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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Allegorie und Mythologie PDF Drucken E-Mail
Freitag, 05. Juni 2009 um 21:01 Uhr

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Allegorie und Mythologie

Die Umschreibung von Begriffen, die nicht der sichtbaren Dingwelt angehören, durch allegorische Personifikationen ist aus dem Altertum in die christliche und damit in die weitere abendländische Malerei übergegangen (Symbol und Allegorie). Einzelne Figuren, wie Quellnymphen (Wiener Genesis), Flußgötter - in Verbindung mit der Darstellung der Paradiesesströme (Goldschmiedearbeiten des Maas-Mosel-Gebietes) und auch bei der Taufe Christi (Jordan als antiker Flußgott, Ravenna, Baptisterium der Arianer) Sol und Luna (häufig bei Kreuzigungsbildern), sind wörtliche Übernahmen. Diese Themen leben, vor allem in der Plastik, bis ans Ende des 19. Jhs. ungebrochen fort. Herrscherbilder werden von Personifikationen ihrer Tugenden begleitet (Karl der Kahle, Bibel in S. Paolo fuorile mura, ca. 870), oder die allegorischen Darstellungen von Ländern und Städten huldigen ihnen (Evangeliare Ottos III., Aachen und München). Die christlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen an Allegorien gehen im wesentlichen auf die Psychomachie des Prudentius (405/6, Kampf der Tugenden und Laster) zurück. Eine wichtige Quelle ist die christliche Enzyklopädie der Herrad von Landsberg (>Hortus Deliciarum<, Ende 12. Jh.).

Während in Byzanz antike Mythologien (Zeus, Dionysos, Midas u. a.) fortlaufend tradiert werden, sind im westlichen Abendland Geschichte und Mythologie nur vereinzelt Thema der bildlichen Darstellung und werden zur Verherrlichung weltlicher Herrscher herangezogen (allegorische Beziehung auf die Helden der Antike, z. B. Alexander - Karl d. Gr., in deutschen Kaiserpfalzen). Größerer Beliebtheit erfreuen sich im ausgehenden Mittelalter die Schilderungen der höfischen Dichtung (Alexanderroman, Tristan- und Gralsmythos, Allegorien der Liebe in Liebesgärten, Kampf um die Liebesburg), die in profanen Wandgemäldezyklen (Burg Runkelstein) auf Bildteppichen (Einhornteppiche, Paris, Musée Cluny, Abb. 78) und in der Buchmalerei auftreten (Roman de la Rose; Ren  d'Anjou, Livre du cuer d'amours espris).

Große Bedeutung gewinnt die allegorische Darstellung in der Renaissance, in der nicht nur fast alle antiken Themen aufgenommen werden, sondern auch die Dichtung des Humanismus (Petrarca, Trionfi; Tasso, Das befreite Jerusalem) Grundlage der durch Jahrhunderte tradierten Bildthemen ist. In Anlehnung an die römischen Triumphzüge (Mantegna,Triumph Caesars) werden historische Allegorien aufgebaut und römische Geschichte und Mythologie in die Genealogie der Fürstenhäuser einbezogen (so öfters für Maximilian I.). Solche Triumphzüge sind, auch als graphische Folgen, bis hoch ins i 8. Jh. beliebt. Ebenso findet die antike Mythologie, zumeist auf den Schriften Ovids, Livius', Lukians u. a. basierend, breite Aufnahme. Es entsteht eine Kunst für den gebildeten Liebhaber, dem die illustrierende Darstellung das ihm geläufige Bildungsgut vergegenwärtigt. Besonders beliebt sind erotische Themen: die Abenteuer Jupiters, Amor und Psyche, Venus (als Vorwand zum weiblichen Akt) allein oder mit Amor oder Mars, von Vulkan überrascht. Die Auffassung reicht von reiner Idealisierung (Giorgione, die >Poesien< Tizians) bis zur anzüglichen Illustration (Schule von Fontainebleau; Prager Manieristen, Ende 16. Jh.).

Sehr häufig dienen mythologische Themen als Allegorien zeitgenössischer Ereignisse (Hochzeiten, Siege) und zur Verherrlichung eines Herrschers als Herkules, Mars oder Apollon. Eine Schar mythologischer (Kentauren, Sirenen, Genien, Eroten) und allegorischer (Erdteile, Sternkreis, Tagesablauf usw.) Figuren und eine Fülle emblematischer Gegenstände (Waffen, wissenschaftliche und musikalische Instrumente u. a.) begleiten diese Szenen. Den Entlehnungen aus heidnischen Mysterien (Dionysos, Gaia, Pan, Priapos, Venusfest) stehen christliche Interpretationen gegenüber (Herkules am Scheidewege, himmlische und irdische Liebe).

Die Verflechtung mythologischer, allegorischer und christlicher Begriffe führt im späten 16. Jh. zu einer gedanklichen und begrifflichen Verklausulierung, die nur für Eingeweihte mit Hilfe des Programms verständlich ist (Vasari und die römischen Manieristen, Rosso Fiorentino und die Schule von Fontainebleau). Seit dem 17. Jh. wird eine schärfere Trennung der Themen durchgeführt. Mythologien werden als in sich geschlossene Darstellungen, als illustrierte antike Erzählungen aufgefaßt und oft zu Triumphzügen einzelner Götter ausgestaltet (Carracci, Rom, Pal. Farnese, Bacchus und Ariadne; Reni und Guercino, Aurora). Die Auffassung der römisch-bolognesischen Akademie strahlt nach Paris aus (Le Brun). Allegorische Darstellungen begleiten und kommentieren die Historien- und Repräsentationsbilder in den apotheotischen Verherrlichungen der universalen Macht der Kirche und der Dynastien (Rom, lt Gesù; Cortona, Rom, Pal. Barberini, Abb. 9o; Rubens, Medici-Zyklus; Galerie d'Apollon, Louvre; Tiepolo, Apotheose Spaniens, Madrid). Auch die römische Geschichte wird moralisch-heroisch interpretiert (Raub der Sabinerinnen, Tod der Virginia, Lukretia). Daneben stehen allegorisierende Poesien (Poussin, Bd. II Abb. 48). Im protestantischen, bürgerlichen Norden sind Allegorien vielfach versteckte Themen in anderen Bildsparten, wie Vanitas in Stillleben und Bildnissen, Justitia im Richterbild, >Lebensalter< und >Fünf Sinne< in Genrebildern, Jahreszeiten in Landschaften. In dieser Verschleierung sind Allegorien Themen der Malerei bis heute geblieben.

Mythologische Szenen, die nicht nur der griechischen und römischen Antike, sondern auch der nordischen Sagen- und Märchenwelt entstammen können (Schwind, Melusine), sind im 19. Jh. neben der Historienmalerei ein beliebtes Thema, gegen das Daumier, vom Standpunkt des Realismus aus, in seinen Karikaturen >entmythologisierend< polemisiert. Die historisierende Malerei des späten 19. Jhs. zieht mythologische Darstellungen, auch in allegorischer Bedeutung, wieder stärker heran (Puvis de Chavannes), und selbst in der Malerei des 2o. Jhs. sind der antiken Ideenwelt entnommene Vorstellungen nachzuweisen (Picassos idyllische Landschaften und Faune; Kokoschka, Thermophylen; de Chirico, >Abreise der Argonauten<).



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