| Architekturmalerei |
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| Sonntag, 07. Juni 2009 um 16:02 Uhr |
ArchitekturmalereiDarstellungen architektonischer Elemente dienen im frühen Mittelalter (so wie in der Antike) zur Verdeutlichung der Situation, aber nicht als Abbild. Die Herkunft aus der antiken Bühnendekoration zeigt sich bis ins 14. Jh. an der versatzstückartigen Verwendung von abgekürzten, formelhaften Gebilden (Bd. II Abb. 109).
Die Innenraumkonstruktionen des Trecento sind mit einer Erfahrungsperspektive gezeigt, die Annäherungswerte, aber keinen zentralen Fluchtpunkt kennt. Zur besseren Sichtbarmachung der stets dominierenden Figurendarstellung sind Außenmauern weggelassen, so daß der Betrachter zwar außerhalb des Raumes stehend gedacht ist und dennoch alle Einzelheiten überblickt (vgl. Bd. II Abb. 110). An die Stelle der Architekturrequisiten tritt im 15. Jh. der einheitlich aufgefaßte, geschlossene Raum (Masaccio, Bd. II Abb. 67; van Eyck, Kircheninneres). Die tatsächliche Abbildung eines bestimmten Innenraumes bleibt ebenso vereinzelt (K. Witz, Basler Münster), wie die eines Gebäudes oder einer Stadt, doch sind Anregungen durch die gebaute Architektur immer anzunehmen (Brüder von Limburg, Livre d' Heures in Chantilly, Abb. 75). Seit der Mitte des 15. Jhs. sind Städtebilder im Norden häufiger (Schottenmeister, Wien), während in Italien die ideale Konstruktion vorherrscht und sogar reine Architekturbilder ohne Staffagefiguren vorkommen (Francesco di Giorgio Martini).   Noch für die klassische Renaissance um 1500 sind die Figuren das wichtigste Bildelement, denen die Architekturen zugeordnet sind. Im 16. Jh. wird die phantastische Architekturdarstellung auf Kosten der figürlichen weit ausgebaut, mit manieristischen >interessanten< Formen und Ruinen versehen, in denen sich die Darstellung verliert (Altdorfer, Caron). Die Spannung zwischen Umraum und Personen ist — im Gegensatz zum 15. Jh. — zugunsten der Architektur verschoben (Antwerpener Manieristen). Exakte topographische Aufnahmen sind zunächst häufiger in Zeichnungen (Reiseerinnerungen) als in selbständigen Bildern anzutreffen (Dürer, italienische Reisen und niederländisches Skizzenbuch, Heemskerk und Bruegel d. Ä. in Rom). Beliebter sind die zentralperspektivisch durchkonstruierten Phantasiearchitekturen, in denen zur Belebung kleine Figürchen agieren (Staffage). Daraus entwickelt sich das selbständige Architekturbild, das bei Vredeman de Vries noch Phantasiekonstruktion ist, während sein Schüler H. Steenwijk d. Ä. sich um die Darstellung bestehender Räume bemüht (Aachener Münster, Kathedrale von Antwerpen, St. Peter in Löwen). Die Kirchen- und Saalansichten vom Anfang des 17. Jhs. sind vorwiegend konstruierte Räume, die möglichst vollständige Ansichten mit einer genauen Wiedergabe der Details aufweisen. Zu einer einheitlichen Raumauffassung bestimmter Gebäude gelangt P. Saenredam. Um die Jahrhundertmitte wird der Betrachter durch die nahsichtige Auffassung in den Innenraum einbezogen (I. Vermeer van Delft, Bd. II Abb. 89; P. de Hoogh). Der einer Hauptachse folgende Einblick in einen Raum wird durch den schrägen Durchblick mit der für Kircheninterieurs charakteristischen Dreipfeilergruppe abgelöst (V. Vliet). Der abbildhafte Charakter wird zugunsten eines stimmungsmäßigen Raumgefühles, in das die menschliche Figur malerisch eingebunden erscheint, vernachlässigt (E. de Witte, Abb. 93). Beim Außenarchitekturbild überwiegt das Interesse am topographischen Schildern (Brüder Berckheyde, J. van Heyden), das vom Einzelgebäude zu Straßen und Stadtansichten übergeht und zu den weiten Veduten des 18. Jhs. führt. Diese vor allem durch Stichwerke verbreitete Auffassung (Merian, Hollar, Kleiner) legt mehr Wert auf Genauigkeit der Schilderung als auf bildmäßiges Gestalten (Druckgraphik). Eine Synthese beider Auffassungen wird von Guardi und den beiden Canalettos erreicht. Sonderformen einer Phantasiearchitektur entwickeln in Neapel Desiderio Monsù (F. Name) und Piranesi in seinen Radierungen. Letzterer trägt auch zur Gattung der Ruinenlandschaft bei, die im 17. Jh. (J. van Ruisdael) aufkommt und einen Übergang von der Architektur- zur Landschaftsmalerei (C. D. Friedrich) darstellt.
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