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| Mittwoch, 24. Juni 2009 um 15:42 Uhr | ||
Möbel.
Im Gegensatz zu unserem heutigen Gebrauch gibt es in der Antike und auch im frühen Mittelalter wenig Möbelstücke im Sinne von zumeist aus Holz gefertigten, beweglichen großformigen Einrichtungsgegenständen für Innenräume. Von antiken Gegenständen dieser Art gelangen der Faltstuhl und der Armsessel in das Mittelalter. Nach Vasenbildern und Reliefs lassen sich derartige Gegenstände rekonstruieren. Aus dem 13. und 14. Jh. haben sich auch bereits einige Falt- und Lehnstühle erhalten, die aus kirchlichem Gebrauch stammen und in kostbarer Weise geschnitzt und verziert sind. Aus der gleichen Zeit gibt es Bänke und hölzerne Bettgestelle. Ein weiteres Möbelstück ist die Truhe, deren frühestes erhaltenes Beispiel in das 12. Jh. datierbar ist. Aus dem kirchlichen Gebrauch gibt es vom Beginn des 13. Jhs. auch schon einen Schrank. Die Truhe, auch in Kombination mit der Bank, ist das wichtigste Möbelstück der mittelalterlichen Innenräume vom 13. bis zum 15. Jh. Sie wird mit Ornamenten und Reliefs in Flach- und Tiefschnitt und mit Bemalung durch Bilder bedeutender Meister (vorwiegend im Italien des 15. Jhs.) versehen.
Ein wichtiger Schritt in der weiteren Entwicklung ist die Ausbildung des Schrankes, der entweder schmal, hoch und eintürig oder breit, mit Unterteilung und zweigeschossig gebildet wird. Der zweigeschossige Schrank ist aus dem Aufeinanderstellen von zwei Truhen entstanden. Beide Arten nehmen eine architektonische Gesamtform an, die sich in den Truhen bereits angekündigt hatte. Darin besteht ein Zusammenhang zwischen Architektur und Möbelstück, da die Form des den Innenraum bestimmenden Möbelstückes von der Erscheinung des ganzen Gebäudes abgeleitet und somit die Außenerscheinung nach innen übertragen wird. In deutschen und französischen Innenräumen derSpätgotik des 15. Jhs. erstreckte sich dieser Grundgedanke auch auf die anderen Einrichtungsgegenstände und damit auf die einheitliche Gestaltung des Innenraumes, bei dem oft eine Wandverkleidung zwischen den einzelnen Stücken vermittelt. Die Mitte dieser Räume bleibt gewöhnlich frei; Tische sind aus einzelnen Teilen zusammengesetzt und leicht zu entfernen. Von der Architektur abgeleitet, kommt es zu einer reichen Ausbildung des gotischen Ornaments auf den Möbelstücken des 15. Jhs. in Flachschnitt und Durchbrucharbeit. Als wichtiges weiteres Stück wird das Pult, oft in Kombination mit einem kleinen Kasten, ausgebildet, woraus Kabinettschrank und Sekretär entstehen. Auch Betten werden in architektonischer Weise durch den Baldachin über dem Bettkasten ausgebildet. Gegen Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jhs. werden die Formen, vor allem unter dem Einfluß der italienischen Möbel, schwerer und wuchtiger (Abb. 127).
Der Stil des Innenraumes der italienischen Frührenaissance übernimmt das Prinzip der Gesamtdekoration und Wandverkleidung. Doch entstehen auf Grund der neuen architektonischen Prinzipien raumfordernde Möbelstücke, die sich von der Verkleidung loslösen und, oft mit Füßen versehen, frei in den Raumgestellt werden. So entsteht die große Bank, der Thronsessel, die Kredenz als halbhoher Schrank und der Schreibschrank mit abklappbarer Vorderwand. Dazu vor allem der festkonstruierte Wangentisch und der runde Tisch auf dem Mittelfuß. Die Truhe mit geschnitzter oder bemalter Vorderwand behält weiter ihre große Bedeutung. Eine große Zahl der Möbelstücke der italienischen Hochrenaissance, deren wichtige künstlerische Rolle zur Hauptsache in der Ausbildung der Schnitzerei liegt, zeigen die Tendenz zum großförmigen Kombinationsmöbelstück. Das wichtigste Zentrum mit den qualitätvollsten Stücken ist Florenz. Alle diese Formen werden im Verlauf des 16. Jhs. nach Frankreich übernommen, wo sie eine dekorativere und manieristischere Form erhalten, die ihren architektonischen Aufbau verunklärt; den dekorativen Höhepunkt dieser Erzeugnisse bilden die Rücklehnen der Armsessel. In reicher Variationsfülle entstanden Kabinettschränke und Dressoirs (Kredenzen) als Kombinationsmöbel oder Kommodenmit mehrtürigen Aufsatzschränken. In Deutschland begegnet man der gleichen Situation mit stärkerer Ausbildung wuchtiger Formen im architektonischen Stil, der gegen 1600 zur kleinteiligen Dekoration in Ausschnittechnik überführt. Die handwerklichen Zentren sind Augsburg, Zürich und Köln.
In der zweiten Hälfte des 16. Jhs. entsteht wahrscheinlich in Italien die Intarsia (Mosaik- und Einlegearbeiten), die Einlegetechnik, bei der Bild und Ornament aus verschiedenen farbigen Edelhölzern ausgeschnitten in eine Platte eingelegt werden. Auf den ersten Höhepunkt gelangt diese Technik in der Zeit um 1600 mit sehr komplizierten architektonischen Kompositionen. Am Beginn des 17. Jhs. werden in Deutschland und den Niederlanden große Prunkschränke mit reichen Schnitzereien und Intarsien gefertigt.
Vom späten 17. Jh. bis in die Zeit um 1800 erfährt die Möbeltischlerei aller Gebiete eine sehr große Steigerung durch Ausbau der einzelnen Formtypen, Variation der Formen, Verfeinerung der einzelnen Techniken und Kombination der Tischlerei mit anderem Kunsthandwerk. Die Hauptleistungen liegen dabei in Frankreich,Deutschland und England, gefördert durch wechselseitige Einflüsse im Verlauf des 18. Jhs. Der Beginn aller dieser Steigerungsformen liegt im Frankreich Ludwigs XIV. Als neue Technik kommt die Anwendung des Fourniers dazu, bei dem der Kern des Möbelstückes mit harten, dünnen Edelholzplättchen verkleidet wird, die poliert werden können und dadurch dem Stück einen besonderen Glanz verleihen. Dieses Verfahren verbindet sich mit Metallein- und -auflage. J. Boulle steigert dies noch durch Einlegearbeiten von Metall in Möbel Schildpatt; in vielen Fällen wird als oberer Abschluß der Möbel eine Marmorplatte verwendet. Formen und Ornamente werden in gleicher Weise gesteigert und alle diese Stücke in die von Marmorverkleidung oder Tapisserien beherrschten Innenräume hineinkomponiert. Die wichtigsten Möbelstücke waren: Kommode (Abb. 126), Eckschrank, verschiedene Arten des Tisches, Kanapee und Chaiselongue und eine Reihe von Kombinations- und Luxusmöbeln (Ch.Cressent).
Diese Kunst strahlt nach Deutschland aus, wo Möbelstücke in sehr üppigen Formen in dem süddeutschen Zentrum Augsburg und den norddeutschen der Hansestädte entstanden. Das Raffinement dieser Möbel wird in der Zeit des Rokoko, der Mitte des 18. Jhs., unter erneuter Einbeziehung der einzelnen Stücke in eine gesamte Innendekoration weiter gesteigert (Nic.Pineau). In diese Zeit fällt wohl der Höhepunkt der Tischlerarbeit und der Variation der Stücke. Bei vielen Kommoden, Näh- und Toilettetischchen wie auch Sekretären trat die Verwendung von Lackarbeit zur Dekoration hinzu (F.Oeben). Die zweite Hälfte des 18. Jhs. bringt das technisierte Möbelstück, bei dem Fächer, Klappen und Laden mit Federverschluß und Druckknopf verschlossen werden. Die deutschen Möbel dieser Zeit sind wesentlich bürgerlicher und einfacher, obwohl auch auf diesem Gebiet Kombinationsmöbelstücke entstehen, vor allem der Schreibschrank als Tabernakelkasten (Spindler).
Sehr bedeutende Möbelstücke entstehen in strengerer Form unter holländischem Einfluß in England im 18. Jh. mit dem Hauptmeister Thomas Chippendale, der neuartige Ornamente und Chinoiserien bringt. In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts werden dort besonders bedeutende Intarsien gearbeitet. Der Klassizismus setzt im englischen Möbel schon in der Mitte des 18. Jhs. ein (R. Adam, Hepplewhite, Sheraton). Auch in Frankreich entfaltet sich in der Zeit Ludwigs XVI. ein Klassizismus, der in Einzelform und Dekoration die feinsten Nuancierungen bringt. Sein Hauptmeister ist J. H. Riesener, der für Marie Antoinette arbeitet. Alle französischen Möbel dieser Zeit, die weiterhin bedeutende Prunkstücke bleiben und in den meisten Fällen signiert sind, stehen mit sehr qualitätvollen Bronzearbeiten in Verbindung. In Deutschland steigert David Roentgen die Intarsienkunst und das technisierte Möbelstück zu einer bisher noch nicht erreichten Höhe. Auch in der Zeit des Empire sind die französischen Arbeiten, gekennzeichnet durch einen klassizistischen Stil unter reichlicher Verwendung von Bronzearbeiten, führend (Percier).
In den deutschen Möbeln des Biedermeier werden alle diese Formen ins Kleine übersetzt. Nach dem Historismus des 19. Jhs. bringt die Zeit um 1900 mit dem Jugendstil (van de Velde) und der Wiener Werkstätte (Josef Hoffmann) eine Erneuerung des handwerklichen Charakters der Stücke des Innenraumes. Darauf bauen die Möbelschöpfungen der DeStijl-Gruppe (Rietveld) und des Bauhauses (Breuer, Mies van der Rohe) auf.
In gewisser Verbindung zu den Möbeln und der Innendekoration stehen im 16. und 17. Jh. Lederarbeiten, deren eigentliches Hauptgebiet die Bucheinbände sind. Es ist anzunehmen, daß die Kunst der Lederbearbeitung — vor allem die Verzierung der Lederflächen mit Goldornamenten, bei denen mit Hilfe kleiner Metallstempel und Punzen dünne Goldblättchen auf die Lederunterlage aufgeprägt werden—von der islamischen Kultur des hohen Mittelalters ausgebildet und von da über Italien nach ganz Europa übertragen wurde. Die größten Leistungen auf diesem Gebiet finden sich vorerst unter den Bucheinbänden, deren früheste bekannte Lederschnittarbeiten aus Ägypten aus dem 13. Jh. stammen. Dann finden wir bedeutende Lederschnitt- und Prägearbeiten im 14. und 15. Jh. in Europa und die Steigerung dieser Kunst im Zusammenhang mit dem gedruckten Buch und den kunstvollen persischen Arbeiten im 16. Jh. In Italien wie in Frankreich wird diese Kunstausübung vorwiegend im 16. und 17., aber auch noch im 18. Jh. zu großer Höhe entfaltet. Die gleiche Technik wird auch für Lederüberzüge von Weichholzgegenständen (kleine Kästen, Schränkchen, Kassetten und Futterale) angewendet. Dazu kommt in vielen Fällen auch die Reliefprägung auf Leder und die Bemalung. Sogar große Ledertapeten, die in Stil und Form mit den Tapisserien in Verbindung stehen, sind dabei entstanden. Dazu kommen noch Lederbezüge von Polsterungen der Sitzmöbel des 17. und 18. Jhs., die in ähnlicher Weise verziert werden. Die Kunst der Lederbearbeitung erlebt in der Handwerkserneuerung um 1900 durch Morris, die Wiener Werkstätte und ähnliche Bewegungen in ganz Europa für Bucheinbände und kleine Luxusgegenstände eine neue Blüte. |
























































