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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Auch Platz für Beuys und Picasso: Kunst in der DDR PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 10. September 2009 um 05:04 Uhr

Von Sophia-Caroline Kosel, dpa (

 

Leipzig  (dpa) - Kunst in der DDR - das waren die großen Maler Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer, Willi Sitte und Bernhard Heisig, aber das war auch ein lebendiger Untergrund. In den Galerien waren auch Künstler aus dem «nichtsozialistischen Ausland» vertreten, etwa Pablo Picasso und Joseph Beuys. Wenig überraschend ist, dass die Künstler und Galeristen besonders im Umfeld der Kunsthochschulen aktiv waren, etwa in Leipzig, wo der als «Leipziger Schule» bekannt gewordene Malstil entstand, oder in Dresden und Berlin. «Es gab aber auch eine große Szene von Künstlern, die nicht an den Hochschulen studieren durften. «Weil sie nicht so malten, wie es dort üblich war», sagt Gerd Harry Lybke, einst Aktmodell und seit DDR-Zeiten Betreiber der Galerie Eigen + Art in Berlin und Leipzig.    

 

Seit 1946 war Dresden meist alle fünf Jahre Domizil der «Deutschen Kunstausstellung», die von 1972 an «Kunstausstellung der DDR» hieß. Deren Organisation lag fest in SED-Hand. SED-Politbüromitglied Kurt Hager etwa gab die Devise aus: «Bei der Vorbereitung der IX. Kunstausstellung wird es darauf ankommen, die eindeutige Haltung zum sozialistischen Realismus in Wort und Tat erneut unmissverständlich zu bekräftigen.» In den späten 1980er Jahren habe sich die DDR-Kunst- Schau auch für «Objekte und Dinge» geöffnet, die nicht in die Kategorie sozialistischer Realismus fielen, sagt Galeristin Christine Rink.    

 

Die Frau des Malers Arno Rink hat lange vor dem Mauerfall an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst eine Galerie gegründet, die sie noch heute betreibt. «Die erste Ausstellung, die ich hatte, war Willi Sitte: Wunderbare Papierarbeiten in picassoider Form aus seiner Anfangszeit», blickt sie zurück. Später habe sie an der Hochschule die ersten DDR-Schauen mit Werken von Beuys und Helmut Newton gezeigt, 1981 Grafiken von Picasso. «Ich habe keine Ausstellung abgelehnt bekommen», sagt Rink. «Es war schon eine Art Freibrief.»    

 

Illegal organisiert und privat finanziert wurde hingegen der «Leipziger Herbstsalon», die Ausstellung einer Leipziger Künstlergruppe um den stadtbekannten Bildhauer und Klee-Verehrer Günther Huniat. Die Werke unterschiedlicher Stile lehnten an den Wänden oder standen auf Ziegelsteinen, denn Nägel einschlagen durften die Künstler in dem gebuchten Haus der Leipziger Messe nicht.    

 

Autodidakten ohne Hochschulstudium hätten meist künstlerisch grenzüberschreitend gearbeitet, sagt Lybke. «Sie haben zum Beispiel ihre Arbeiten mit Performances und Installationen verbunden. Viele wurden in privaten Galerien in Dresden, Berlin, Chemnitz oder Leipzig gezeigt.» Wie stark der Staat die Galeristen beobachtete, wurde ihnen mitunter erst nach dem Mauerfall richtig bewusst: «Eigen + Art wurde von fünf Stasi-Leuten beobachtet, 18 Bände Material haben sie zusammengetragen», sagt Lybke. Selbst Stasi-General Markus Wolf habe die Galerie im Blick gehabt, weil sie viele Kontakte in den Westen hatte. «Die Pläne gingen bis zum Mord. Wenn man uns gesagt hätte, wie ernst es ist, hätten wir es gelassen», meint Lybke, der jetzt auch den Maler Neo Rauch vertritt.    

 

Eine Reihe von Künstlern, die die DDR verlassen haben, erlangten im Westen Ruhm; etwa Günther Uecker, Georg Baselitz, A.R. Penck und Blinky Palermo. Diejenigen, die im Osten blieben, hadern heute bisweilen damit, dass ihre Arbeiten als DDR-Kunst eingestuft werden. «Jetzt werde ich mit Ost-Stallgeruch auch gerne mal in die Ecke gestellt, was aber im Ausland glücklicherweise niemanden interessiert», meint etwa der Leipziger Maler und Grafiker Hartwig Ebersbach, dessen Werke zu DDR-Zeiten schon im Westen zu sehen waren. «Darf nur, wer von Ost nach West gegangen ist, Künstler sein», fragt er sich. Lybke sieht es so: «Gute Kunst setzt sich durch.» Und Rink meint: «Ich kennen keinen, der ein Genie ist und im stillen Kämmerlein sitzt.»



Tags: ddr  lybke  k  
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