weit in den Vordergrund. Alle weit überragend, steht hier die Nymphenburger Manufaktur an erster Stelle (1754 in Neudeck gegründet, 1758 nach Nymphenburg verlegt). In den wenigen Jahren (1754-63), die Franz Anton Bustellihier als Modellmeister tätig war, hat er in einer überaus fruchtbaren Tätigkeit die schönsten Porzellanfiguren überhaupt geschaffen. Volle plastische Durchbildung der Figuren, größte Lebendigkeit der Gesten und des Mienenspiels bei eleganter Linienführung reihen seine Arbeiten unter die besten Kleinplastiken des 18. Jhs. ein, die die farbige Dekoration nicht unmittelbar erfordern, sondern die plastischen Möglichkeiten des Porzellans selbst zu höchster Wirkung steigern. Seine Nachfolger in Nymphenburg, Dominikus Auliczek und J.P.Melchior (der zuvor schon in Höchst und Frankenthal als Modelleur tätig gewesen war), erreichen Bustelli weder in der Originalität der Erfindung noch in der plastischen Gestaltung der Figuren. Während Melchior vor allem mit seinen Kindergruppen der bedeutendste Modelleur der Höchster Porzellanplastik ist, übertreffen ihn in Frankenthal — das neben Meißen die größte Zahl plastischer Modelle aufzuweisen hat und auch über sehr gute Maler (wie 0sterpey, Winterstein und Magnus) verfügte — vor allem K. Linck, der zu den besten deutschen Porzellanplastikern zählt, und dessen Nachfolger K. G. Lück mit seinen kleinen, kapriziösen Figürchen.

 

Der Klassizismus tritt am frühesten in den Arbeiten der Ludwigsburger Plastik hervor, gefördert durch die Tätigkeit Wilhelm Beyers, aber auch Ferettis und Lejeunes, die alle hauptsächlich als Großplastiker tätig waren. Während die Gefäße sich meist einfacherer Formen bedienen und vielfach Einflüsse von Meißen, Berlin und französischem Porzellan verraten, haben die plastischen Werke vor allem den Ruf der deutschen Manufakturen begründet und die Porzellanplastik seit der Mitte des 18. Jhs. auf breiteste Basis gestellt. Die überall ungefähr parallel verlaufende Entwicklung vom ausgehenden Rokoko zum Klassizismus und die vielfältigen Beziehungen der einzelnen Manufakturen untereinander (begünstigt durch die Tätigkeit der gleichen Künstler an verschiedenen Orten) empfangen durch die bedeutenden Modelleure dieser Zeit immer wieder neue und originelle Akzente.

 

Außerhalb Deutschlands besitzt Frankreich, vor allem die Manufaktur in Vincennes, seit 1756 in Svres, die größte Bedeutung, obwohl hier erst nach 1768 die Erzeugung des Hartporzellans gelungen ist. Trotz vieler Mängel, die das französische Weichporzellan (pâte tendre) vor allem für die plastische Ausformung besitzt, hat gerade dieses durch die außerordentlichen Möglichkeiten, die es der farbigen und malerischen Ausgestaltung bot, großen Einfluß auch auf das deutsche Porzellan ausgeübt. Die bedeutend niedrigeren Brandtemperaturen erlaubten hier Farbgebungen von größter Zartheit und unvergleichlicher Leuchtkraft, die in Hartporzellan kaum zu erreichen waren. Dementsprechend sind die Gefäßformen in Sevres meist einfach gehalten, um der Malerei großen Spielraum zu lassen, und selbst die Plastik, deren bedeutendster Vertreter Fa/conet ist, tritt stark in den Hintergrund.

 

Die Mehrzahl des englischen Porzellans ist kein Hartporzellan, das nur das von W. Cookworthy verwendete Kaolin enthält, während die anderen — wie die Manufakturen von C helsea und Derby, die sowohl Vorbilder aus Meißen wie aus Sevres verwenden — verschiedene Porzellansurrogate verarbeiten. Im Zuge der großen Ausbreitung, die das Porzellan seit der Mitte des 18. Jhs. erfuhr, kam es auch in verschiedenen anderen Ländern (wie Holland und Dänemark und auch in Rußland, in Italien und Spanien) zu Manufakturgründungen, von denen die italienischen die größte Bedeutung besaßen. Obwohl schon 1720 die erste Manufaktur in Venedig gegründet worden war, gelangten erst seit der Jahrhundertmitte sowohl die oberitalienischen in Venedig und Turin, wie die in Doccia bei Florenz und die königliche Manufaktur von Capodimonte bei Neapel (die 1759 nach Buen Retiro bei Madrid übertragen wurde) zu größerer Ausbreitung. In Doccia und Capodimonte wurde das beste Porzellan, vor allem mit farbigem Reliefdekor, hergestellt. Die Kriege und Krisen an der Wende des 18. zum 19. Jh. brachten mehrere, vor allem deutsche Manufakturen zum Erlöschen. Mit der fortschreitenden Industrialisierung nimmt der Historismus in der Kopierung von Mustern des 18. Jhs. und besonders die fabrikmäßige Herstellung von Massenware überhand und läßt eine selbständige Gestaltung kaum aufkommen. Sowohl der Jugendstil und die Sezessionwie vor allem die moderne Gestaltung der Gerätekunst hat vereinzelt die Porzellanplastik, in großem Umfang aber die Geschirrkunst mit neuen, klaren Formen erfüllt.

 

 



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