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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Metallarbeiten PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. Juni 2009 um 15:36 Uhr

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Metallarbeiten.

 

GOLDSCHMIEDEKUNST.

 

Bei der Bearbeitung von edlem Metall sind im wesentlichen fünf verschiedene Techniken seit den frühesten Zeiten zu verfolgen: 1. das Gießen geschmolzenen Metalls in eine Form, 2. das Treiben von Formen in dünnes Metallblech, 3. das Gravieren und 4. das Ziselieren gegossener und getriebener Gegenstände, 5. die Granulation und die Filigranarbeit (d. i. das Besetzen von Metallflächen mit kleinen Kügelchen bzw. gedrehten Metallfäden). Dazu kommt die Verzierung von Metallgegenständen mit Steinen, die entweder in die Fläche versenkt oder in eigenen Fassungen auf die Fläche aufgesetzt werden, und die Verzierung mit Email. Das Material dieser Arbeiten ist reines Silber, reines oder legiertes Gold, meist aber vergoldetes Silber (Vermeil).

 

Silber- und Goldgeräte, wie Schmuckstücke des 5.-7. Jhs., belegen — in spätantiker Nachfolge — eine sehr umfangreiche Produktion in Italien und Byzanz und die Ausstrahlung dieses Kunstkreises auf die Produktion der einwandernden Frühgermanen (Funde von Südrußland, Südungarn, Balkan, Oberitalien, Burgund, Frankreich und Spanien). Bei den meisten Geräten handelt es sich dabei um die Kombination mehrerer Techniken an einem Gegenstand, wobei getriebene Gefäße mit gegossenen Teilen besetzt und mit Ziselierungen versehen werden. Alle diese Arbeiten zeigen reichliche Verwendung von Steineinlagen in Gold, bei denen in vielen Fällen unlegiertes massives Gold verwendet wurde. Der spätantike Ausgangspunkt dieser Arbeiten ist die Steineinlage, die eine flimmernde Wirkung in der Fläche ergibt; die nächste Stufe ist die Steinauflage, bei der zuerst facettierte, später nichtfacettierte (gemugelte), gefaßte Steine auf die Metallblätter aufgelötet wurden. Neben diesen Arbeiten gibt es eine Reihe von Goldgefäßen, die nur ziseliert sind.

 

Diese Kunst erleidet bei weiterer Ausstrahlung auf germanisches Gebiet und in späterer Zeit Formverschlechterungen und einen technischen Verfall. Das 8. Jh. bringt im wesentlichen eine fortschreitende Primitivisierung der Arbeiten und technisch mehr Verwendung von Filigran und Granulation. Die irisch-keltischen Arbeiten, die in England eine Tradition seit dem 1. Jh. haben, strahlten in dieser Zeit auf den Kontinent aus. Wie auf allen Gebieten der Kultur brachte die karolingische Zeit mit ihrer Renaissance-Bestrebung eine Verbesserung von Form und Arbeit (karolingische Kunst). Zur Steinauflage trat die häufige Verwendung von Zellenschmelz. Im späten 9. Jh. entstand ein neues Zentrum in Reims, dessen Werkstätten eine Reihe bedeutender Buchdeckel, Tragaltäre und mit unregelmäßigen Steinen besetzte Reliquiare entstammen. Alle diese Arbeiten zeigen im Gegensatz zu den angelsächsischen wie auch frühgermanischen eine Neuaufnahme der spätantiken Tradition und entschiedenen Anschluß an Byzanz. Von byzantinischen Kunstgegenständen des 11. und 12. Jhs. kamen viele in das westliche Europa. Die Blütezeit dieser fast ausschließlich sakralen Gegenstände reicht vom späten 9. bis in das 12. Jh. In der Zeit um das Jahr 1000 waren vier Zentren von Bedeutung: i. Trier, das nach Regensburg ausstrahlte, 2. die Insel Reichenau, die wichtigste Schule der ottonischen Goldschmiedekunst, in der die Gravierung entfaltet wurde, 3. Essen und 4. Hildesheim. Die Erzeugnisse dieser Schulen waren kostbare kirchliche Geräte und Herrscherinsignien. Der Charakter ihrer Werke besteht in der Verbindung von Steinauflage mit Filigranarbeit und Gravierungen. Diese Art wird im späten 11. Jh. durch die ausgeschnittene Gravierung bereichert, bei der die auf Kupfer- oder Silberblech gravierte Zeichnung mit dem Meißel ausgeschnitten, vergoldet und auf eine andere Unterlage aufgelötet wird.

 

In der Zeit um 1100 lebte in dem Kloster Helmarshausen der bedeutende Goldschmied-Mönch Rotgerus, der als ,Theophilus, ein äußerst wichtiges Buch über alle kunstgewerblichen Techniken verfaßte. Seine Werkstatt fand im 12. Jh. Nachfolge in den Schulen von Hildesheim, Köln und Herford, in denen die Verwendung aufgelegter Steine abnimmt, die Gravierung des viel reicher gewordenen Ornamentes tiefer und schärfer wird und gegossene und getriebene Figuren in den Kompositionen überwiegen. In der Zeit um 1200 ist das Hauptzentrum an Maas und Rhein. Dort entstanden die großen Reliquienschreine in architektonischer Form mit Hoch- und Dreiviertelrelief und in Verbindung mit Email und Elfenbein (Hauptmeister: Eilbertus, Renier de Huy, Nicolaus von Verdun, Fredericus von Köln). Daneben entstanden Reliquiare in plastischen Einzelformen. Das 13. und 14. Jh. führt diese Tradition fort, in Frankreich mit dem Hauptzentrum Paris, in Deutschland mit einer Reihe von Werkstätten in Ausstrahlung der rheinischen Schule und einem neuen Zentrum in Augsburg. Als neue Kultgeräte entstanden Monstranzen und Ostensorien, bei denen wieder mehr Steine verwendet wurden und die Kombination mit Silberemail aufkam. Auf weltlichem Gebiet tauchen Arbeiten größeren Formats, wie Traubenbecher, auf. (Diese Formen wurden in den gleichen Zentren im Verlauf des 15. Jhs. ins Üppige und zur Kuriosität gesteigert.)

 

Im 13. Jh. spielten die Werkstätten in Oberitalien und in derToskana—Siena und Bologna— eine große Rolle; im 14. und 15. Jh. waren die wichtigsten Zentren Siena, Florenz, Mailand und Venedig, in deren Arbeiten große Formen mit transluzidem Email verbunden wurden (Duccio di Buoninsegna aus Siena). Die besondere Bedeutung der italienischen Goldschmiedewerkstätten liegt vor allem darin, daß die wichtigsten Künstler des Quattrocento (Ghiberti, Donatello,Verrocchio u. a.) aus ihnen hervorgingen. Der Übergang von der späten Gotik zur Frührenaissance vollzieht sich in diesen Werkstätten gleichmäßig, bewirkt durch das Zunehmen des plastischen Elements der gegossenen naturalistischen Figuren und das Abnehmen des gotischen Ornamentes. Im 16. Jh. überwiegt die Erzeugung profaner Gebrauchsgegenstände und Prunkgeräte. Der bedeutendste Meister auf diesem Gebiet war Benvenuto Cellini. Durch die Verbindung mit den Florentiner Manieristen strahlte diese Kunst nach Frankreich aus. In die 2. Hälfte des 16. Jhs. fällt eine reiche Entfaltung der Renaissance- Goldschmiedekunst in Süddeutschland mit dem Zentrum in Augsburg (Wenzel Jamnitzer), dessen Arbeiten oft auf Entwürfe bedeutender Künstler zurückgehen. Neben Augsburg war Nürnberg ein wichtiges Zentrum (Hans Petzolt). Die hauptsächlichsten Formen waren: Traubenbecher, Buckelbecher und -teller, Akeleibecher und Humpen. Die immer größer werdenden Werkstätten bildeten im Verein mit Zünften und Städten einMarkensystem aus, das aus drei Zeichen: dem Beschauzeichen der Stadt, dem Meisterzeichen und dem Wardeinzeichen (Feingehalts- und Kontrollpunzen) besteht.

 

Die malerische Tendenz des 17. Jhs. äußert sich in aufgelegten Spitzenornamenten in Ausschnittarbeit und in Beschlägen. Eine große Rolle in dieser Zeit spielt die Prager Werkstatt des Antwerpener Künstlers Paul Vianen. Frankreich führte die manieristische Tradition fort. In diesen Werkstätten entstanden große Tafeldekorationen und Service, bei denen alle Techniken in raffiniertester Weise entfaltet wurden. (Eine große Zahl dieser Geräte wurde im 18. Jh. eingeschmolzen.) In der Mitte des 18. Jhs. erlebte die Produktion der Pariser Werkstätten eine neuerliche Blüte, die bis in den Beginn des 19. Jhs. anhielt. Zu den Zentren von Augsburg (Abb. 124) und Nürnberg (Drentwett und Biller) trat Dresden (Dinglinger). In England wurde im 18. Jh. die plattierte Ware erfunden, bei der einem Kupferkern eine Silberfolie mit scharfem Druck auf- gepreßt wird. Nach 1825 trat in ganz Europa eine starke Form- und Technikverschlechterung ein, die erst um 1900 mit Jugendstil und Wiener Werkstätte wieder gebessert wurde.

 

Ein Sondergebiet der Goldschmiedekunst ist der Schmuck, bei dem mehr Gewicht auf die Verwendung kostbarer Materialien und besonderer Steine gelegt wird. Es handelt sich dabei meist um kleine Gegenstände, die durch Jahrhunderte fast gleich geblieben sind, wie Ringe, Armreifen, Halsketten, Schnallen und Spangen, deren letztere — in früheren Zeiten Fibeln, später Broschen — für liturgische wie profane Zwecke im Mittelalter eine besondere Ausbildung erfuhren; weiter Anhänger, die oft als verhältnismäßig große Tierplastiken an Ketten getragen wurden. Die Technik des Filigran erhielt sich dabei am längsten. Auch für diese Gattung liegt der Höhepunkt im 16. und 17. Jh.

 

EMAIL.

 

Das Wesentliche des Email besteht in einer Verzierung aus buntgefärbten Glasflüssen, die einer metallischen Unterlage aufgeschmolzen werden. Diese Unterlage ist meist Gold, Silber oder Kupfer, selten Eisen. Das erste bedeutende Vorkommen des Email im Mittelalter stammt aus Byzanz in Form des Zellenschmelz auf Gold, bei dem auf die Unterlage kleine Goldstege aufgelötet werden, wodurch Kammern entstehen, die das Durcheinanderfließen der Farben verhindern. Diese Technik wurde nicht nur in der Hauptstadt Konstantinopel, sondern auch in den östlichen Provinzen (z. B. Syrien) ausgeübt, wo sie sich auch noch in islamischer Zeit, aber mit christlichen Bildinhalten, erhalten hat. Die Blütezeit dieser byzantinischen Emails war im 10. und ii. Jh. Das Goldzellenemail strahlte von Byzanz auf das übrige Europa, vor allem nach Italien im 9. Jh. aus. Auch in den übrigen westeuropäischen Ländern entstanden Werkstätten, die in byzantinischer Nachfolge arbeiteten, wie St. Gallen,Trier, Reichenau und Conques.           

 

Neben dem Zellenemail entstand wohl in der gleichen Zeit der Grubenschmelz, bei dem die Zeichnung in dickes Kupfer mit dem Grabstichel eingegraben und das Email in die einzelnen Gruben eingeschmolzen wird. Die ersten Beispiele dieser Art stammen aus der Völkerwanderungszeit von barbarischen Schmuckstücken. Zur bedeutenden Entfaltung kam diese Technik erst im Verlauf des 12. Jhs. in drei Zentren: an der Maas, am Rhein und in Limoges. Es entstanden vor allem Bildtafeln für Reliquienschreine. Bei den Bildern der ersten Schule (Godefroid de Claire, Nicolaus von Verdun, Abb. 119) erscheinen die Gewänder der Figuren vertieft und in opakem Email, die Innenzeichnung besteht aus dunklen Schmelzlinien. Der Grund der Bilder sowie Köpfe und Arme der Figuren bleiben dabei im Metall stehen, werden nur graviert und nachher vergoldet. Die zweite Schule (Eilbertus, Fredericus), vor allem in Köln, wendet die gleiche Technik in umgekehrter Anordnung an, so daß die ganzen Figuren vom Grundmaterial ausgespart, später vergoldet und mit gravierter Innenzeichnung versehen werden, der Hintergrund dagegen emailliert erscheint. Die Schule von Limoges (Joannes Garnerius, Magister Alpais) arbeitet gewöhnlich in der gleichen Art, nur daß meistens die Figuren aus gegossenem und vergoldetem Kupfer aufgenietet sind. Die frühesten Stücke dieser Werkstätten, deren Blütezeit um 1200 war, stammen aus der Zeit um 1100 und sind in ihrer Darstellung viel gröber und flüchtiger als jene der beiden anderen Schulen. Die größte Menge der erzeugten Gegenstände sind Reliquienschreine, daneben gibt es eine Fülle von anderen Gegenständen, meist kirchlichen Gebrauchs, die wohl in größeren Manufakturbetrieben hergestellt wurden. Da die Erzeugnisse von Limoges sehr eifrig gehandelt wurden, finden wir heute zahlreiche Stücke in ganz Europa. 

 

Wohl unter dem Einfluß gotischer Kunsttendenzen entstand am Ende des 13. Jhs., wahrscheinlich in Italien (Siena), das transluzide Email auf Silber. Bei dieser Technik wird das Bild im Tiefschnitt auf die Silberplatte graviert und dann mit hauchdünnen durchscheinenden Schmelzschichten überzogen, wodurch der Gegenstand ein besonders kostbares Aussehen durch die starke Leuchtkraft erhält. Ausstrahlungen dieser Gattung finden sich vor allem in Frankreich und auch in Wien. Eine Abart ist das Fensteremail, wobei die Metallunterlage weggeätzt, die Emailschicht — in einen Gold- oder Silberrahmen gefaßt — auf ein Gefäß aufgenietet wird. Das 15. Jh. brachte eine weitere Vervollkommnung des transluziden Emails durch Applikation auf plastische Metallkörper.  

 

Am Ende des Mittelalters entstand in Oberitalien oder Venedig eine völlige Erneuerung der Emailtechnik: durch Zusatz von Chemikalien konnte man das Email zu einer zähen, mit dem Pinsel auftragbaren Masse machen und dadurch dem malerischen Bildausdruck des 16. Jhs. anpassen; eine farblose Emailschicht diente dabei als Malgrund, auf den dann in verschiedenen Schichten und Bränden die einzelnen Farben aufgeschmolzen wurden. In den Ateliers von Limoges wurde diese Technik im Verlauf des 16. und 17. Jhs. zu großer Virtuosität gesteigert. Die Hauptwerkstätten waren die Familienbetriebe der Pénicauds, Limousins und Raymonds. Es entstanden vor allem Bildtafeln, sogar Porträts, wie auch Schalen, Kannen und sonstiges Prunkgerät. Das 17. und 18. Jh. brachte mit Steigerung der Virtuosität auch einen künstlerischen Verfall der ganzen Art. Vor allem für Schmuck wurde Email aller Techniken weiterhin verwendet, worunter Dosen einen besonderen Platz einnehmen. Am Ende des 18. Jhs. wurde die ganze Gattung durch die Malerei auf Email und das Aufdrucken von Kupferstichen auf weiße Emailschicht (Battersea-Email) wesentlich verschlechtert. Erst in den letzten Jahrzehnten erfuhr vor allem das Grubenschmelz eine gewisse Erneuerung.

 

GESCHMIEDETES EISEN wurde in der Antike und im Frühmittelalter außer zu Waffen nur sehr wenig benützt. Vor dem 9. Jh. gibt es lediglich einige frühgermanische Gürtelschnallen. Im 9. Jh. tauchen Türbeschläge auf und seit dem 11. Jh. Gitter. Im 13. Jh. bestanden hervorragende Schmiedewerkstätten in England; in Frankreich wurde die Technik geschmiedeter Beschläge zur Virtuosität gesteigert. Die deutschen Arbeiten waren dagegen viel primitiver. Vom 13. Jh. an tauchen größere Gegenstände (wie Leuchter und Kaminböcke) auf. Zur besonderen Entfaltung gelangte in Frankreich die Erzeugung von Hostieneisen, die in Tiefschnitt mit Meißel gearbeitet waren. Im 14. Jh. entstanden bedeutende Leistungen in Italien durch Kombination der heißen Schmiedearbeit mit der kalten Arbeit mit Meißel und Feile, in Verbindung mit der Architektur (Pferdehaken, Türklopfer, Laternen und Gitter). Diese Kunst strahlte im 15. Jh. nach Deutschland aus, wo am Niederrhein, in Köln, weiterhin in den Niederlanden und in England bedeutende Arbeiten entstanden; auch die steirische Eisengegend mit Bruck a.d. Mur spielte eine große Rolle. Die künstlerisch wertvollsten Erzeugnisse aller Werkstätten des 15. Jhs. waren Beleuchtungsgeräte und Brunnenlauben.

 

Das 16. Jh. brachte eine Wandlung durch die Anwendung von Tauschierung— das Einhämmern von Silberdrähten — und Ätzung. Im 16. und 17. Jh. ist allerorts eine bedeutende Erzeugung von Gittern anzutreffen, die das künstlerische Hauptgebiet der Eisenkunst darstellen. Die deutschen Zentren waren vor allem am Rhein (Erfindung perspektivisch wirkender Gitter), in Ingolstadt, Augsburg und Hall in Tirol, Halberstadt und Hildesheim. Weitere Arbeiten von hohem Rang entstanden in Spanien (Sevilla und Avila). Sehr bedeutende Arbeiten weiterhin vom Ende des 17. Jhs. stammen aus Frankreich, wo die Gitter nicht wie in Deutschland vorwiegend aus Stäben, sondern aus Bändern gebildet wurden (Paris, Versailles). Neben den Gittern erlangte besondere Bedeutung die Anfertigung kunstvoller Türschlösser und sonstiger großer Gegenstände. Diese Gattungen wurden weiter auch im 18. Jh. mit Verfeinerung aller Techniken erzeugt (Süddeutschland und Wien). Neben der Schmiedearbeit erlangte der Eisenschnitt in diesen Jahrhunderten in Deutschland und Italien große Bedeutung für kleinere Prunkgegenstände. Im 19. Jh. kam der Eisenguß, der seit dem 15. Jh. in bescheidener Übung stand, auch in gewissen künstlerischen Rang.

 

BRONZE.

 

Zur besonderen Entfaltung mit höchster künstlerischer Bedeutung kam in allen Zeiten der Bronzeguß (Plastik, Kleinkunst). Kunstgewerbliche Erzeugnisse wurden in dieser Technik im Mittelalter in Italien und in Deutschland (Hildesheim und Augsburg, um und nach dem Jahr l000) angefertigt. Sie umfassen die großen, künstlerisch sehr bedeutenden Reliefbronzetüren und nebengeordnete kirchliche Gegenstände (wie Leuchter, Rauchgefäße, Taufkessel u. ä.). Immer wieder war dabei der Übergang zur Plastik mit Groß- und Kleinfiguren und Reliefs (Grabplatten) gegeben. In Frankreich spielten die Werkstätten von Poitiers eine große Rolle. Das 13. Jh. bringt neben Fortführungen einen großen Aufschwung in Italien, der im 14. Jh. auf Deutschland übergreift und im 14. und 15. Jh. in Italien diesen Handwerkszweig zum wichtigsten Ausgangspunkt großer Plastik werden läßt. Vom 14. Jh. an gibt es eine Reihe profaner Gegenstände im Zusammenhang mit der Architektur und dem Innenraum (Türklopfer, Beschläge, Leuchter und Luster); im kirchlichen Bereich Tabernakel und Taufkessel. Die deutschen Werkstätten von Augsburg und Nürnberg spielen im 16. Jh. die gleiche Rolle im Übergang zur Großplastik wie in Italien. Im 17. Jh. trat Frankreich an die Spitze. Aus der kunstgewerblichen Produktion dieser Werkstätten, die ihren Vorrang auch im 18. Jh. erhielten, stammen große, oft vergoldete Prunkgegenstände (wie Uhren, Leuchter und auch Teile von Möbelstücken). Am Anfang des 19. Jhs. herrschte auf diesem Gebiet, wieder im Zusammenhang mit der Großplastik, eine letzte Blüte.

 

ANDERE METALLE UND LEGIERUNGEN.

 

Messing wird in wesentlich bescheidenerem Umfang in ähnlicher Weise verwendet wie Bronze. — Verwandt dem Bronzeguß ist die Erzeugung von Glocken, deren erste Erwähnung von Theophilus stammt. Die Haupterzeugung liegt im 16.-18. Jh., in welcher Zeit Glocken oft in riesenhafter Größe gefertigt wurden. Sie tragen oft bildliche und ornamentale Reliefs in Gußform.

 

Unter den unedlen Metallen spielen weiterhin Zinn und Blei eine große kunstgewerbliche Rolle. Die Verarbeitung dieser Metalle ist erst nach dem Jahre 1000 bekannt. Aus Zinn wurden Gebrauchsgegenstände kirchlicher und profaner Bestimmung, aus Blei vor allem Plastiken gefertigt. Im 15. Jh. bildeten die Zünfte für Zinn ein Markensystem aus, das vor allem den Bleigehalt wegen der Verwendbarkeit der Gefäße ausweisen sollte. Die Gegenstände wurden in der Gesamtform gezogen und meist nachher graviert. Es handelt sich vor allem um Geräte des täglichen Gebrauches, z. B. Kannen, Humpen, Schüsseln, Krüge und Teller. Hervorragende Gegenstände entstanden in Frankreich im 16. und 17. Jh. Der deutsche Mittelpunkt war Nürnberg. Im 18. Jh. wurden vorwiegend Leuchter und Aufsätze erzeugt. Später verschwindet die künstlerische Verwendung von Zinn fast ganz. Das Blei spielt außer in Groß- und Kleinplastik und der Verwendung für Särge kunstgewerblich keine Rolle. — Kupfer, dessen Bearbeitung seit der frühen Antike bekannt ist, wurde von Bronze und Messing für kunstgewerbliche Objekte fast zur Gänze verdrängt. Es steht lediglich für reine Gebrauchsgegenstände in Verwendung.

 

STEIN, BERNSTEIN, ELFENBEIN.

 

Im 16. und 17. Jh. entstanden Steinschneidegefäße, die stilistisch an die Prunkgefäße der Goldschmiedekunst angeschlossen werden können. Es handelt sich hierbei um größere Formen, vor allem aus Bergkristall, Chalcedon, Onyx und Achat in grotesken Bildungen von Kannen, Pokalen und Flaschen. Die Gegenstände dienen keinem besonderen Gebrauch, sondern vertreten eigentlich die Funktion von kleinen Plastiken. Das Zentrum ihrer Erzeugung liegt in Florenz mit Ausstrahlungen nach Mailand und Frankreich sowie einigen Werkstätten in Süddeutschland. Im 17. Jh. trat die Werkstätte der Sarachi in Mailand hervor. Die gleiche Absicht wurde mit dem Zentrum in Königsberg im 17. Jh. durch Bernsteinarbeiten erreicht. Außer Humpen und gedrechselten Pokalen entstanden dort mit Reliefplatten besetzte Kassetten. Seit der Spätantike spielt auf dem Gebiet der Kleinplastik die Verarbeitung von Elfenbein eine große Rolle. Auch aus diesem Material entstanden im Zusammenhang mit der Goldschmiedekunst und den Steinschneidegefäßen Prunkgeräte im 16. und 17. Jh. Die Formen sind mit stark plastischem Ausdruck oft in gedrechselter Technik, vorwiegend Pokale und Humpen; daneben gibt es aber aus diesem Material auch eine Reihe spielerischer turmartiger Ziergegenstände.

 

 



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