994VD7Q3Z85H


Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




artefacti® - Dies ist der Onlineshop des Altenburger Künstlers Michael Külbel. Hier können Sie die abstrakte Kunst des Künstlers direkt erwerben. Jedes Bild ein Unikat. Kein Bild wird mehrfach angefertigt. Der Künstler verfügt über eine aussagekräftige Vita, hatte zahlreiche Ausstellungen und einige Großprojekte. Mehr über den Künstler und seine abstrakte Kunst erfahren Sie auf seiner website www.mk4art.de

artefacti® wird zur Marke


artefacti® wird zur eingetragenen Marke. Mit Wirkung zum 02.06.2008 ist die Wortmarke artefacti® in das Register des Deutschen Patent- und Markenamtes unter den Aktenzeichen 30 2008 005 456.5 / 16 eingetragen worden. Unter der Wortmarke wird die abstrakte Kunst des Künstlers Michael Külbel als auch die Veranstaltung von Ausstellungen geschützt.



Zufallsbild aus meinem Shop

Unseren Feed abonnieren!

Kunst & Kultur

social bookmarks





Phantastische Architektur PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. Juni 2009 um 17:26 Uhr

Share

Phantastische Architektur.

 

Es soll darunter eine Architektur verstanden werden, die den herkömmlichen Gestaltformen widerspricht und architektonische Spezifika wie Struktur, Materialgerechtigkeit, Funktion, Klarheit, bauliche Logik völlig verläßt und in unwirklich traumhafte Bereiche verschoben erscheint. Weitere Kriterien einer sog. phantastischen Architektur sind: das Kolossale und das Megalomane, das Visionäre, das Pathetische, das Literarisch-Idealistische und das Utopische (Städtebau), das Überwuchern des Symbolischen, das Unnutzbare und das Malhafte, das Improvisierte und Vorübergehende, das Naiv- Dilettantische und surreal Traumhafte, das mit der Natur Verwachsende und das Dekorativ-Hypertrophe, das weich Modellierte und Kurvige, das expressiv Übersteigerte und das Exotische, das schwebend Erdgelöste, das auf den Kopf Gestellte und die Kugel, das Rationalistisch-Übersteigerte, das kühn Konstruktive oder technisch Unausführbare, das Verfremdete, die reine geometrische Form und die bewohnbare Plastik als Grenzfall. Freilich werden immer nur einige dieser Kriterien notwendig sein, um eine Architektur als phantastisch auszuweisen.

 

Das Kolossale hat heute viel an Faszination verloren. Für das Mittelalter mag die gewaltige Höhe einer Kathedrale (gegen 50 m) schon etwas Unerhörtes bedeutet haben; doch würde sie von Frank Lloyd Wrights Wolkenkratzer mit seinen 320 Geschossen bei einer Höhe von 1600 m um ein Vielfaches überragt werden. Aber auch bei geringeren Dimensionen kann die Konstruktion, die dynamische Idee ein unerhörtes Pathos zeigen, das keineswegs nur dem 19. Jh. eigen ist. Gerade die sog. proletarische Architektur des 20. Jhs. hat eine bemerkenswerte und gebärdenreiche zweite Revolutionsarchitektur hervorgebracht. Bekannt sind die Entwürfe Lissitzkis, Tatlins und Luckhardts für pathetische Rednertribünen oder Denkmäler.

 

Das Überwuchern des Symbolischen finden wir in der >sprechenden Architektur< (architecture parlante) eines Ledoux (vgl. Abb. 11): das >Haus des Reifenmachers< hat tatsächlich die Gestalt von konzentrischen Ringen. Der Franzose Gobert widmet Ludwig XIV. zwölf Entwürfe: ihre Grundrisse bilden die Worte Louis le Grand. Anton Glonn er entwirft ein Jesuitenkollegium in der Grundrißform des Christusmonogrammes IHS. Das Kreuz zwischen den Balken des H ist die Kirche. Ein ganzes architektonisches Alphabet hat Joh. David Steingruber ausgearbeitet. Bekannter sind Grundrisse in Sternform und die dreieckigen Grundrisse barocker Kirchen, die die göttliche Dreifaltigkeit symbolisieren. — Die Chance des Provisorischen, Improvisierten, Vorübergehenden wird in der phantastischen Bühnendekoration, aber auch Triumphbogen, Funerardekorationen, Festdekorationen, Jahrmarktsbauten u. ä. genützt. Die Festarchitektur findet ihre Nachfolge in den modernen Ausstellungsbauten, vor allem der Weltausstellungen. Die weitgehende Zweckfreiheit unterstützt die Phantasie der Gestalter.

 

Ferdinand Chevals Palais Ideal (um 1900) ist, ein typisches Beispiel einer bedeutungsvollen Amateurarchitektur, naiv und romantisch, traumhaft versponnen, Rokokogrotten und Gaudi gleicherweise verwandt. Die Freude am Hypertrophen zeigt sich auch im wuchernden Dekor. Im italienischen Barock noch gebändigt, überzieht es in Spanien (Kartause in Granada, Bd. II Abb. 129), vor allem aber in Mexiko (Kathedrale in Zacatecas) wie ein Aussatz, vom orientalischen horror vacui beherrscht, alle Architekturglieder und erstickt sie in der Fülle herrlicher Figuren, Muscheln, Früchte, Pflanzen, Voluten, Profile. Dieses Auflösen des Tektonisch-Strukturellen zeigt auch eine andere Erscheinung: der Zug zur weichen, modellierten, ja amorphen Form in Grund- und Aufriß, zur Kurve und Schwingung. In letzter Konsequenz des Barocks und des Rokokos entwirft etwa Meissonier ein Brunnenhaus in weichen, teigigen Formen.

 

Aber der Charakter dieser Entwürfe ist keineswegs utopisch geblieben. Die Bauten des bedeutenden Antoni Gaudi zeigen plastisch modellierte Formen, die das Material nicht erkennen lassen. Dazu kommen noch die eigenwilligen Verkleidungen aus Majolikascherben, die phantastische Irregularität der Räume und Bauformen: so zählen Gaudis Bauten zu den wenigen realisierten phantastischen Architekturen. Der Jugendstil des beginnenden 20. Jhs. schafft ähnliche Formen, nicht so phantastisch, doch auch von einer starken Dynamik bestimmt. Erst die neuen Baumaterialien (Beton, Stahlbeton) ermöglichen bisweilen solche Realisierungen wie z. B. in Le Corbusiers >poème électronique< (Philipspavillon) bei der Weltausstellung Brüssel 1958. Auch Wrights Bauten sind vielfach der gekrümmten Form, vor allem im Grundriß, verhaftet, doch streben sie schon mehr zur Geometrie, wie etwa die kühn ansteigende Spirale des Guggenheim-Museums in New York.

 

Die expressive Übersteigerung finden wir schon in der späten Gotik, vor allem in England. In der modernen Architektur treffen wir sie hei interessanten Innenräumen, etwa bei Poelzig, D. Böhm, Bartning oder in Kurt Schwitters' eigenartigem MERZ-Bau in Hannover (zerstört). Sant' Elias futuristische Bauten und Städte sind expressiv-dynamisch übersteigerte Phantasiegebilde.

 

Das Rundhaus und das Kugelhaus ist immer wieder ein verlockendes Thema. Schon das Pantheon geht auf die Grundform der Kugel zurück, konsequenter ausgebildet finden wir sie in den Entwürfen der Revolutionsarchitekten Boullée und Ledoux. Auch J. J. Leonidows Projekt für die Lenin Bibliothek in Moskau hat die Gestalt einer Kugel, hier aber kommt noch das Motiv der schwebenden Architektur hinzu: die Kugel wird an Stahlseilen aufgehängt. Das Atomium in Brüssel (Weltausstellung 1958) versucht ebenfalls die Themen der Kugel und des Schwebens zu vereinigen, doch gelingt es nur unvollständig; seitliche Stützen müssen die Konstruktion halten.

 

Keineswegs muß die phantastische Architektur immer konstruktiv sein: gerade die Möglichkeiten komplizierter moderner Konstruktionen geben vielfältige Gelegenheiten zu kühnen Konzepten. Castiglionis Entwürfe etwa (Wallfahrtskirche Syrakus, Bahnhof Neapel u. a.) sind durchaus realisierbar. Der Architekt unterwirft sich nicht rationalistisch der Statik, sondern benützt sie für seine irrationalen Raumformationen aus Stützen, Schalen, Kuppeln, Licht. Das gilt auch für den Skelettbau (Frank Lloyd Wrights Synagoge in Pennsylvanie n, 1956).

 

Die Übersteigerung des Strukturellen ist zweifellos auch in den riesigen Stahlkonstruktionen verwirklicht, an deren Anfang Paxtons Glaspalast (Abb. 12), an deren Ende Wachsmanns phantastische Strukturexperimente stehen. Die Grenzen für das Phantastische in der Architektur können nur für das Heute gezogen werden; der technische Fortschritt macht immer wieder aus der Utopie eine Realität, die durch den phantasiebegabten Geist ständig neu gestaltet wird.

 

 



Kommentare (0)
Kommentar schreiben
Ihre Kontaktdetails:
Kommentare:
[b] [i] [u] [url] [quote] [code] [img]   
:D:angry::angry-red::evil::idea::love::x:no-comments::ooo::pirate::?::(
:sleep::););)):0
Security
Bitte geben Sie den Anti-Spam-Code aus diesem Bild ein.