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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Mosaik und Einlegearbeiten PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. Juni 2009 um 17:19 Uhr

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Mosaik und Einlegearbeiten.

 

I. Die Technik des Mosaizierens ist zumindest seit dem vierten Jahrtausend bekannt. In Mesopotamien haben sich vor allem Fußböden aus Naturkiesel erhalten, die in Größe und Farbe zu Ornamenten geordnet sind. Verschiedenfarbige gebrannte Tonstifte werden auch zur Dekoration einzelner Wandstreifen (Lisenen) verwendet (Ur). Der Brauch, den Boden teppichmusterartig mit geometrischen (Labyrinth, Mäander) oder auch aus dem Pflanzenreich entlehnten stilisierten Formen (Lotosblüten, Granatapfel, Akanthus) zu schmücken, hat sich in den verschiedensten Variationen durch Jahrhunderte gehalten. Erst im 4. Jh. v. Chr. werden in solche ornamentale Zusammenhänge bildende Dekorationen einzelne figürliche Darstellungen eingefügt.

 

Obwohl z. B. in Pompeji einzelne Wandstreifen und auch ganze Säulen in Mosaiktechnik inkrustiert sind, ist das an der aufrechten Wand angebrachte Mosaikbild erst in frühchristlicher Zeit nachweisbar (Lateran-Baptisterium, um 315). Das bedeutendste ist wohl der kleinfigurige Zyklus an den Langhauswänden von Sta. Maria Maggiore in Rom (Abb. 72). Hauptanbringungsort von Mosaiken sind jedoch seit dem 5. Jh. Apsis und Triumphbogenwand (christliche Kunst). Im allgemeinen bleiben — besonders im ostchristlichen Bereich — die gewölbten Flächen dem Mosaik vorbehalten, während die vertikalen Wände mit Marmorplatten verkleidet sind.

 

Während im Abendland mit Ausnahme Roms (Sta. Prassede u.a., Anfang 9. Jh.) und Venedigs (Torcello,12. Jh., San Marco, Mitte 12. bis Mitte 14. Jh.) Mosaikmalerei nur vereinzelt auftritt (St. Denis, Ende 12. Jh., nicht erhalten; Florenz, Baptisterium, um 1225; Prag, Veitsdom, 14. Jh.), wird im byzantinischen Bereich nach dem Bilderstreit (726-843) das Mosaik Hauptträger der monumentalen Kirchenausstattung. Hier entwickelt sich ein strenges, hieratisches Dekorationssystem (byzantinische Kunst). Ein weiteres Ausstrahlungsgebiet byzantinischer Mosaikmalerei gehört der russischen Kunst an. In Byzanz selbst kommt die Mosaikkunst im 14. Jh. noch einmal zu hoher Blüte (Konstantinopel, Kahrie Djami; Saloniki, Apostelkirche).

 

Eine Sonderform des Mosaiks bilden die aus oft nur stecknadelkopfgroßen Steinchen gearbeiteten Mosaikikonen, während das sog. >Florentiner Mosaik<  (pietra dura) eine Intarsiaarbeit ist und mit dem Mosaik nur den Namen gemein hat. — Obwohl die Technik des Mosaizierens nie ganz verlorengeht — vor allem in Venedig, wo man sie bei der Jahrhunderte währenden Ausstattung von San Marco weiterhin übt — und 1743 in Rom die päpstliche Mosaikwerkstatt gegründet wird, handelt es sich hierbei nur um eine, wenn auch technisch höchst verfeinerte Übertragung von Pinselmalerei in die fremde Technik. Wie viele alte Techniken wurde die Mosaikmalerei im 19. Jh. >neu belebt<, doch sind erst in letzter Zeit, teilweise mit neuen Materialien (keramisches Mosaik), entsprechende Lösungen gefunden worden.

 

II. Dem Mosaik verwandt und vielfach fälschlich auch als solches bezeichnet sind die verschiedenen seit dem Altertum bekannten Einlegearbeiten, die nach dem dabei verwendeten Material unterschieden werden. Das Arbeiten >Stein in Stein< heißt Inkrustation. Aus zurechtgeschnittenen Platten (opus sectile) für Fußböden war es wahrscheinlich in Alexandria besonders beliebt (daher auch opus alexandrinum). Ähnlich den meisten Bodenmosaiken handelt es sich vorwiegend um geometrische Muster. Figürliche Darstellungen bleiben in kleinem Format und treten erst in späterer römischer Zeit auf (Pompeji). An aufrechten Wänden wird — vor allem im byzantinischen Bereich — die Inkrustation zur Sockelverkleidung verwendet. Einen Höhepunkt dieser in erster Linie dekorativen Kunstübung stellen die Arbeiten der Cosmaten in Rom vom 12. bis 14. Jh. dar. Neben Pavimenten schufen die meist untereinander verwandten Meister auch Kirchenmöbel aus Stein — wie Chorschranken (S. Maria in Cosmedin), Ambone, Bischofsstühle, Grabmäler, Altarplatten — und verwendeten dabei auch Halbedelsteine und farbige Glasflüsse, wodurch sie dem Mosaik nahekommen. Die streng geometrischen Muster gehen auf orientalische Einflüsse zurück; figürliche Darstellungen treten erst im 13. Jh. auf. Für den Ruhm der Cosmaten ist bezeichnend, daß ein Meister Odericus 1268 nach England berufen wird, um hier das Grabmal Heinrichs III. (London, Westminster-Abtei) zu schaffen. In monumentaler Weise verwenden die Florentiner Baumeister der Protorenaissance (12. Jh.) Inkrustationen (Baptisterium, S. Miniato al Monte, Bd. II Abb. 38; Campanile des Domes). Am bekanntesten ist die Fassade des Domes zu Orvieto von Arnolfo di Cambio, der auch als Bildhauer von den Cosmaten angeregt wurde.

 

Florale Ornamente und gegenständliche Darstellungen in Inkrustationstechnik sind seit dem 15. Jh. beliebt und werden als Altarplatten und zur Dekoration von Wandfeldern mit Wappen, Emblemen und Blumenvasen bis in den Barock gebraucht. Das Wetteifern mit dem gemalten Bild führt zwar zu höchster Verfeinerung der Technik, gleichzeitig aber auch zu einer Vernachlässigung der Materialwirkung. In kleineren Formaten und oft aus wertvollem Material hergestellte Platten aus >Florentiner Mosaik< (s. o.) erfreuten sich im 17. Jh. großer Beliebtheit als Tischplatten, Möbeleinsätze und Tafelaufsätze. Sie bilden einen wichtigen Bestandteil der Schatzkammern.

 

Als Intarsia im engeren Sinne werden Einlegearbeiten in Holz bezeichnet. Solche Holzarbeiten waren ebenfalls schon im Altertum bekannt (ägyptische Möbel mit Elfenbeineinlagen und griechische Totenkisten) und dürften wohl auch aus dem Orient stammen. Im europäischen Bereich hat die Intarsia im 14. Jh. in Italien eine Rolle zu spielen begonnen und im Quattrocento eine große Blüte erlebt. Hauptsächlich sind es Kirchenmöbel, die mit verschiedenfarbigen und auch eigens gefärbten Hölzern dekoriert wurden (Chorgestühl im Dom zu Orvieto, 1414-23). Neben den rein geometrischen, stets hell auf dunklem Grund ausgeführten Ornamenten treten bald >Stilleben< auf, die offene Türen vortäuschen und den Inhalt des Schrankes zeigen. Um die Mitte des 15. Jhs. werden auch figürliche Darstellungen, oft nach Entwürfen bedeutender Maler (Botticelli für Sakristeitüren in Urbino), in Holz ausgeführt. Das Bestreben, durch die Holzwahl und eingebrannte Schatten Raumtiefe und Körperhaftigkeit vorzutäuschen, gipfelte in einer außerordentlichen Virtuosität (Chorgestühl in S. Domenico in Bologna von Fra Damiano, um 1536), die aber, wie bei der Inkrustation, zu artistischem Selbstzweck wird.

 

Sind in Italien außer für Kirchenmöbel und auch Brauttruhen kaum Holzintarsien verwendet worden, so wird nördlich der Alpen im 16. Jh. die Intarsia der Hauptschmuck der bürgerlichen Wohnung. In Nürnberg und Augsburg werden für den Gebrauch der Möbeltischler eigene Ornamentstichwerke herausgegeben (Möbel), und Einlegearbeiten verzieren nicht nur die einzelnen Möbelstücke, sondern überziehen auch Wände und Decken (Schloß Völthurns in Südtirol; Decke des oberen Saales der Residenz Landshut, mit stark italienischen Anklängen; Kriegsstube im Lübecker Rathaus, alle Ende 16. Jh.). Selbst ganze Bilderzyklen werden aus Holz zusammengesetzt (Hornzimmer der Veste Coburg). Für kleinere Möbel werden seit dem 16. Jh. in zunehmendem Maße auch Elfenbein, Horn, Schildpatt und schließlich auch Lapislazuli und einzelne Metalle verwendet, so vor allem in Frankreich im 17. Jh. (Marqueterie), wo die Intarsia als die Dekorationsform für Luxusmöbel eine dominierende Rolle spielt. In Deutschland war die bekannteste Werkstatt die der Familie Roentgen in Neuwied. Im späten 18. und frühen 19. Jh. werden Einlegearbeiten wieder strenger tektonisch verwendet, um schließlich ganz zu verschwinden. Einzig die Andenkenindustrie pflegt noch heute die Technik der Intarsia. Eine Sonderform stellt die Reliefintarsia dar, ein im 17. Jh. fast ausschließlich in Deutschland auftretendes Verbinden von eingelegten und geschnitzten Holzteilen, die oft noch bunt bemalt sind. — In der Wirkung der Intarsia verwandt ist das nach den klösterlichen Werkstätten benannte Certosamosaik, das ebenfalls aus verschiedenfarbigen Hölzern zusammengesetzt ist, dessen Ornamente aber auf halb mechanischem Wege hergestellt sind.

 

Einlegearbeiten von Gold und Silber in anderes Metall (sog. Tauschierung) sind schon in der Bronzezeit geübt worden und haben vor allem im Orient große Bedeutung erlangt. Nach den berühmten und begehrten arabischen Waffen aus Damaskus wird die Metallintarsia auch Damaszierung genannt. Während vor allem im 16. Jh. Prunkrüstungen und Waffen reich tauschiert waren, wird diese Technik in Europa seit dem 17. Jh. kaum mehr geübt, im Orient dagegen bis heute viel verwendet.

 

 



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