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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Genremalerei PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 23. Juni 2009 um 16:49 Uhr

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Genremalerei.

 

Typische Ereignisse und Szenen aus dem täglichen Leben des Menschen kommen, in der Antike vereinzelt tradiert, in größerer Zahl erst in derspätmittelalterlichen Kunst vor. Jedoch sind sie noch nicht als >Genrebilder< zu bezeichnen; denn die Darstellung von bestimmten Handwerken (Glasfenster von Chartres) oder der ländlichen Arbeit (Monatsdarstellungen der Stundenbücher, Abb. 75) steht in einem größeren Sinnzusammenhang und dient nicht der ausschnitthaften Schilderung eines Zustandes. Eher können die Illustrationen zu höfischen Dichtungen als Vorläufer des Genrebildes angesehen werden (Wandmalereien, Bildteppiche, Manessehandschrift). Die Hauptwurzel des Genrebildes ist das im Laufe des 15. Jhs. wachsende Interesse an der diesseitigen Welt und ihren Erscheinungsformen, das auch in die  religiöse Malerei genrehafte Züge bringt. Doch sind die inhaltlich stark festgelegten Themen der Religion, Mythologie, Geschichte und die mit der individuellen Person verbundenen Porträts grundsätzlich dem Sittenbild fern. Auch das Arnolfini-Bildnis Jan van Eycks (Bd. II, Abb. 102) ist mehr ein Porträt als ein Sittenbild, welches die stillebenhafte Betrachtung von Personen und Situationen auf die Darstellung des Typischen anwendet. Solche reinen Genredarstellungen sind aus dem 15. Jh. wenigstens literarisch bekannt; so sollen J. van Eyck und Rogier van der Weyden badende Frauen gemalt haben, ein Thema, das an den italienischen Fürstenhöfen beliebt war und weiterhin gepflegt wurde (Bonifazio Veronese). Doch bleiben bis ins 16. Jh. Anspielungen auf tieferen Sinngehalt üblich, wie etwa die Salbbüchse der HI. Magdalena (Meister der Weiblichen Halb figuren), oder es werden biblische Themen ausgesponnen, so wie die >Geschichte vom verlorenen Sohn<, die Anlaß zu Gesellschaftsstücken gibt. Weniger traditionsgebunden ist die Druckgraphik, die ganze Serien genrehafter Darstellungen für ein breiteres Publikum herstellt (Hausbuchmeister).

 

Während in Deutschland die profane Darstellung gerne mit moralisierenden Tendenzen verbunden wird (Cranach), entwickelt sich das reine Genrebild in den Niederlanden (Lucas van Leyden, Bruegels Bauernbilder), wo dieser Bildtypus im 17. Jh. seinen Höhepunkt erreicht. Die verschiedensten alltäglichen Begebenheiten des kleinbürgerlichen und bäuerlichen Lebens werden >bildwürdig< und beispielhaft aufgefaßt. Eigentliches Bildthema sind die verschiedenen Formen der >Geselligkeit<, nicht einzelne Menschen und Dinge. Die vornehmen Gesellschaften W. Buytewechs und D. Hals' sind ebensowenig in Ort und Zeit fixiert wie die Bauern und Landstreicher Brouwers, Os tades (Abb. 94) und Teniers'. Selbst die Bildanekdote, die in den Räuber- und Soldatenstücken von wilder Grausamkeit über derb humorvolle Schilderungen bis zur Frivolität reichen kann, wird zugunsten einer reinen Zustandsschilderung vernachlässigt (G.Dou, Jan Steen).

 

Diesem Verzicht auf inhaltliche Erzählung steht eine große malerische Verfeinerung gegenüber, die bei Brouwer und seinen Nachahmern mehr im Tonigen, bei P. de Hoogh und Jan Vermeer (Bd. II, Abb. 89) in subtilster Farbgebung und einer diffizilen Lichtbeobachtung liegt und den stimmungsmäßigen Charakter der Bilder begründet. Gegen das Jahrhundertende gewinnt das bürgerliche Konversationsstück mit gedämpfter Erotik und sentimentalen Anklängen größere Verbreitung (Terborch, Mets u).

 

In den Niederlanden bleibt das Genrestück bis ins 18. Jh. ein beliebtes Thema bürgerlicher Feinmalerei, während die Vorliebe für das Leben der >kleinen Leute<, das durch die italienreisenden Bentvueghels (Zugvögel) nach Rom gebracht worden war (Pieter van Laer) und in den Bamboccianti auch italienische Nachahmer gefunden hatte (M. Cerquozzi), bald ins >Interessante< abschwenkt, oder, wie auch in Spanien (Murillo), eine religiöse Note bekommt.

 

Eine modisch-höfische Verfeinerung erfährt das Sittenbild in Frankreich. Die idealisierten fêtes galantes Watteaus (Bd. II, Abb. 49) und seiner den erotischen Gehalt bis ins Frivole steigernden Nachfolger (Boucher, Fragonard) sind jedoch bereits Grenzgebiete dieser Bildgattung, die in Greuze einen sentimental-moralisierenden späten Vertreter hat. Diese moralisierende Auffassung, zu Sozialkritik und Satire zugespitzt, bestimmt auch das englische Genrebild des 18. Jhs. (Hogarth) und spiegelt sich, bürgerlich entschärft, in den wenigen vergleichbaren Beispielen Deutschlands (Chodowiecki).

 

Nach der radikalen Ablehnung der >gewöhnlichen< Themen der Genremalerei durch Klassizismus und Akademien finden sich sittenbildliche Darstellungen wieder im Realismus des 19. Jhs. (Waldmüller). Das Genrebild an sich jedoch ist problematisch geworden und tendiert zu Gesellschaftskritik (Karikatur; Millet, Daumier) und aggressiver Aussage (Expressionismus). Themen des Sittenbildes (wie >badende Frauen<) werden seit dem Impressionismus mehr Vorwand zu formaler Gestaltung als zuständliche Schilderung.



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