| Glasmalerei |
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| Dienstag, 23. Juni 2009 um 18:23 Uhr | ||
Glasmalerei. Fensterverschlüsse aus undurchsichtigem, grünlichem Glas hat schon die Spätantike gekannt. Von farbigen Fenstern ist bei Prudentius (4. Jh. n. Chr.) die Rede, doch handelt es sich bei den kleinformatigen Stücken wohl nur um ornamentale Muster. Auf figürliche Darstellungen lassen jedoch Berichte aus der Chronik von St. Remi in Reims (995) und aus den Klöstern Monte Cassino, Tegernsee und Hildesheim (10. Jh.) schließen. Die frühesten erhaltenen Fragmente stammen aus Séry-les-Mezières (Aisne), Weißenburg (Christuskopf, 2. Hälfte 11. Jh., Straßburger Museum) und von der Reichenau (Kreuzigungsfragment in Darmstadt). Sicher waren aber Glasfenster weiter verbreitet, denn die um 1130 entstandenen Apostelfenster des Augsburger Domes verraten in ihrer Monumentalität und technischen Fertigung eine so große Sicherheit, daß sie nicht am Beginn einer Entwicklung stehen können (Abb. 73).
Die große Aufgabe und Entfaltungsmöglichkeit für Glasfenster bilden jedoch die gotischen Kathedralen mit ihren großen Fensterflächen. Die Glasmalerei übernimmt nicht nur den Themenkreis und die Aufgabe der Wandmalerei der romanischen Kirchen, sondern trägt auch durch das farbige Leuchten wesentlich zum neuartigen Charakter des Raumes bei. Aus dem >Gründungsbau< der Frühgotik, S t. Denis bei Paris (1137-44), sind nur wenige Fenster im Chorumgang erhalten. Eine Vor-
Wenn auch in den Hochschiffenstern von Chartres großfigurige Darstellungen auftreten, so ist doch für das 13. Jh. das Medaillonfenster mit seiner durch Armatur und Verbleiung bedingten und diese zu ornamentaler Wirkung ausnützenden Kleinteiligkeit charakteristisch (Teppichfenster in Sen s,Bourges u. a.). Um die immer kostbarer werdende Innenausstattung besser zur Geltung zu bringen, werden auch die Farben der Fenster, die jetzt fast die ganze Wand einnehmen (Glashaustyp), heller. Die Figuren werden noch kleiner und ganz auf den Bleikontur mit wenig Binnenzeichnung abgestellt. Der Eindruck einer >selbstleuchtenden Wand< (Jantzen) wird durch die scheinbare Identität von Lichtquelle und Darstellung besonders verstärkt (Ste. Chapelle in Paris). Neben den Hauptfarben Rot und Blau sind gleichberechtigt Silbergelb und Grün, auch Braun und verschiedene Violettöne.
Eine dritte Art von Glasfenstern, die ebenfalls schon in Chartres vertreten ist, findet vor allem in den strengen Bauten der Zisterzienser weite Verbreitung: die Grisaillefenster mit ihren floralen Mustern in graugrünen Tönen (Altenberg bei Köln). Diese helleren Fenster spielen in der nachklassischen Gotik des späteren 13. Jhs. eine besondere Rolle (St. Urbain in Troyes).
In der Kathedrale von Amiens treten (seit 1269) Scheiben mit architektonischen Darstellungen auf, die für das 14. Jh., in dem sich die Glasmalerei auch in Deutschland weit verbreitet (Straßburg, Köln, Marburg, Regensburg), charakteristisch sind. Im Verlauf dieser Entwicklung, die zunächst auf die einzelne Scheibe beschränkt bleibt, aber schon im 14. Jh. ganze Fenster zusammenfaßt (Königs felden, Abb. 74; Wien), und in dem Bestreben, dreidimensionale Architekturen darzustellen (Evreux), erfolgt eine Verselbständigung der Glasmalerei, analog dem Tafelbild, und damit eine grundlegende Wandlung im Zusammenhang mit der Architektur. Auch das Glasbild wird autonom. Dieser Prozeß zieht sich freilich durch das ganze 15. Jh. hin, bis aus dem flächig-dekorativen, völlig auf Licht und Farbe gestellten und in engem Zusammenhang mit der Architektur stehenden Fenster ein raumhaltiges Bild mit körperhaften Figuren in perspektivischen Gehäusen wird. In den ersten Jahrzehnten beherrscht der schönformige, flächige sog. >weiche< Stil des ›Gotico internazionale‹, der der dekorativen Aufgabe des Glasbildes besonders entgegenkommt, das Bild (Wien). Doch ist die formale Eigenart der Glasmalerei weitgehend zurückgedrängt und das Bestreben, mit technischer Raffinesse dem Tafelbild nahezukommen, unverkennbar. Formale Experimente — wie das ganz auf Silbergelb und Weiß mit wenigen Blauakzenten abgestellte >Goldfenster< von Tamsweg — bleiben vereinzelt. Diese Entwicklung ist in Deutschland und Österreich zu verfolgen, weniger in Frankreich und dem von diesem abhängigen England, wo das strenge Architekturgehäuse auf jede einzelne Figur bezogen ist.
Gegen das Jahrhundertende ist Straßburg (Peter Hemmet von Andlau) führend in der Glasmalerei. Nach den Entwürfen bedeutender Künstler (Meister E. S., Martin Schongauer) und eigener >Visierer< werden werkstattmäßig Glasbilder hergestellt. In Italien, wo die Glasmalerei freilich nie eine bedeutende Rolle spielte, gab es die Trennung in Entwerfer und Ausführer schon im 13. Jh. (Cavallini für 5. Francesco in Assisi, Cimabue).
Gemalte Scheiben, die eine direkte Übertragung der Tafelmalerei auf Glas darstellen, sind seit dem Ende des 15. Jhs. üblich, vor allem in Köln, Freiburg, Nürnberg. In der Schweiz erlebt diese Glasmalerei eine Blüte bis hoch in das 17. Jh. (Wappenscheiben). Im 17. und 18. Jh. spielt die Glasmalerei nur noch in Frankreich eine Rolle (Paris, St. Gervais), doch werden vielfach zu jener Zeit schon die erhaltenen Scheiben vernichtet, um die Räume heller zu machen. Erst im 19. Jh. erfolgt eine Wiederbelebung der Glasmalerei, doch können weder die Entwürfe der Nazarener und später der historisierenden Maler, noch die industriell hergestellten Gläser die Farbenglut der mittelalterlichen Fenster erreichen.
Im frühen 20. Jh. ist der Jugendstil mit seiner Tendenz zum >Gesamtkunstwerk< ein Erneuerer der Glasmalerei (Jens Thorn Prikker, Neuss), doch kann erst das durch die gegenstandslose Malerei geschärfte Empfinden für reine Farbwerte eine, wenn auch auf anderen Voraussetzungen basierende, dem Glasbild wieder entsprechende Ausdrucksform finden (Manessier, Léger).
Die Hinterglasmalerei dürfte das ältere Verfahren sein, ist aber grundsätzlich von der musivischen Glasmalerei verschieden. Ihre Anfänge liegen im Späthellenismus und haben vor allem in den Porträtgläsern derer Spätantike weite Verbreitung gefunden. Obwohl sich aus dem Mittelalter vor dem 14. Jh. nichts erhalten hat, dürfte die Hinterglasmalerei immer geübt worden sein. Die mit dem 15. Jh. sehr breit werdende Entwicklung erstreckt sich bis in das 18. und in der Volkskunst noch hoch in das 19. Jh. Die vorwiegend religiösen Darstellungen folgen oft bekannten Vorbildern, aber auch eigens angefertigte Entwürfe, vor allem für Prunkgefäße (W. Jamnitzer), sind bekannt. Als Andachts- und Votivbilder vor allem in der Volkskunst der katholischen Länder sehr beliebt, erfolgt schon im 18. Jh. eine Massenherstellung >auf dem Fließband<, bis die völlige Industrialisierung des 19. Jhs. die Hinterglasmalerei zum Erliegen bringt. Franz Marc und die Maler des >Blauen Reiter< nehmen die Technik der Hinterglasmalerei wieder auf. |
























































