| Kunstgewerbe |
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| Mittwoch, 24. Juni 2009 um 05:44 Uhr | ||
Kunstgewerbe.
»Angewandte Kunst ist gerichtet auf eine sinngemäße edle Gestaltung der Dinge; sie umfaßt alle Werkkünste in der ganzen Fülle ihrer Aufgaben und spiegelt anschaulich im Kunstgewerbe die Kultur ihrer Zeit« (R. Ernst). Bei allen Gattungen des Kunstgewerbes handelt es sich um die künstlerische Durchbildung von Gebrauchsgegenständen, d.h. um Anwendung künstlerischer Gestaltungs- und Darstellungsprinzipien auf diese bei Erhaltung ihrer sinngemäßen Bestimmung. Diese Einstellung waltet über dem Kunsthandwerk aller Techniken, allen Materiales und aller Zeiten. Die Verbesserung der einzelnen handwerklichen Techniken und die Beherrschung der verschiedenen Materialien ermöglichten es im Laufe der europäischen Kunstentwicklung, die künstlerischen Ideen einer Epoche auch in den Gegenständen des Gebrauchs voll zu verwirklichen. Es entstanden Leistungen, die im gleichen Rang neben der Plastik und Malerei ihrer Zeit stehen. Mit diesen, wie auch mit der Architektur, verbinden die einzelnen Zweige des Kunsthandwerkes enge Beziehungen, nicht nur dadurch, daß sie alle von den gleichen künstlerischen Absichten getragen sind, sondern auch unmittelbar, da sie Maler und Bildhauer als Entwerfer kunstgewerblicher Arbeiten beschäftigen. Die Anpassung des Entwurfes an die durch Material und Technik gesetzten Möglichkeiten einerseits, wie das Streben, den Ideen des Künstlers vollgültigen Ausdruck zu verleihen, führten zu einer überaus fruchtbaren Wechselbeziehung zwischen entwerfenden Künstlern und ausführenden Kunsthandwerkern. Ihrer Bestimmung und Ausführung entsprechend haben die textilen Künste (insbesondere Wirkerei und Stickerei), aber ebenso die Glaskunst im Bereich der Glasfenster den engsten Anschluß an die zeitgenössische Malerei gefunden, während Metallarbeiten (vor allem die Goldschmiedekunst), aber auch Keramik und Porzellan vielfach zu plastischen Werken in naher Beziehung stehen und die Möbel architektonische Formen in ihre Gliederung aufgenommen haben, um eine unmittelbare Entsprechung zu den Innenräumen, für die sie bestimmt waren, herzustellen.
Die Bindung an Material und Technik setzt den entwerfenden Künstlern im Bereich des Kunstgewerbes nicht nur gewisse Grenzen, sie bietet zugleich auch wieder durch bestimmte Wirkungsmöglichkeiten spezielle Anregungen. So läßt sich neben der Übereinstimmung mit den künstlerischen Ideen und Absichten der einzelnen Epochen innerhalb der einzelnen Zweige des Kunsthandwerks auch eine eigene Gesetzlichkeit als eine über den Stilwandel der Jahrhunderte hinwegreichende Konstante verfolgen. Es gliedert sich daher die Darstellung am besten nach den materialgebundenen Techniken. Sonach werden die textilen Techniken nach Weberei, Wirkerei, Stickerei und Spitzen behandelt. Dann die Metallarbeiten, erst die edlen Metalle (Gold und Silber und die dazugehörige Technik der Emailverzierung), dann die unedlen Metalle (Eisen, Bronze, Messing, Zinn, Blei und Kupfer). Diesen Objekten sind Gefäße und Geräte aus Halbedelsteinen, Bernstein und Elfenbein sehr verwandt. Ein großes, die ganze Geschichte durchziehendes Gebiet ist das der Keramik, zu dem in Europa seit dem 18. Jh. das Porzellan hinzukommt. Ein weiteres, hervorragend zu künstlerischer Leistung geeignetes Material ist das Glas, dem die großen Schöpfungen der mittelalterlichen Glasmalerei nahestehen. Als weitere große Gruppe sind die Möbel zu behandeln. Als kleines Sondergebiet folgen Lederarbeiten, die nicht nur als Bucheinbände auftreten, sondern oft auch in Verbindung mit Möbelstücken stehen. |
























































