| Sven Voelker verlässt Karlsruhe |
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| Mittwoch, 03. Februar 2010 um 11:34 Uhr | ||
Nach sechs äußerst erfolgreichen Jahren an der HfG Karlsruhe wechselt Prof. Sven Voelker (35), Leiter des Fachbereichs Kommunikationsdesign der HfG, zum 1. April 2010 als Professor an die Hochschule für Kunst und Design Halle, Burg Giebichenstein. Gemeinsam mit der Grafik Designerin Anna Berkenbusch und dem Illustrator ATAK/Georg Barber wird er dort seinen intermedialen Ansatz im Kommunikationsdesign weiter entwickeln.
In Karlsruhe setzte er mit seinen Projekten und Seminaren herausragende Impulse. So trafen sich zum Beispiel bei den Design-Konferenzen „Design Blast“ in den Jahren 2008 und 2009 insgesamt weit über 1.000 Design-Interessierte, um mit internationalen Experten die neuesten Entwicklungen zu diskutieren.
Voelker: Zum einen ist es das natürlich; zum anderen ist es wohl auch der Versuch, eine recht neblige Disziplin mit einer neuen, hellen Taschenlampe auszuleuchten. Kommunikationsdesign ist eine sehr mächtige Sache, die überall ist und in fast allem steckt. Jeder nutzt täglich hunderte, sehr unterschiedliche Formen von visueller Kommunikation. Da kann man als Kommunikationsdesigner also einiges anstellen, wenn man sich nicht in oberflächlicher Verkaufsförderung verirrt. Die Projekte, die vorgestellt werden, sind alles andere als klassisches Grafik-Design. Wer Plakate, Typografie und Layouts erwartet, wird enttäuscht. Es war mir wichtig, dass bei den ausgewählten Arbeiten die guten Ideen nicht gedankenlos in einem der üblichen, vorhersehbaren Medien übertragen werden. Porzellan, Kleider, Roboter, Nashörner, Arbeitshandschuhe, all das wird von den Studenten genutzt, um Kommunikation zu produzieren.
Heid: Das Buch verknüpft Positionen aus Design und Philosophie. Es ist damit quasi prototypisch für das Verständnis von Lehre an der HfG Karlsruhe, für den transdisziplinären Ansatz, der hier gepflegt wird. Worin sehen Sie dessen Stärken – und Schwächen?
Voelker: Diese Situation ist für uns alle hier eine sehr glückliche, vielleicht sogar einzigartig in dieser Form. Aber die Realität ist doch zunächst einmal, dass die Studenten am Anfang ihres Studiums gut damit beschäftigt sind, ihr eigenes Fach zu entdecken. Wer Mathematik, Sprachen oder zum Beispiel Musik studiert hat sich schon in der Schule ausführlich damit beschäftigt. Wer Design studiert, fängt fast immer von vorne an. Wenn es dann aber irgendwann im eigenen Bereich zu eng wird, gibt es an der HfG ausgezeichnete Möglichkeiten, sein Wissen zu erweitern und seine Arbeit aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich verrate hier kein Geheimnis, wenn ich erzähle, dass ich mich 1992 für ein Studium an der HfG beworben habe, aber nicht angenommen wurde und stattdessen nach Bremen ging. Jetzt hatte ich also doch noch Zeit genug, in Karlsruhe zu ‚studieren’.
Heid: Mit der internationalen Design-Konferenzen „Design Blast“ haben Sie weit über die HfG hinaus Maßstäbe gesetzt. Welche Trends und Tendenzen sehen Sie in den nächsten Jahren im Kommunikationsdesign?
Voelker: Wir planen gerade die nächste Ausgabe der Konferenz gemeinsam mit der Kuratorin Petra Schmidt. In unserer Diskussion mit den Studenten geht es vor allem um Mut und Initiative im Design. Gemeint ist damit der Gestalter als unternehmerisch denkender Initiator. Statt einen Auftrag entgegenzunehmen, gibt er sich selbst einen. Wie ein Künstler denken, wie ein Unternehmer handeln und dabei etwas produzieren, was man üblicherweise als Design bezeichnet. Dieses Prinzip hat sich für viele erfolgreiche, junge Gestalter als vorteilhafte Option herausgestellt. Ich glaube, das ist ein interessanter und anhaltender Trend im Kommunikationsdesign.
Heid: „Go Faster: The Graphic Design of Racing Cars“ ist der Titel Ihre zweiten Buches in diesem Jahr. Woher rührt Ihre Autobegeisterung und welches sind die Ergebnisse Ihrer Untersuchungen zum grafischen Erscheinungsbild von Rennwagen?
Voelker: Ich habe zuhause noch Umschläge voller schwarzweiß Fotografien von Sportwagen, die ich als ganz kleiner Junge mit meinem ersten eigenen Fotoapparat gemacht habe – zahllose Ferrari, Porsche, Lamborghini oder Maserati, das war schon immer eine Schwäche und der eine Teil der Geschichte. Der andere ist natürlich, dass ich mich für Grafikdesign interessiere. Die verführerische Verbindung aus beidem findet man in lackierten und beklebten Rennwagen. Eigentlich ganz offensichtlich, aber das herauszufinden hat mich einige Zeit gekostet. Ich habe jahrelang Spielzeugautos zusammen gesammelt und irgendwann begann ich, diese mit weißer Kreide zu besprühen. Heraus kam die Erkenntnis, dass das dreidimensionale Volumen der Fahrzeuge konsequent der Aerodynamik folgt, während sich die Grafik anti-aerodynamisch verhalten darf. Aus diesem Zusammenprall resultiert offensichtlich die ikonenhafte Coolness von Rennwagen. Und noch besser: bei den Recherchen zu dem Buch kam heraus, dass nicht ein einziger bekannter Grafik-Designer je einen Rennwagen gestaltet hat. Allein Anarchie und Unbekümmertheit von Sponsoren, Technikern und Rennsport-Managern hat zu solchen tollen Entwürfen geführt wie den Gulf Porsche, den Jägermeister BMW oder den Martini Lancias.
Voelker: Als ich kam war ich 29 Jahre alt. Ich bin mir sicher: ich selbst habe in den letzten sechs Jahren so viel gelernt, wie jeder, der hier studiert. Unser wichtigstes Ziel im Fachbereich Kommunikationsdesign ist, dass die Studenten eine eigene Position entwickeln – Gestalterpersönlichkeiten werden. Da ist es durchaus von Vorteil, wenn der Professor nicht nur aus seiner unerschöpflichen Erfahrung berichtet, sondern selbst sucht und mit anpackt. Die Hochschule kann mit diesem System des ständigen Wechsels Positionen extremer besetzen; und durch die andauernde Erneuerung wird sich Staub kaum irgendwo absetzen. Wir haben darüber hinaus auch immer sehr viele internationale Gäste zu Workshops, Seminaren und Vorträgen eingeladen, es ist also alles im Fluss. Da ist es nur konsequent, wenn auch ich irgendwann meinen Koffer packe und weiter ziehe. Allerdings fällt mir das nicht leicht, denn es gibt wohl wenige Hochschulen, bei denen alle Beteiligten so nett, respektvoll und intelligent miteinander umgehen. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. |
























































