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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Religiöse Malerei PDF Drucken E-Mail
Montag, 29. Juni 2009 um 17:49 Uhr

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Religiöse Malerei. Die religiöse Malerei des christlichen Abendlandes ist bildliche Vergegenwärtigung der christlichen Glaubensinhalte. Sie setzt im 3. Jh. in den Katakomben mit symbolischen Darstellungen ein, deren Auswahl von den Jenseitserwartungen der Gläubigen bestimmt ist: Bildzeichen (Kreuz, Fisch, Weintraube u. a.), Szenen aus dem Alten (Jonas, Daniel in der Löwengrube, Exodus, Opferung Isaaks) und Neuen Testament (Taufe, Lazaruserweckung, Wunderheiligungen). Christus selbst erscheint sinnbildlich als Guter Hirte, als Soter, dem die Gemeinde als Orans gegenübersteht. Viele antike Bildzeichen und -themen (Orpheus, die Dioskuren) werden christlich umgedeutet christliche Kunst, Nachleben der Antike).

 

Mit der staatlichen Anerkennung des Christentums durch Konstantin (313) wird die christliche Kunst zu einer offiziellen. In den Apsiden der großen Staats- und Bischofskirchen werden die zentralen Themen der imperialen Ikonographie übernommen: Christus thront als Weltherrscher auf Thron oder Weltkugel, umgeben von Engeln, adoriert von Aposteln, oder er erscheint in der Lichtglorie. Ähnliche Wurzeln haben die Szenen der Gesetzesübergabe an Petrus und Paulus (Investitur in die irdische Statthalterschaft) oder die Krönung der Heiligen. Diese Apsisthemen bleiben in Rom  bis ins 9. Jh. verbindlich (SS. Cosma e Damiano, 6. Jh.; Sta.Prassede, 9. Ih.); sie sind die Wurzel für das mittelalterliche Bild der Majestas Domini. Eine vielschichtige Symbolik vertieft diese Darstellungen: das Paradies (ewige Herrschaft und Wiederkehr Christi) durch Bäu oder Ranken, die Apostel als Lämmer oder Tauben, die Hand Gottes, die Taube des Hl. Geistes, Christus als Lamm, auch durch Thron und Kreuz. Seit dem 5. Jh. (Konzil von Ephesus, 431) wird Maria in ähnlich zeremonieller Form dargestellt (Parenzo, fast alle byzantinischen Apsiden), und am Triumphbogen von Sta. Maria Maggiore in Rom wird die Kindheitsgeschichte Christi als triumphale Theophanie interpretiert.

 

Neben diesen dogmatischen Darstellungen führt ein wachsendes historisches Interesse zur Ausbildung großer Zyklen aus dem Alten und Neuen Testament. Die Langhäuser der ältesten Basiliken (in Rom und Mailand) zeigten beide in Gegenüberstellungen; erhalten sind alttestamentarische Darstellungen in Sta. Maria Maggiore, Zyklen der Wunder und der Passion Christi in S. Apollinare Nuovo in Ravenna (beide 5. Jh.). Umfangreiche Buchillustrationen gingen der Monumentaldarstellung voraus. Erhaltene Prachthandschriften des 6. Jhs (Wiener Genesis, Evangelium in Rossano; byzantinische Oktateuche und Evangelienkopien) lassen auf Zyklen von 400 bis 500 Szenen schließen, die die Basis für jede weitere ikonographische Entwicklung bilden. Daneben werden in Mausoleen u. a. in breiter Schicht Märtyrer und Ereignisse ihres Lebens dargestellt. Außer Rom und Mailand leisten die übrigen Kunstzentren des römischen Imperiums (Antiochia, Alexandrien) wesentlichen Beitrag zur Entstehung und Vielfalt des frühchristlichen Ikonographie. Dort werden z. B. die für das ganze Mittelalter verbindlichen Typen der Evangelisten als Autorenporträts in Art antiker Philosophen geprägt. Syrien, auch Palästina, das mit seinen zahlreichen Gedächtniskirchen für die Verbreitung wichtig ist (Pilger, Reliquienkult), und das koptische Ägypten scheinen besonderen Anteil an der detailreichen, volkstümlich lebendigen Illustration der beiden Testamente zu haben, wobei für das Alte Testament wohl schon jüdische Vorformen verwendet wurden (Synagoge von Dura-Europos, Mitte 3. Jh.)

 

Zu den älstesten Darstellungen aus dem Leben Christi, die einzeln oder im zyklischen Verband (Kindheits-, Wunder-, Passions-, liturgischer Festbilderzyklus) sehr zahlreich sind, gehören: die Verkündigung mit sitzender, seit dem 4. Jh. auch stehender Maria, die Geburt Christi, die Magieranbetung, die Flucht nach Ägypten, der Kindermord, die Taufe Christi, die Hochzeit zu Kana, die Brot- und Fischvermehrung, die Lazaruserweckung, die Auferstehung (Frauen am Grab, mit Andeutung der Grabesrotunde in Jerusalem), die Himmelfahrt (mit der Doppelbedeutung der Wiederkehr zum Gericht oder als Aufstieg auf den Wolken an der Hand Gottes), daneben Abendmahl, Gethsemane, Gefangennahme u. a. m.; das Pfingstwunder bleibt vereinzelt (Rabulas-Evangeliar, Florenz, 586). Die Kreuzigung wird lange nur symbolisch dargestellt; erst im 5./6. Jh. (Rabulas, Sta. Maria Antiqua, 7. Jh.) ist die historische Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes, den Schächern, Longinus und Stephaton voll ausgebildet. Christus wird bekleidet, aufrecht und mit offenen Augen dargestellt, als Sinnbild seines Triumphes über den Tod; erst im 9. Jh. entsteht in Byzanz der Typus des nackten, leidenden, toten Christus. Einzelne Visionen der Apokalypse werden in zunehmendem Maße dargestellt. In Rom sind es häufig die >vier Wesen< aus der Vision des Hesekiel — Mensch, Löwe, Stier und Adler — als Symbole der Evangelisten (Sta. Pudenziana, um 400).

 

Aus dem Wunsch nach Vergegenwärtigung des authentischen historischen Bildes der heiligen Gestalten werden in derselben Zeit individuelle Typen geprägt. Von den beiden Christustypen wird der des bärtigen, reifen Mannes der gebräuchliche, ohne den älteren der idealen Jünglingsgestalt ganz zu verdrängen. Maria wird im kaiserlichen Ornat oder im schlichten Maphorion dargestellt. Im 5. bis 6. Jh. entwickelt der Osten alle Typen der Madonnendarstellungen, die auch für das Abendland vorbildlich bleiben (Hodegetria, Nikopia). Auch für Apostel und Heilige werden charakteristische Physiognomien und Gewänder fixiert (z. B. Petrus und Paulus).

 

Diese Bilder heiliger Personen und Ereignisse werden in Byzanz als Ikonen Gegenstand eines Bildkultes, der in und nach dem Bilderstreit (726-843) theologisch begründet wird. Die für die Übertragung der Verehrung vom Bild auf das dargestellte Urbild notwendige Authentizität wird gewährleistet durch strengste Bindung der Ikonographie an Tradition, Theologie, Liturgie u. a., so daß die einmal geschaffenen Typen kaum verändert werden. Neu sind seit dem 9. Jh. das Monumentalbild des Pantokrator, das in der Gestalt Christi trinitarische Vorstellungen einschließt, das östliche Bild der Auferstehung, die Anastasis (Christi Abstieg in die Vorhölle) und das große Jüngste Gericht. Die Apokalypse spielt im Osten erst seit dem 16. Jh. eine Rolle. Die Auswahl der Szenen und Figuren erfolgt nach einem dogmatisch-liturgisch-kosmologischen Programm, das seit dem 11. Jh. durch christologische, mariologische, und hagiographische Zyklen erweitert wird (Daphni, Kahrie Djami; Serbien, Athos), seit dem 13. Jh. auch durch religiöse Allegorien (Serbien). In der Buchmalerei werden umfangreiche Illustrationszyklen zum Alten und Neuen Testament und den Väterschriften ununterbrochen tradiert (byzantinische Kunst).

 

Für den Westen ist die bildliche Darstellung Mittel zur Belehrung und Erbauung; sie tritt erläuternd der Predigt zur Seite als eine biblia pauperum. Daher nimmt die Schilderung der historischen Ereignisse einen viel größeren Raum ein, aber auch jeder Wandel der theologischen Interpretation findet bildlichen Ausdruck.

 

Die frühchristlichen ikonographischen Themen und Typen bilden die Basis für die ganze mittelalterliche Bildkunst, in direkten Rückgriffen oder durch viele Zwischenglieder tradiert. In der karolingischen Kunst, die für die gallisch-germanischen Gebiete die Bildtradition begründet, wird z. B. in den Bibeln von Tours (ca. 85o) mit ihrer dogmatisch-typologischen Bildauswahl eine Bibel des 5. Jhs. kopiert; die Vorlagen des Utrechtpsalters mit seiner einzigartigen Wortillustration der Psalmenmetaphern gehen bis ins 4. Jh. zurück; und noch für die Genesismosaiken von S. Marco (13. Jh.) dient eine Illustration des 5. Jhs. als Vorlage. Große Evangelienzyklen sind in dieser Zeit relativ selten (Drogosakramentar Fresken in Müstair, Graubünden, dort auch alttestamentarischer Zyklus); doch wird die Bedeutung einzelner Szene symbolisch vertieft, wie die Kreuzigung im ekklesiologisch eucharistischen Sinn durch Einfügung der Ecclesia und Synagoge. Daneben stehen Illustrationen der Apokalypse, die im 10. Jh. in Spanien, in der durch den Beatus-Kommentar erweiterten Fassung, eine bedeutende Rolle spielt.

 

In der frühenglischen und der deutschen (ottonischen) Kunst der 2. Hälfte des 10. und des 11. Jhs. treten alttestamentarische Szenen fast ganz zurück; dagegen werden in Wandmalereien (Reichenau, Oberzell) und in der Buchmalerei (Evangeliare, Lektionare u. a.) große Evangelienzyklen dargestellt, die in Auswahl und Vielfalt über die karolingischen hinausgehen (z. B. Kreuzabnahme, Grablegung, Marientod, Jüngstes Gericht). Eine äußerst expressive Gebärdensprache steigert die Erzählung zu symbolhafter Zeitlosigkeit (Reichenau, Köln) und die Evangelistenbilder zur Darstellung ekstatisch-visionärer Ergriffenheit (Münchner Evangeliar Ottos III.). Daneben steht eine didaktisch-symbolische Interpretation ganz in scholastischem Geist (Regensburg, Utacodex, z. B. Kreuzigung und Meßopfer).

 

Das 12. Jh. ist in ganz Europa die Zeit der komplexen theologisch-spekulativen und heilsgeschichtlichen Systematik. Traditionelle und neue Themen werden in wörtlicher und vielschichtig symbolischer Interpretation dargestellt, verdeutlicht durch Spruchbänder. Zyklische Darstellungen des Alten und Neuen Testamentes, Heiligenviten und -figuren bedecken Wände und Gewölbe zahlreicher Kirchen (Saint-Savin-sur-Gartempe bei Poitiers, S. Angelo in Formis bei Capua); das Jüngste Gericht, Visionen der Apokalypse und das Himmlische Jerusalem nehmen breiten Raum ein, oft erweitert durch Tugenden, Maria auf dem Thron Salomonis u. a. (S. Angelo,S. Vincenzo a Galliano bei Como, Gurk). Die Majestasdarstellung in der Apsis wird oft zu einer großen Vision erweitert (Galliano). Charakteristisch sind typologische Gegenüberstellungen, in denen Personen und Szenen des Alten Testamentes von denen des Neuen her interpretiert werden, meist bezogen auf den Kreuzestod Christi, die Eucharistie (daher oft an kultischen Geräten), die Inkarnation. Es entsteht die Wurzel Jesse, d. h. die Darstellung der Vorfahren Christi, oft mit den sieben Gaben des Hl. Geistes (sieben Tugenden der Kirche; Glasfenster von Chartres), ebenso das mystisch-eucharistische Trinitätsbild, der Gnadenstuhl (Gottvater hält den gekreuzigten Sohn, zwischen beiden die Taube des Hl. Geistes).

 

Unter byzantinischer Anregung verbreitet sich in Italien das große Tafelbild (Pala) mit der Kreuzigung oder der monumentalen Gestalt Christi, Mariae, des Hl. Franziskus, oft erweitert durch kleine Szenen aus ihrem Leben. In der Buchmalerei spielen Riesenbibeln die führende Rolle, mit einer Auswahl von Szenen vor jedem Buch, oft ergänzt durch rein historische (Bible historiale), daneben exegetische Väterschriften (Augustins Civitas Dei, Moralia in Job) und große Enzyklopädien (Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg), die mit zahlreichen typologischen, symbolischen, auch wissenschaftlichen Bildern ausgestattet sind. Eine moralisch-didaktische Tendenz ist besonders deutlich in den Tugendallegorien des Speculum Virginum.

 

Das 13. Jh. faßt in den Kathedralen (Portalplastik, Glasfenster) die gesamte Bildüberlieferung zusammen, reich an Einzelszenen, aber konzentriert auf die Hauptphasen der Heilsgeschichte, besonders Inkarnation, Erlösung durch das Kreuz, zweite Parousie Christi im Gericht. Erzählende Zyklen der beiden Testamente, des Marienlebens (Himmelfahrt, Krönung) und — immer umfangreicher — der Heiligenleben stehen neben typologischen (auch Parabeln, wie die klugen und törichten Jungfrauen, der gute Samariter) und allegorischen (Löwe, Pelikan, Phönix aus dem Bestiarium) Deutungen; die irdische Welt wird in den Bildkreisen der Monate, des Zodiacus (Tierkreis), der Artes Liberales, der Tugenden u. a. allegorisch dargestellt (Chartres). Im 14. Jh. sind in der Buchmalerei solche umfassenden Bildzyklen weit verbreitet in der Biblia Pauperum (Armenbibel), dem Speculum Humanae Salvationis (Heilsspiegel), der Concordantia Caritatis u. a. Daneben stehen Prachtpsalterien (13. Jh.), Gebets- (Stunden) Bücher (14. bis 16. Jh.) meist mit Szenen aus dem Leben Christi und Mariae. Gleichzeitig wirkt die neue, subjektive Frömmigkeit und mystische Versenkung stark ein: die lebendige Vermenschlichung der heiligen Personen (Christus als Beau Dieu, als leidender Mensch am Kreuz), die breite Ausmalung der Kindheit und besonders der Passion Christi (Hl. Familie; Geißelung und Dornenkrönung). Die Mysterienspiele beeinflussen diese Bereicherung und vor allem die weite Ausstrahlung. Die große Marienverehrung bringt zahllose Marienbilder hervor (in Italien die Tafelbilder, im Norden Plastik, Glas- und Buchmalerei; um 1400 die ›Schönen Madonnen<, Das 14. Jh. schafft mit dem Andachtsbild neue, aus dem szenischen Zusammenhang gelöste Bilder als Gegenstand privater Andacht (Pietät, Schmerzensmann, Christus-und-Johannes Gruppe, Christus am Astkreuz, im Elend, in der Kelter, auch das Christkind, die Leidenswerkzeuge, die Gregorsmesse, das Schweißtuch der Veronika), meist zunächst in der Plastik, dann weit verbreitet durch Holzschnitte, später Kupferstich und Buchdruck und in der Volkskunst bis heute tradiert.

 

Die Marienbilder werden bereichert durch die Schutzmantelmadonna, Maria, das Kind anbetend, die Rosenkranzmadonna, die schmerzhafte Muttergottes, im 15. Jh. die Hl. Sippe und Anna Selbdritt. In den zahlreichen Votiv- und Stifterbildern werden irdische Personen anbetend der heiligen Szene gegenübergestellt, später in sie einbezogen.

 

Im 15. und 16. Jh. werden die Vielfalt der Themen und ihre apokryphen Erweiterungen eingeschränkt, Darstellungen des Lebens Christi und Mariae, im Norden auch Andachtsbilder, stehen im Vordergrund, noch einmal zusammengefaßt in Dürers Holzschnitt- und Kupferstichfolgen zu Passion und Marienleben und in der katholischen und protestantischen Bibelillustration weit verbreitet. Zugleich wird jede Szene in realistischer Schilderung ausgesponnen und vertieft im Sinne des neuen humanistischen Menschenbildes (van Eyck, Rogier van der Weyden, Dürer) oder auch zu mystischer Gottesschau erhoben (Grünewald, Isenheimer Altar). In der Nachfolge der spekulativen Systematik des Hohen Mittelalters steht die vielschichtige Bildsymbolik des Genter Altars (Anbetung des mystischen Lammes und der Eucharistie, Ecclesia, Trinität), auch Dürers Allerheiligenbild. Die Apokalypse (Dürer) wird seltener, ebenso das Jüngste Gericht (Rogier, die Endzeitvisionen Boschs, in Italien Giotto, Michelangelo). Dagegen werden Heiligenviten szenenreich geschildert.

 

Vor allem in Italien sind die oft vom Norden übernommenen ikonographischen Themen ganz von der geistigen Würde des klassisch-idealen Menschenbildes geprägt. Christliche und humanistische Vorstellungen verbinden sich, das >Hineinragen des Göttlichen in die Welt der Menschen< (Paatz) zu vergegenwärtigen, wie es von Giotto an über Masaccio und die Quattrocentomaler bis zu den klassischen Werken Leonardos (Abendmahl), Raffaels (Sixtinische Madonna), Michelangelos und Tizians zu erkennen ist. In diesem Geiste entsteht die thematische Neuschöpfung Italiens, die Sacra Conversazione (Meditation von Heiligen über das Mysterium der Inkarnation: Madonna mit Kind). Eine Summe der Offenbarung Gottes in der Heilsgeschichte der Menschheit stellt Michelangelos Sixtinische Decke dar (samt dem älteren christologischen Zyklus und dem Jüngsten Gericht). Eine andere >Summa< bedeuten die Stanzen Raffaels, die das Wirken Gottes in seiner Kirche und die großen geistigen Disziplinen darstellen unter der Führung der Theologie (>Disputà< über das Mysterium der Trinität und des Sakraments). Marienbilder (Madonna in der Glorie) spielen in diesem und den folgenden Jahrhunderten eine hervorragende Rolle, ausgehend von der Maestà des Trecento (Maria, umgeben von Engeln und Heiligen).

 

Die Gegenreformation (Konzil von Trient) hat bedeutenden Einfluß auf die Ikonographie des späten 16. und des 17. Jhs. Die Hauptszenen des Alten und des Neuen Testamentes werden zu figuren- und effektreichen Historienbildern entwickelt, oft überlagert von einer komplizierten, symbolhaften Allegorie (Kirche, Sakrament, Tugenden). Typologische Programme werden unter eine leitende Idee gestellt (Tintoretto, Venedig,  Scuola di San Rocco, für eine Barmherzige Bruderschaft: die tätige Nächstenliebe). Beliebt sind auch visionäre Themen, wie die Trans Figuration und die Höllenfahrt Christi. In Venedig werden alle Szenen von einem mystisch-erscheinungshaften Geist ergriffen (Tintoretto; El Greco). Als neuer Marienbildtypus entsteht die Immaculata Conceptio (Maria auf Schlange und Mondsichel; Verbindung des >Apokalyptischen Weibes< mit der Symbolik des Hohen Liedes), die durch Reni und Murillo im 17. Jh. ihre klassische Formulierung erhält und im 17. und 18. Jh. in Malerei und Plastik besonders häufig ist.

 

Das 17. Jh. ist in allen katholischen Ländern die Zeit einer gewaltigen apotheotischen Verherrlichung, in deren Mittelpunkt Christus, Maria, die Trinität, die Kirche und ihre Heiligen stehen. In den Barockkirchen sind Decken- und Altarbilder durch große ikonologische Programme in hierarchischer Ordnung zusammengefaßt, die reich an kosmischen und moralischen Allegorien sind (Rom, Il Gesù, Chiesa Nuova, S. Andrea della Valle, S. Ignazio u. v. a.; Cortona, Lanfranco, Gaulli Baciccia, Pozzo). Jüngstes Gericht und Engelssturz bilden die Themen monumentaler Altarbilder (Rubens). Die figurenreichen Bibelerzählungen wie die Heiligenszenen und die vielen Marienbilder (Reni, Maratti) werden im Sinn religiös-emphatischer Ergriffenheit neu gedeutet, die sich auch in der Volkskunst in Andachtsbildern (Mater dolorosa, Christus im Kerker, Herzjesubilder, Kalvarienberg) zeigt. Daneben steht der drastische, ganz auf das Ereignis selbst (Leben Jesu) konzentrierte Realismus Caravaggios und seiner Nachfolger oder, im protestantischen Bereich, die stille, psychologische Verinnerlichung bei Rembrandt. Das 18. Jh. führt in Deutschland und Österreich die großen römischen Kirchenausstattungen in Form und Themen weiter (Brüder Asam, M. Günther, Troger, A. F. Maulbertsch; auch Tiepolo).

 

Gegen die schon im 18. Jh. einsetzende Verflachung der überlieferten Themen, besonders in der Volkskunst, versuchen zu Beginn des 19. Jhs. Nazarener (Overbeck, Cornelius, Führich) und Präraffaeliten (Rossetti, Hunt) durch Rückgriffe auf das Quattrocento eine Vertiefung der religiösen Darstellungen zu erreichen, am Ende des 19. Jhs. die Beuroner Bewegung (Lenz) im Anschluß an das Mittelalter. Im 20. Jh. stehen in der katholischen und protestantischen Kirche wieder Christus- und Marienbilder und symbolische Themen im Vordergrund (Farbsymbolik der Glasmalerei bei Manessier, Léger, Meistermann). Daneben führt subjektives religiöses Erleben zur Gestaltung christologischer (Rouault, Matisse, Expressionisten) und alttestamentarischer (Chagall) Themen.



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