| Aquarell |
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| Freitag, 05. Juni 2009 um 21:42 Uhr | ||
Aquarell Die Bezeichnung >Aquarell< taucht erst im 18. Jh. auf, obwohl die Malerei mit Wasserfarben fast so alt wie die Malerei überhaupt ist. Doch handelt es sich z. B. bei der Bemalung der ägyptischen Totenrollen und Reliefs des 2. Jahrtausends stets um eine Ergänzung der Zeichnung. Obwohl der Spätantike die Eigenart der reinen Wasserfarbe, eine Darstellung atmosphärisch duftig und locker zu gestalten, bekannt gewesen sein muß (vgl. die Freiheit der Darstellungen der >Wiener Genesis<), ist auch für die Buchmalerei die mit Deckweiß opak gemachte Gouachemalerei tonangebend. Ebenso ist durch das ganze Mittelalter die Deckfarbenmalerei vorherrschend. Erst im 14. und 15. Jh. gewinnt die lasierende Aquarellmalerei als farbige Belebung von illustrativen Zeichnungen und frühen Einblattdrucken an Bedeutung (Druckgraphik). Auch die meisten der Bildteppichkartons - Mantegnas Entwürfe für den Caesar-Zyklus (London) und Raffaels Kartons für die sixtinische Teppichserie (Vatikan) - sind aquarelliert. Immer aber bleibt die Zeichnung Grundlage und die Farbe tritt nur ergänzend und erläuternd hinzu. So sind oft Naturstudien und Entwurfskizzen mit Wasserfarben leicht angelegt. Selbständige Aquarelle mit bewußter Verwendung der spezifischen Möglichkeiten der Wasserfarbenmalerei sind erst Dürers Landschaften, vor allem der ersten italienischen Reise (Abb. 8o). Doch bleibt dieser Anfang zunächst ohne Nachfolge, denn die aquarellierten Porträtzeichnungen Cranachs und der beiden Holbein sind in erster Linie als Handzeichnungen zu werten, ebenso die barocken Bister- und Sepiazeichnungen (Claude Lorrain), die mit dem Aquarell die Pinseltechnik gemeinsam haben. Die Vedutenmalerei des 18. Jhs. bedient sich nicht nur für die unmittelbare Aufnahme an Ort und Stelle der Wasserfarbentechnik, sondern benützt auch bewußt die Möglichkeit zur atmosphärischen Darstellung (P h. Nackert). Zu einer selbständigen Kunstgattung wird die Aquarellmalerei in der 2. Hälfte des 18. Jhs. in der englischen Kunst. Zu Beginn des 19. Jhs. existiert in England bereits eine breite Schicht von Landschafts- und Porträtaquarellisten, aus denen sich Constable mit seinen realistischen und vor allem W. Turner mit seinen ins Visionäre gesteigerten Lichtphänomenen herausheben. Ebenfalls im Laufe des 18. Jhs. gewinnt die Aquarelltechnik für die Bildnisminiatur wachsend an Bedeutung. Das kleinformatige Bildnis hat seit dem 16. Jh. und fast immer im Anschluß an die Miniaturen Holbeins stets seine besondere Bedeutung gehabt, doch ist es vielfach auf das handliche Format reduzierte Ölmalerei, in Italien häufig auf Kupferblech, das den Farben einen besonderen Glanz verleiht. Der Schweizer J. Petitot hat im 17. Jh. am Pariser Hof die Emailminiatur eingeführt, und der Engländer Lens soll um 1700 als erster Elfenbein als Grund verwendet haben. Die transparenten Aquarellfarben können die angestrebte Feinheit und Duftigkeit auf solchen glatten, glänzenden, durch unterlegte Silberfolien noch besonders leuchtend gemachten Malgründen besonders gut erreichen. Am Wiener Hof ist es vor allem Füger, der der Aquarellminiatur Eingang verschafft, die im Laufe des 19. Jhs. sich zu einer spezifischen Wiener Eigenart entwickelt (Daffinger, Kriehuber). In Frankreich lösen Augustin und Isabey die von Rosalba Carriera eingeführte Pastellminiatur durch das Aquarell ab. Während in England die Aquarellmalerei als eigene Sparte das ganze 19. Jh. hindurch gepflegt wird, bedeutet sie für die Romantiker und Nazarener Mitteleuropas wieder mehr ein ergänzendes Mittel zur Belebung der Zeichnung. Nur C. D. Friedrich setzt die Nuancierungsmöglichkeit bewußt für seine atmosphärischen Stimmungslandschaften ein. Eine realistischere Note des Landschaftsaquarells vertritt R. v. Alt, während Schindler und Pettenkofen in Österreich, Blechen und Menzel (mit seiner Gouache-Aquarell Mischtechnik) in Deutschland dem Impressionismus verwandte Ergebnisse erzielen. Im späteren 19. Jh. wird von den Impressionisten an bis zu dem im Jugendstil mündenden Symbolismus wieder mehr die graphischere Pastelltechnik bevorzugt, die stärker die hellen, reinen Farben wirken läßt (Degas). Bei Cezanne erschließt das Aquarell die Vielschichtigkeit der farbigen Bildstrukturen. Auch im deutschen Expressionismus spielt das naß in naß gemalte Aquarell (Nolde, Rohlfs, Schmidt-Rottluff, Macke, Kokoschka, Klee) wieder eine bedeutendere Rolle. |
























































