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Malerei. I. ALLGEMEINES. Die Bedeutung der Flächenkünste, also Malerei im weitesten Sinn, innerhalb der Kunstsparten hat im geschichtlichen Ablauf immer wieder gewechselt. Während in den ersten christlichen Jahrhunderten die Plastik im ganzen Mittelmeerraum zurücktritt, behält die Malerei die führende Rolle, die sie in der römischen Antike erreicht hatte. Die Hauptaufgaben der Wandmalerei, des Mosaiks sowie der neu auftretenden Buchmalerei bestehen nun in der Vergegenwärtigung religiöser Bildinhalte. Nach der Unterbrechung der malerischen Tradition durch die neu ins Geschichtsbild tretenden germanischen Völker beginnt im westlichen Abendland im 8. Jh. eine neue Entwicklung, die in den monumentalen Gemäldezyklen der romanischen Kirchen und den klösterlichen Skriptorien (Schreibschulen) wieder einen Höhepunkt erreicht. Mit der Entfaltung der gotischen Architektur und Plastik tritt die Malerei abermals zurück und findet im Gesamtkunstwerk der Kathedrale in der Glasmalerei neue Aufgaben. Neben den christlichen Themen treten höfisch-profane Darstellungen, vor allem in Wandmalerei und Bildteppichen, auf. Ebenfalls im 13. Jh. setzt in Italien eine Verselbständigung der Malerei im Tafelbild ein. Nach erreichter voller Bildautonomie beginnt eine Differenzierung der Bildthemen, die im Spezialistentum der bürgerlich- profanen Malerei der Niederlande im 17. Jh. voll entwickelt ist und bis heute nachwirkt. Gleichzeitig gewinnt die Handzeichnung an künstlerischem Gewicht, und die Druckgraphik verbreitet Themen und Formen in breiter Schicht. Die Höherschätzung von Architektur und Plastik in der Renaissance mindert nicht die Vielfalt und Qualität der künstlerischen Leistungen in der Malerei. Auch im 17. Jh. bleibt sie, unbeschadet ihrer Unterordnung im Gesamtkunstwerk des Barock, die führende Kunstgattung. In den Ausstellungsbildern des 19. Jhs. verläßt sie jegliche Bindung und behauptet ihre führende Stellung bis heute. Die Hauptzentren der Malerei sind: in frühchristlicher Zeit Rom und Mailand; im Osten (bis 1453) Konstantinopel, im westlichen Abendland vom 8. bis 12. Jh. die Bischofssitze und klösterlichen Skriptorien; im Norden im 12. und 13. Jh. (von der Île-de-France ausgehend) Frankreich; im 15. Jh. die Niederlande; im 16. Jh. auch Deutschland; in Italien im 13. und 14. Jh. die Toskana, im 15. Jh. Florenz, im 16. Jh. Rom und Venedig, im 17. Jh. Rom mit seinen Ausstrahlungen nach Spanien und den südlichen Niederlanden; im 18. Jh. Süddeutschland und Österreich. Frankreich übernimmt im 18. Jh. wiederum die Führung und behauptet sie mit seinem internationalisierten Zentrum Paris bis heute. II. TECHNISCHES. Grundsätzlich handelt es sich bei allen farbigen Flächengliederungen, also Malerei im weitesten Sinne, um das Anbringen eines Farbstoffes an eine Grundfläche, eventuell mit Hilfe eines Bindemittels. Die Bezeichnung der Malerei erfolgt keineswegs einheitlich, sondern unterscheidet nach dem charakteristischen Element der Technik. Wandmalerei kann sowohl auf den gewachsenen Stein mit trockenen Erden (wobei die Adhäsion des porösen Materials die Bindung besorgt) als auch mit einem Farbbrei aufgetragen werden (vorgeschichtliche Felsmalerei). Die im Abendland gebräuchliche Technik zeichnet sich jedoch durch ein sorgfältiges Vorbereiten des Malgrundes aus. Auf die zu bemalende Wand werden mehrere Schichten verschieden gekörnten Mörtels — der gröbste zuunterst, der feinste als eigentlicher Farbträger — aufgetragen. Die Bemalung erfolgt auf dem nassen Mörtel, wobei sich die in Kalkmilch gelöste Farbe fest mit der Masse des Bewurfs verbindet >Buon Fresco‹, von ital. fresco = frisch). Bei dieser Technik kann immer nur ein begrenztes Stück Fläche bearbeitet werden (Tagwerk). Die Komposition erfolgt entweder auf der vorletzten Mörtelschicht direkt an der Wand (Mittelalter und bis 15. Jh.) oder mit Hilfe von vorbereiteten, originalgroßen Kartons. Wandmalerei auf trockenem Putz heißt Secco-Malerei (von secco = trocken). Die Verbindung von Farbe und Grund ist nicht so innig wie beim Fresco, die Malerei daher weniger dauerhaft. Die meisten der mittelalterlichen Wandmalereien sind in Fresco-Secco-Mischverfahren hergestellt, indem Zeichnung und einige Farben (Rot) al fresco aufgetragen wurden, die Binnenmodellierung dann an der trockenen Wand erfolgte. Durch Zusatz eines Bindemittels (z. B. das im Barock gebräuchliche Kalkkasein) kann die Haftung der Farbe an der Wand verbessert werden. Wird die Malfläche durch gelinden Druck warm geglättet (>gebügelt<), so entsteht die glatte, glänzende, oft auch mit Wachs präparierte Stuccolustro-Malerei. Die im Altertum gebräuchliche Enkaustik— ein Malen mit heißen Wachsfarben auf Stein oder Holz (Mumienporträts) — ist erst in jüngerer Zeit wieder entdeckt worden. Im Gegensatz zur Wandmalerei ist für die Techniken der Tafelmalerei das Bindemittel entscheidend. Die bis ins 15. Jh. ausschließlich geübte Temperamalerei verwendet als Bindemittel Emulsionen von Ei, Feigenmilch, Leimen, die sich mit Wasser verdünnen, aber nach dem Trocknen nicht lösen lassen. Wird als Bindemittel ein trockenes Öl (Lein-, Mohn-, Nußöl) verwendet, so spricht man von Ölmalerei. Während Temperafarben nur dünn aufgetragen und nicht viel differenziert werden können, sind mit Ölfarben die feinsten Übergänge und dicker (pastoser) und daher deckender Farbauftrag möglich. Tafelbilder bedürfen einer Grundierung, meist Kreide, um die Oberfläche glatt zu machen und ein Aufsaugen der Farben zu verhindern. Das Material der Tafel (Kupfer-, Zinkblech) ist nur bei dünner Grundierung für die Erscheinungsform maßgebend. Die gebräuchlichsten Holzsorten sind im Süden Pappel, im Norden Eiche, doch können auch Nadelhölzer verwendet werden. Für Leinwandbilder ist derselbe Malgrund, der auch farbig sein kann (roter Bolusgrund), erforderlich. Malerei auf ungrundierter Leinwand wirkt in der stumpfen Farbigkeit wie ein Bildteppich und wird auch als billiger Ersatz für diesen verwendet. Zum Schutz vor Staub und Beschädigungen werden Tafelbilder mit einem durchsichtigen Firnis überzogen, der auch die Leuchtkraft der Farben hebt. Aquarellfarben sind wasserlösliche, den Malgrund durchscheinen lassende Lasurfarben, die mit Deckweiß versetzt zur deckenden Gouache werden. Sie sind schon im Altertum gebraucht worden (ägyptische Totenbücher) und haben in der Buchmalerei neben Temperafarben Verwendung gefunden. Da sie rasch trocknen, lassen sie keine Korrekturen zu.
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