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Von Susanne Kupke, dpa Baden-Baden (dpa/lsw) - Ein Geburtstagsgeschenk sieht anders aus. Ausgerechnet zu ihrem 100-jährigen Bestehen hat der baden- württembergische Rechnungshof die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden aufs Korn genommen: «mäßiger Publikumserfolg», keine eigene Sammlung, rote Zahlen und dann noch «schwerwiegende Verstöße gegen das Haushaltsrecht». Die nun veröffentlichte Empfehlung der Prüfer für eines der traditionsreichsten Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst: privatisieren, kommunalisieren oder fusionieren. Doch mit ihren zackigen Ratschlägen stehen die Prüfer ziemlich einsam da; haben sie doch einen kleinen Schönheitsfehler: Die für die Jahre 2003 bis 2007 festgestellten Verstöße fallen zum Großteil in die Zeit des früheren Leiters Matthias Winzen - und sind teils längst behoben. Pauschale Vergütungen für Überstunden trotz Nebenjob an einer Hochschule, Unregelmäßigkeiten bei Reisekosten oder Privatgespräche vom Dienst-Handy «in beträchtlichem Umfang» - insgesamt, so listet der Rechnungshof auf, sei durch das «Fehlverhalten» des früheren Leiters dem Land ein Schaden von «mindestens 44 000 Euro» entstanden. Laut Kunstministerium, das ebenfalls wegen der bezahlten Überstunden kritisiert wurde, hat Winzen nach den vom Rechnungshof festgestellten Verstößen im vergangenen Dezember «Schadensersatz in beträchtlicher Höhe geleistet». Ein eingeleitetes Strafverfahren sei noch nicht abgeschlossen. Doch die Mängelliste der Prüfer bei dem «bei weitem kleinsten Landesmuseum» reicht weiter: Zwar sei die jährliche Besucherzahl von 13 000 im Jahr 2004 mit der Eröffnung des benachbarten Privat-Museums von Frieder Burda auf 28 000 Besucher im Schnitt gestiegen. Angesichts von jährlichen Ausgaben des Landes für das Museum zwischen 1 und 1,25 Millionen Euro und einem Zuschussbedarf von 30 Euro je Besucher müsse aber das Engagement hinterfragt werden; zumal der Betrag über dem Niveau der Staatsgalerie Stuttgart liege, die «deutlich mehr zu bieten hat». Zwar honorieren die Kontrolleure die Verbesserungsbemühungen der seit September 2006 amtierenden neuen Direktorin Karola Kraus. Doch auch unter ihrer Leitung haben die Prüfer Haushaltsverstöße ausgemacht: So sei für einen von einem Künstler gestalteten Umbau eines Austellungsraumes zu einem Großraumbüro ohne vorherige Genehmigung Geld verschwendet worden. Museumsleiterin Kraus weist dies zurück: «Es handelt sich um ein künstlerisches Projekt.» Die Genehmigung dafür habe sie eingeholt; wenn auch nur mündlich. Rückendeckung gibt es vom Ministerium: «Die Haushaltsverstöße sind nur formaler Natur», so eine Sprecherin. «Frau Kraus genießt unser volles Vertrauen.» An sich müssten sich die Prüfer sogar freuen: Der künstlerische Multifunktionssaal ist tagsüber Büro und wird abends als Festsaal bei Ausstellungseröffnungen genutzt. «Die Kritik ist unfair und veraltet», ärgert sich Leiterin Kraus. Sie habe einen «ziemlichen Chaosladen vorgefunden». Seit ihrem Amtsantritt arbeitet die Kunsthistorikin und Tochter des Sammlerehepaars Grässlin an Verbesserungen - und erntet erste Früchte: In dieses Jahr sei man ohne Defizit gestartet. 2008 zählte sie 42 000 Besucher, 2009 werden «60 000 bis 70 000» erwartet. Mit sechsstelligen Zahlen wie beim benachbarten Burda-Museum kann sie naturgemäß nicht aufwarten; junge unbekannte Künstler ziehen eben weniger Besucher an als Chagall, Picasso, Kandinsky und Co. «Die Kunsthalle ist eine renommierte Plattform für junge Kunst. Da ist das Land in der Pflicht», meint Baden-Badens Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner. Und auch Mäzen Burda winkt ab. Privates und öffentliches Museum sollten sich ergänzen - so wie im Herbst bei der großen Baselitz-Schau, wenn die Gemälde im Burda-Museum und die Skulpturen in der Kunsthalle zu bestaunen sind. Vor einer Fusion mit anderen Einrichtungen wie der Kunsthalle Karlsruhe würde Kraus eher zurücktreten. Das ist wohl nicht nötig: «Ich möchte die Kunsthalle in ihrer jetzigen Form erhalten und weiterentwickeln», betont Kunststaatssekretär Dietrich Birk.
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