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Nachrichten aus Kunst und Kultur aus dem Jahr 2010
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Donnerstag, 30. Dezember 2010 um 08:26 Uhr |
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Modern, multimedial und interaktiv - so will sich das Stader Museum Schwedenspeicher nach monatelanger Sanierung 2011 präsentieren. Das Haus möchte mehr als nur ein Stadtmuseum sein und mit einer großen Ausstellung zur Hansezeit auch überregional viele Besucher locken.
Stade (dpa/lni) - Noch ist die Tür des Museums Schwedenspeicher in der Stader Altstadt mit einem Gitter weiträumig abgesperrt. Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss des denkmalgeschützten Backsteingebäudes sind leer. Der Boden ist von Baustaub bedeckt, aus der Decke hängen lose Kabel herab. Doch schon in wenigen Monaten will das seit Ende September geschlossene Stadtmuseum nach umfangreicher Sanierung seinen Besuchern eine komplett überarbeitete Ausstellung zeigen. «Wir entfernen den gesamten 70er-Jahre-Charm und präsentieren ein modernes Museum», sagt Direktor Sebastian Möllers.
Denn seit der Eröffnung des Museums 1977 ist kaum etwas verändert worden. Nur das zweite Obergeschoss zur Vor- und Frühgeschichte wurde 2003 umgestaltet und bleibt deshalb zunächst unverändert. Die Sanierung des um 1700 errichteten Schwedenspeichers soll 2,1 Millionen Euro kosten. Finanziert wird das aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, der Hansestadt Stade und eines lokalen Sponsors. Die Ausstellungsmacher hoffen, noch vor Ostern öffnen zu können. Fast alle Exponate sollen aus dem eigenen Magazin stammen.
Neue Böden, mehr Licht, flexible Vitrinen und viele multimediale Stationen sind geplant. «Schlichtheit und Eleganz» sind Möllers bei der Umgestaltung wichtig. Zudem soll die Originalsubstanz des Gebäudes, das der schwedischen Garnison einst als Proviantspeicher diente, betont werden. So wird etwa das Ziegelstein-Mauerwerk freigelegt, die dunklen Holzbalken sollen durch farblich unauffällige Böden stärker zur Geltung kommen.
Die Vision der Planer: Betritt der Besucher das Museum wird er künftig direkt auf ein großes multimediales Modell Stades zulaufen. «Daneben können sich die Besucher auf kleinem Raum die Stadtgeschichte erarbeiten», erklärt Möllers. Armreifen aus der Wikingerzeit, eine schwedische Reiteruniform, Bronzeräder und Münzschätze repräsentieren verschiedene Epochen. Spannend wird es an der interaktiven Zeitmaschine: Kinder müssen erst eine Kurbel drehen, bevor sie in die Hanse- oder Schwedenzeit zurückversetzt werden.
Geteilt wird der Raum von einer kurvig verlaufenden Wand, in die im Hafenbecken gefundene Schätze aus der Stadtgeschichte eingelassen sind. Hinter der Wand gibt es eine 185 Quadratmeter große Fläche für Sonderausstellungen, die allerdings erst im Herbst beginnen sollen. Auch ein Museumsshop und ein Café sind vorgesehen. An der Außenfassade wird ein gläserner Fahrstuhl angebaut.
Öffnen will das Stadtmuseum auch einen Teil der Decke zwischen Erd- und Obergeschoss. Knapp 50 Vitrinen werden dann auf unterschiedlichen Höhen von der Decke des ersten Stocks in das Erdgeschoss herabhängen. «Das zieht einen nach oben. Zu viele Besucher haben sich bislang nur das Erdgeschoss angesehen und sind dann wieder gegangen», erklärt Möllers.
Inhaltlich will der 36-Jährige in dem Museum künftig mehr als nur Stadtgeschichte bieten. Wichtig ist nicht die Chronologie, der Direktor will Schwerpunkte setzen. «Stade ist nur der Aufhänger, um etwa das Leben in der Hansezeit darzustellen», erklärt er. So soll der gesamte erste Stock dieser Epoche gewidmet sein.
Wie entstand die Hanse? Was verbirgt sich dahinter? Welche Beziehungen spielten damals eine Rolle? All diese Fragen sollen für Kinder und Erwachsene in künstlerisch aufwendig gestalteten Kabinetten beantwortet werden und Parallelen zum heutigen Leben aufgezeigen. Möllers ist überzeugt, dass dieser Ausstellungsteil überregional zahlreiche Besucher anlocken wird. «Seit 20 Jahren gab es keine Hansezeit-Ausstellung in Deutschland», berichtet er.
Das Museum setzt auf Wandel, um attraktiv zu bleiben: Nach drei bis vier Jahren soll das Obergeschoss wieder komplett verändert werden und in ein anderes Jahrhundert entführen. Bislang habe das Haus zwischen 18 000 und 23 000 Menschen pro Jahr angelockt, berichtet Möllers. «Langfristig hoffen wir auf 50 000 Besucher.»
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Donnerstag, 30. Dezember 2010 um 08:26 Uhr |
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Nach Essen, Istanbul und dem ungarischen Péscs jetzt Tallinn und Turku: Estlands Hauptstadt wird zusammen mit dem nahe gelegenen Turku in Finnland Europas Kulturhauptstadt 2011. Die Ostseestädte wollen eng kooperieren.
Tallinn/Turku (dpa) - Beim Läuten der Mitternachtsglocken zum Jahreswechsel in Tallinns Altstadt feiert die estnische Hauptstadt zweifach: Das baltische Land wird 17. Mitglied der Eurozone und Tallinn selbst zusammen mit dem finnischen Turku europäische Kulturhauptstadt. Die beiden Ostseestädte sind nur 200 Kilometer voneinander entfernt. Sie übernehmen den Titel von der Ruhrmetropole Essen, dem ungarischen Pécs und der türkischen Riesenstadt Istanbul.
«Wir erwarten auf dem Theaterplatz sehr spezielle Gäste von sehr weit weg», sagte Jaanus Rohumaa, künstlerischer Leiter der Eröffnungsfeier in Tallinn, will aber nicht mehr verraten. Zwei Feuerwerke sollen den Euro als neue Landeswährung und den Kultur- Titel feierlich markieren: Eins über dem Stadtzentrum und eins über der Bucht von Tallinn. «So wollen wir vor allem deutlich machen, dass hier die Geschichte einer Stadt am Meer erzählt wird», sagt Rohumaa.
Beim letzten Anlauf einer baltischen Metropole als Europas Kulturhauptstadt gab es 2009 lange Gesichter. Litauens Hauptstadt Vilnius teilte sich den Titel mit Linz in Österreich. Aber die gerade mit voller Wucht ausgebrochene Finanzkrise ließ alle Geldtöpfe extrem schrumpfen, Mitarbeiter wurden kurzfristig entlassen. Zu allem Überfluss ging auch noch die nationale Fluggesellschaft pleite, so dass fest gebuchte Orchester die Anreise nicht schafften.
Angst vor einem solchen Fiasko müssen die Organisatoren in Tallinn nicht haben. Allerdings ist das mit 16 Millionen Euro relativ bescheidene Budget auch schon Resultat diverser Sparrunden. «Wir mussten uns mehrfach anpassen, haben aber zusätzliche Finanzquellen von außen gefunden», berichtet Maris Hellrand vom Organisationsbüro.
Statt Konkurrenz zum weit zahlungskräftigeren finnischen Turku soll das nächste Jahr die Zusammengehörigkeit der beiden Kulturhauptstädte künstlerisch und auch über die Sprache deutlich machen: Estnisch und Finnisch sind miteinander eng verwandte Sprachen aus dem finno-ugrischen Sprachstamm.
Nach Angaben von Helland sind unter anderem gemeinsame Paket- Reiseangebote für Kunstinteressierte geplant. Die Zusammenarbeit laufe gut, sagt sie, und so sehen es auch die Kollegen in Finnland. «Mindestens zwölf unserer größeren Projekte laufen zusammen mit Tallinn», berichtet Cay Sevón, Organisationschefin der Kulturhauptstadt Turku. Hier fällt der offizielle Startschuss erst am 15. Januar.
Die Finnen wollen nicht zuletzt den positiven Einfluss von kulturellen Aktivitäten auf Gesundheit und Wohlbefinden unter die Lupe nehmen. Künstlerisch durchgestylte Sauna-Gebäude für das Hauptstadt-Jahr gehören zum Angebot wie auch die Verteilung von 5400 Veranstaltungs-Tickets über das städtische Gesundheitswesen: Die Ärzte sollen damit «Kultur verschreiben».
In Turku hoffen die Organisatoren auf alles in allem zwei Millionen Besucher in den kommenden zwölf Monaten, 15 Prozent mehr als man sonst hier begrüßen kann. Mit 200 000 «Extra»-Touristen liegen die Erwartungen in Tallinn etwa auf gleicher Höhe. Dabei ist Estlands Hauptstadt mit 400 000 Einwohnern gut doppelt so groß wie Turku.
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Donnerstag, 30. Dezember 2010 um 08:26 Uhr |
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Brüssel (dpa) - Das Magritte-Museum in Brüssel wird vom 3. bis 31. Januar wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Die Lüftung und die Klimaanlage müssten verbessert werden, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Mittwoch. Das Museum in der Brüsseler Innenstadt ist dem surrealistischen Maler René Magritte (1898-1967) gewidmet, einem der bekanntesten belgischen Künstler. Das im Juni 2009 eröffnete Haus ist ein Publikumsmagnet.
www.musee-magritte-museum.be
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Donnerstag, 30. Dezember 2010 um 08:26 Uhr |
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Peenemünde (dpa/mv) - Das Museum über die geheime NS- Raketenschmiede in Peenemünde und der Ort im Norden Usedoms sind im Umbruch. Seit das Land das Historisch-Technische Museum vor einem Jahr übernommen hat, wurden erhebliche Baumaßnahmen auf den Weg gebracht, wie das Kultusministerium am Mittwoch mitteilte. Im ehemaligen Kraftwerk, dem Schwerpunkt des Museums mit rund 200 000 Besuchern jährlich, würden derzeit 3,9 Millionen Euro investiert. Der Gebäudekomplex werde gesichert, um ihn besser für die Ausstellung nutzen zu können. Große Teile der in der DDR gebauten Marinedienststelle in dem 365 Einwohner zählenden Ort und verfallene Wohngebäude würden derzeit abgerissen.
Die Peenemünder Denkmallandschaft gilt als eines der größten Flächendenkmale Deutschlands. Im Zweiten Weltkrieg wurden dort die V2-Raketen gebaut, denen in Belgien, Frankreich und England tausende Menschen zum Opfer fielen. 1942 startete von Peenemünde auch die erste Rakete in den Weltraum. Das Land stelle noch weitere Denkmalpflegemittel zur Verfügung, hieß es. Das Wirtschaftsministerium steuere Mittel aus den Fördertöpfen Konversion und touristische Infrastruktur bei. So solle ein «Gläserner Fahrstuhl» im und eine Aussichtplattform auf dem Kraftwerksgebäude entstehen.
Für 2011 plant das Museum unter anderem eine Ausstellung zum 50. Jubiläum des ersten bemannten Weltraumfluges von Juri Gagarin am 12. April 1961. Zudem beginnen den Angaben zufolge die Vorbereitungen für eine Ausstellung und ein Symposium zum 100. Geburtstag des Raketeningenieurs Wernher von Braun im Jahr 2012, der 1937 bis 1945 Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde war. 1946 ging er in die USA. Kultusminister Henry Tesch (CDU) sagte: «Es gibt kaum ein anderes Museum in Deutschland, das so hohe Anforderungen an die Auseinandersetzung mit der Geschichte an seine Gäste stellt: In Peenemünde gibt es keine Eindeutigkeit.»
Zur Bilanz 2010 gehört laut Ministerium auch der Vertrag zwischen der Universität Rostock und der Universität von Alabama, der eine Kooperation am Standort Peenemünde vorsieht. Die Brandenburgische Technische Universität in Cottbus beauftragt, die Einzeldenkmale in Peenemünde zu erfassen, zu bewerten und daraus ein wissenschaftlich begründetes Denkmalmanagement abzuleiten.
http://www.peenemuende.de
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Donnerstag, 30. Dezember 2010 um 08:26 Uhr |
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Von Hans Holbein bis Neo Rauch - Kunstfreunde in Baden-Württemberg können sich 2011 auf ein buntes Ausstellungsprogramm freuen. Baden- Baden und Tübingen feiern die Gründer ihrer Museen.
Stuttgart/Karlsruhe (dpa/lsw) - Altes in Stuttgart, Populäres in Schwäbisch-Hall, Modernes in Tübingen. Die Landeshauptstadt würdigt einen umstrittenen Reformer, Karlsruhe das Tierstillleben als solches und Tübingen den Erbauer des Stuttgarter Hauptbahnhofs - das Programm der Museen im Südwesten sollte 2011 wieder für jeden etwas parat haben.
STUTTGART: Die wichtigste Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart 2011 läuft schon: Das renommierte Haus widmet sich mit «Hans Holbein - Die graue Passion in ihrer Zeit» bis 20. März 2011 einem Hauptwerk des Künstlers aus dem Jahr 1495. Das Kunstmuseum Stuttgart bereitet derzeit in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Wolfsburg die erste umfassende kunst- und kulturhistorische Betrachtung des österreichischen Anthroposophen Rudolf Steiner (1861-1925) vor. Steiner zählt zu den einflussreichsten und zugleich umstrittensten Reformern des 20. Jahrhunderts. In Stuttgart gründete er 1919 die erste Waldorfschule. «Kosmos Rudolf Steiner» wird am 5. Februar eröffnet und läuft bis 22. Mai.
SCHWÄBISCH HALL: Einen einzigartigen Kosmos hat auch Niki de Saint Phalle (1930-2002) erschaffen. Die Kunsthalle Würth stellt die Gemälde, Skulpturen und Installationen der populären Künstlerin in den Mittelpunkt der Ausstellung «Märchen-Träume-Mythen» vom 17. April bis 16. Oktober.
BADEN-BADEN: Das Museum Frieder Burda feiert den 75. Geburtstag seines Gründers (29. April) mit einer Sonderausstellung vom 18. März bis 22. Mai. Burda öffnet dazu erneut seine Privatsammlung, in der neben Picasso und Polke auch junge aufstrebende Künstler vertreten sind. Dazu zählt auch der Leipziger Maler Neo Rauch, dem das Museum im Anschluss eine eigene Schau widmet (28. Mai bis 18. September). Zu sehen sind 80 Bilder des international begehrten Künstlers.
MANNHEIM: Dem Schädelkult gehen die Mannheimer Reiss-Engelhorn- Museen auf den Grund - allerdings erst im Herbst: Vom 2. Oktober bis zum 29. April 2012 sind mehr als 200 Schädel und Kopftrophäen aus vielen Kulturkreisen zu begutachten. Die Palette reicht vom Schädel als Mahnmal der Vergänglichkeit bis zu archäologischen Sensationen. Die Leihgaben kommen aus aller Welt.
KARLSRUHE: Ähnlich morbide ist eine Ausstellung, die die Staatliche Kunstsammlung Karlsruhe dann für den Winter 2011/2012 plant (19.11.-19.2.2012): «Von Schönheit und Tod. Tierstillleben von der Renaissance bis zur Moderne». Dafür hat sie etwa 80 Gemälde zusammengetragen mit toten Rehen, Schwänen oder Fasanen. Die Reihe der Künstler reicht von Chardin und Courbet bis zu Manet und Soutine.
TÜBINGEN: Für die Kunsthalle hätte der Streit um Stuttgart 21 kaum passender kommen können: Am 26. März beginnt eine Ausstellung über Paul Bonatz (1877-1956), den Architekten des Stuttgarter Kopfbahnhofs. In einer Retrospektive will die Kunsthalle mit Hilfe von Original-Plänen, Zeichnungen, alten Fotos und neu gebauten Modellen seine wichtigsten Werke zeigen. Im September würdigt die Kunsthalle dann sozusagen in eigener Sache eine Legende: «Cézanne - Renoir - Picasso und Co. - Die Ära Adriani», heißt die Schau, die das Wirken des Kunsthallen-Gründers Götz Adriani nachzeichnet. In seinen 35 aktiven Jahren schaffte es der heute 70-Jährige, die Kunsthalle quasi aus dem Nichts aufzubauen und sie zu Weltruhm zu führen. 500 000 Menschen kamen in Spitzenjahren in die von ihm kuratierten Ausstellungen.
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