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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Ornamentik PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. Juni 2009 um 17:21 Uhr

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Ornamentik.

 

Die Kunstentfaltung aller Zeiten kennt neben jener bildlichen Darstellung, deren Absicht das Einzelbild oder die Folge von Einzelbildern ist, eine Bildart, die sich durch die Eigentümlichkeiten der Reihung und Versetzbarkeit vom Einzelbild wesentlich unterscheidet: das Ornament. Die Worterklärung des Namens, der von ornare (= schmücken) abgeleitet ist, verleiht dieser Gattung gegenüber dem Einzelbild untergeordnete Stellung. In den meisten Fällen tritt das Ornament neben dem Bild, dieses rahmend, oder als Flächenfüllung zwischen Bildern auf, wenn es auch, vor allem im Kunstgewerbe, Objekte gibt, deren einziger Schmuck aus Ornamenten besteht. Im einzelnen besteht das Ornament aus Bildern oder bildlichen Zeichen, denen aber kein illustrativer Charakter zukommt. Demnach wird die Abbildung eines Gegenstandes, etwa einer Pflanze, nicht seines Abbildes wegen gesetzt, sondern aus dem Nebeneinander- setzen seines Bildes ein Streifen oder eine Flächenfüllung geformt. Hierbei kommt das Prinzip der Reihung, des >unendlichen Rapports<, zur Anwendung, das in dem Nebeneinander- setzen gleichartiger Bilder besteht. Aus dieser Anordnung ergibt sich die Versetzbarkeit der so gewonnenen Form, da der Streifen (oder die Flächenfüllung) sich bei Gleichartigkeit des Bildes in beliebiger Weise ausdehnen, vergrößern oder verkleinern, wie auch der jeweils gebotenen Fläche anpassen läßt.

 

Zu diesen Charakteristiken jedes Ornaments tritt als weiteres die Stilisierung, das ist die Veränderung des gesehenen Bildes nach bestimmten zeitbedingten Formgesetzen. Diese Stilisierung, die außer dem Ornament auch das Einzelbild erfassen kann, tritt aber beim Ornament jeweils stärker, verbunden mit der Tendenz nach Vereinfachung der Einzelform auf. Dabei steht das Ornament in engster Verbindung mit dem Begriff der Dekoration, worunter man Kompositionen von Flächenfüllungen versteht, die der Form des Trägers angepaßt sind. Die Dekoration besteht aus Bild und Ornament, wobei das Ornament das einzelne reihbare und versetzbare Element der Gesamtkomposition darstellt. In vielen Fällen wird die Bildung solcher Dekorationen durch eine weitere Eigentümlichkeit des Ornamentes, die phantastische Kombination, hergestellt (Mischgebilde aus Menschen-, Tier- oder Pflanzenformen).

 

Nach den gegenständlichen Ausgangspunkten lassen sich drei Hauptgattungen von Ornamenten unterscheiden: das P flanzen-, das Tier- und das geometrische Ornament, wozu als Sonderfälle noch Ornamente aus architektonischen Einzelformen und aus Schriftzeichen treten. Die Stilisierung einzelner Bilder der ersten beiden Gruppen kann in vielen Fällen bis an die Grenze geometrischer Zeichen vorschreiten. Bei den geometrischen Ornamenten selbst ist im einzelnen oft schwer zu unterscheiden, ob sie aus Stilisierungen entstanden sind oder primär aus Linien gebildet wurden. Einfachste geometrische Ornamente stellen dabei Übergänge zu Flächenmusterungen dar, wonach beim geometrischen Ornament zwei Entwicklungslinien zusammentreffen. So gibt es z.B. lineare Ausprägungen des ägyptischen Lotosornamentes, bei denen der Zusammenhang mit der Pflanze kaum mehr zu erkennen ist, oder geometrische Formen, wie das griechische M äanderband, bei dem eine Ableitung aus einem Schlangenornament durchaus möglich erscheint. Daneben gibt es aber ohne Zweifel ganz einfache Linienornamente, wie Zahnschnitt oder Strichbänder, die wohl kaum aus einem Abbild entstanden sind. Eine Sonderstellung nimmt jenes Ornament ein, das aus architektonischen Einzelformen besteht, wie etwa die Enden von Balken, deren Form als >Ornament< in den Triglyphen griechischer Tempel auftritt. In ähnlicher Weise als Sondererscheinung kommen auch Buchstaben, vor allem in Kulturen mit Bilderschriften, als Ornamente vor.

 

Aus all dem ergibt sich, daß abbildbare Gegenstände in einer Weise gezeichnet werden können, die es möglich macht, ihr oft weitgehend verändertes Bild in verschiedenster Weise reihenhaft an verschiedenen Objekten anzubringen und diesen dadurch einen geschmückten Charakter zu verleihen. Bei der Frage, welche Gegenstände dazu herangezogen wurden, zeigt es sich, daß die Zahl keineswegs groß ist und daß eine starke Konservativität und Tradition unter ihnen besteht. Ein eigenartiger Zug innerhalb dieser Tradition ist die oft weitgehende Veränderung des Erscheinungsbildes der einzelnen Ornamente, so daß ihr Zusammenhang erst durch Heranziehung vieler Zwischenglieder erkannt werden kann.

 

Historisch gibt es jeweils für die verschiedenen kunstgeschichtlichen Perioden sehr charakteristische Ornamente. Die ägyptische Kunst ist im wesentlichen vom Pflanzenornament der Lotosblume beherrscht, die in verschiedenen Ansichten und Ausprägungen auftritt. Neben dieser erscheinen häufig Ornamente, die aus Schriftzeichen gebildet sind. In diesem Fall besteht ein sehr deutlicher Symbolzusammenhang. Auf einem sehr komplizierten und stufenreichen Weg der Verwandlung entstand aus dem ägyptischen Lotosornament die griechische Palmette (Abb. 105). Die nächste Verwandlungsstufe erreicht dieses Ornament in der griechischen Klassik durch Naturalisierung und Vegetabilisierung zum Akanthusornament (Abb. 1°6). Diese Form wurde vorerst dem Bild des natürlichen Gewächses angepaßt, im folgenden aber selbst wieder stilisiert und verändert, wodurch sie sich in späterer Zeit innerhalb der römischen Kunst dem Palmetten- und Lotos-Ornament wieder annäherte. Auf dem Wege der phantastischen Kombination, nach dem schon die ägyptischen Lotosreihen durch Linien- und Rankengebilde verbunden wurden, entstand die Palmettenranke (Abb. 104) der Griechen, die mit dem natürlichen Erscheinungsbild einer Pflanze nichts zu tun hat. Diese Form hatte aber eine so starke ornamentale Tradition, daß sie auch in die vegetabile Gestalt einer Akanthusranke übersetzt wurde, obwohl es so etwas in der Natur nicht gibt. Neben diesem für die griechische und römische Antike bedeutendsten Ornament tritt als wichtige Form im griechischen Bereich noch der geometrische Mäander auf. Eine Vermittlerrolle zwischen dem ägyptischen und dem griechischen Kulturbereich spielt Mesopotamien, dessen streng stilisierte Tierfiguren allerdings nicht der Ornamentik im eigentlichen Sinn zugerechnet werden können, dagegen aber seine Pflanzenornamente, die eine eigenartige Palmettenform zeigen, die die ägyptische Tradition zu den kyprischen Kunstformen des 8. und 7. Jhs. und von da zu den griechischen Formen weiterführt.

 

Gesondert neben dieser antiken Tradition stehe eine Ornamentik, die von den germanischen Völkerschaften im Norden Europas ausgebildet wurde. Dort taucht ein Tierornament in reinster Ausführung auf, bei dem erkennbare Tierfiguren mit verschlungenen Bändern verbunden sind, aus denen ein unruhiges, die Fläche überziehendes Muster entsteht, das an einzelnen >Knoten<-Punkten in Tierkörper übergeht (Bd. II, Abb. 54).

 

Den Ausgangspunkt der späteren abendländischen Ornamentik seit der Antike bilden aber die Formen der spätrömischen Kunst des 4. bis 6. Jhs., die neben der starken Tradition des antiken Palmetten- und Akanthusornamentes gewisse Elemente der frühgermanischen Bandverschlingungen aufgenommen hat. In der Zeit vom 7. bis zum 12. Jh. ist deutlich zu sehen, daß jeweils mit dem Erstarken germanischer Elemente — wie etwa unter den Langobarden des 7. u. 8. Jhs. in Oberitalien oder an verschiedenen Stellen Europas im Verlauf des 12. Jhs. — die Verschlingungselemente stärker hervortreten (Bd. II Abb. 54,59-61), dagegen aber in Zeiten mit antikisch klassizistischen Strömungen — wie unter Karl dem Großen — das Akanthusornament dominiert. Eine neue Entwicklung setzt im 13. Jh. mit der Gotik ein, deren Ornament, das Maßwerk (Abb. so), einen stark geometrischen Charakter aufweist, bei dem sich Linienfiguren mit architektonischen Elementen verbinden. Dieses taucht zuerst in der Buchmalerei und auf Glasfenstern (Abb. 74) als Rahmen einzelner Bildfelder auf, gibt aber dabei mehr eine dekorative Grundstruktur, um Bilderfolgen in der Fläche zu ordnen, als ein selbständiges Ornament. Die dichte Anordnung kleiner Bilder auf den großen Flächen der Fenster erhält durch dieses in mehreren regelmäßigen Formen ausgebildete Rahmensystem einen sichtbaren Ausdruck der inneren Ordnung, was auszudrücken auch die Absicht dieser Dekoration ist. Zum Ornament im eigentlichen Sinn wird das Rahmenwerk aber erst durch seine Verbindung mit der Pflanzenranke und mit der architektonischen Einzelform, denn durch das Hinzufügen von Blättern und Blüten werden die Rahmen zu stilisierten Ranken verändert, deren Innenfelder Blattformen annehmen. In dieses Rahmenwerk wurden im weiteren Verlauf konstruktive Formen der Wand- und Fenstergliederung als dekorative Elemente einbezogen. Wie sich hier auf dekorativem Gebiet das Pflanzenornament mit architektonischen Formen verbindet, so dringt dieses auch in die Architektur ein (Kathedrale von Reims). Es stellt den naturalistischen Gegenpol des geometrischen Maßwerkes dar. Die weitere Entwicklung führt nun von da einerseits zu immer dichter werdenden geometrischen Linien- und Felderornamenten im Zusammenhang mit architektonischen Einzelformen, andererseits in steigendem Maß zur Durchsetzung dieser Formen mit Blüten und Blättern. Die naturnahe Form der Pflanzen geht dabei im 14. Jh. wieder verloren, um in der Spätgotik des 15. Jhs. in verstärkter Weise neu zum Durchbruch zu gelangen. Den Endpunkt dieser Entwicklung stellt ein Ornament dar, das in stärkster Vegetabilisierung der bisherigen Formen die Ranken und Rahmen sogar als Äste erscheinen läßt.

 

Eine neue ornamentale und dekorative Formentwicklung leitet die italienische Renaissance durch die Wiederaufnahme des antiken Ornamentes kaiserzeitlicher Prägung ein (Abb. 107). Obwohl in der Architektur und im Kunstgewerbe des frühen 15. Jhs. in Italien bereits römische Pflanzenornamente auftreten, vollzieht sich der entscheidende Schritt für die Nachfolge durch die Dekorationen Raffaels und Giovannis da Udine (Abb. 111), die die Welt römischer Dekorationen aus dem schon länger bekannten >goldenen Haus< des Nero übernahmen. Das dort ausgeprägte System der aus Stauden, Kandelabern, Figuren und Mischwesen komponierten Wandfelder römischer Räume, die sie >grotte< nannten (daher die Bezeichnung >Grotesken<), wird von Künstlern der Renaissance in phantastischer Weise fortgebildet. Zu seiner ersten Entfaltung gelangt dieses Prinzip an den Wänden von Raffaels Loggien im Vatikan und blieb die Grundlage der Dekoration bis an den Anfang des 19. Jhs. Neben dieser sehr entwicklungsfähigen Dekoration tritt, ebenso im Verlauf des 16. Jhs., in der Maureske (Abb. 108) ein anderes System auf, das sich später mit der Groteske verband. Durch den im 15. Jh. einsetzenden Import islamischer Kunstgegenstände (besonders Bucheinbände und Keramiken) nach ltalienkam das Pflanzenrankenornament dieser Kunstentfaltung nach Europa und hat hier eine neue Blüte erlebt. Das islamische Ornament ist aber selbst auch eine Fortbildung der spätantiken Pflanzenranke, die aus religiösen Gründen ohne menschliche und tierische Figuren in Verbindung mit Flechtbändern und geometrischen Feldereinteilungen zu einem dichten stilisierten System gesteigert wurde und als solches Eingang in die europäische Kunst fand. Die durch Ornamentstiche des 16. Jhs. weit verbreitete Ornamentik erlebte in Verbindung mit der Groteske eine reiche Fülle von Variationsformen.

 

Im Manierismus entstand daraus ein dichtes System, das, auf kunstgewerbliche Gegenstände angewendet, die Oberflächen der Gefäße und Geräte überzieht, die Konturen beherrscht und als Flächenmusterung auf Textilien und Wandfeldern zu phantasievollen Kompositionen führt. Dieses System, das in seinem Wesen durch lange Zeit hindurch gleich bleibt, verändert in kurzen Abschnitten seinen formalen Charakter. So treten in der 2. Hälfte des 16. Jhs. im >Beschlagwerk< (Abb. 109) Rahmen auf, die wie aus metallenen Bändern gearbeitet erscheinen, mit Öffnungen in den Bändern, durch die andere Bänder durchgesteckt gezeichnet sind. In der Zeit um 1600 wurden im >Rollwerk< (Abb. 110) die Enden dieser Bänder räumlich wie aufgerollt gezeichnet, das Gesamtbild wird von Volutenbildungen beherrscht. Als erste Stufe barocker Dekoration nahmen Anfang des 17. Jhs. diese Rahmen im sog. Knorpelstil (Abb. 114) körperlich-plastische weiche Formen mit anthropomorphem Charakter an. Durch den Zusammenhang aller dieser einzelnen Ausprägungsformen mit der Groteske blieb in ihnen die Verbindung mit der menschlichen Figur immer bestehen. In vielen Fällen handelt es sich dabei sogar um Verbindungen zwischen Blatt und Gesicht in eigenartigen Masken. Diese Blattgesichter treten schon im Ornamentstich der ersten Hälfte des 16. Jhs. auf und bilden im frühen 17. Jh. ein wesentliches Element des Knorpelstiles. In der zweiten Hälfte des 17. Jhs. setzt eine neuerliche Steigerung des Blattornamentes in reichen Bildungen der Akanthusranke ein, deren Blätter in stark räumlich wirkenden Voluten geformt wurden. Italienische und französische Dekorationen (wie die von Le Pautre) sind von diesem Ornament beherrscht. Daneben bringen die dekorativen Entwürfe von Ducerceau und Berain (Abb. 112) großartige Flächenkompositionen aus dünnlinigen Ranken und zarten Architekturen, die oft einen illusionistisch wirkenden >Raum< für einzelne Figuren und kleine Szenen bilden. Die Versetzbarkeit aller dieser Dekorationselemente hält weiter an, wenn auch die bedeutendsten Kompositionen dieser Art für große Wandfelder, Tapisserien oder Tapeten gedacht sind. Am Beginn des 18. Jhs. wird dieses weiterhin aus Grotesken, Rankengebilden und Maureskelementen bestehende System um die Muschel und das Bild des Wassers bereichert.

 

Auf dieser Stufe tritt als Ergänzung die Chinoiserie hinzu, die mit der am Beginn des 18. Jhs. in den dekorativen Künsten Europas auftretenden Chinamode in Verbindung steht. Die eigenartige Leichtigkeit und Labilität der chinesischen Vorbilder (die wohl vornehmlich dem importierten chinesischen Porzellan entnommen waren) kommen der Beweglichkeit europäischer Dekorationen dieser Zeit entgegen und verbinden sich mit ihr in einer Reihe großartiger Kompositionen, die einen asymmetrischen und labilen Charakter annehmen. Die erste Stufe dieses als Rokoko (Abb. 113) bezeichneten Systems liegt in den vierziger Jahren des 18. Jhs. in Frankreich mit dem Höhepunkt in den Entwürfen Bouchers, die zweite um zehn bis zwanzig Jahre später in den französischen Entwürfen Pillements und der Deutschen Götz und Hoppenhaupt. Das Phantastische der Welt der Groteske ist in diesen Entwürfen, die in ihren Ausführungen die gesamte Innendekoration vieler Räume umfassen, in nicht mehr überbietbarer Weise gesteigert.

 

Gegen diesen Formenreichtum setzt im späten 18. Jh. eine entschiedene Reaktion und Ablehnung ein, deren erster Ansatz in Ornament und Dekoration des französischen >Louis-seize< zu finden ist. Immer noch bildet das Akanthusblatt das wichtigste Ornament, aber in ruhigeren, dünneren und sparsamen Formen, ohne figürliche und architektonische Elemente. Der Kunst der römischen Kaiserzeit entliehene Lorbeerkränze treten hinzu und zum Hauptelement der Dekorationen werden Kranz und Girlande. Die sonderbare Entwicklung des Historismus im 19. Jh. bringt auf ornamentalem Gebiet eine wesenlose Wiederholung früherer Formen. Die erste Stufe, das Empire, ist von einem dürftigen Klassizismus beherrscht, dessen Ornament aus antiken Vasen, Girlanden und Lorbeerkränzen besteht, in das aber auch ägyptische Formen aufgenommen werden. Eine Vereinfachung und Simplifizierung zeigen die Dekorationen des Biedermeier, die von neugotischen Ornamenten abgelöst werden. Gegen die Mitte des Jahrhunderts tritt eine Restauration des Rokoko- Ornamentes, später eine solche der Renaissance auf, aber in schematisierter und einfallsloser Weise.

 

Um 1900 wurde das Ornament zum Gegenstand heftigster Debatte, da es von der Richtung der >neuen Sachlichkeit< abgelehnt (Adolf Loos: >Ornament und Verbrechen<), von der Richtung des Jugendstiles (Abb. 115) aber in nicht-historischer Weise neu belebt wurde. Dieser Stil versuchte aus vegetabilen Pflanzenformen einen neuen Stilisierungsprozeß einzuleiten, was aber nicht gelang und keine Nachfolge mehr fand. Die heutige Situation fußt zum Teil auf den Ideen des Wiener Architekten Otto Wagner, der ein >funktionelles Ornament< erfand, dessen Einzelelemente, mit der Aufgabe des zu schmückenden Gegenstandes zusammenhängend, oft aus technischen Details — wie etwa Zahnrädern — bestehen; zum Teil aber greift man auf ganz einfache geometrische Flächenmusterungen zurück. Daneben tritt auf sakralem Gebiet der Versuch auf, aus symbolischen Figuren neue Ornamente zu bilden. Dabei ist es fraglich, ob der Anschluß an die große Tradition des europäischen Ornamentes wiedergefunden werden kann. Die Welle der Ornamentlosigkeit jedenfalls scheint überwunden, und überall taucht das Bestreben auf, dem Ornament seinen Platz am Kunstwerk wieder zu verschaffen.



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