| Lackkunst-Museum: Haifischhaut auf dem Kleiderkasten Von Alexandra Stahl, dpa |
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| Dienstag, 28. Dezember 2010 um 18:57 Uhr | ||
Wer das Wort Lack hört, denkt an Autos, Spraydosen oder Nagelpflege. Mit Kunst würde es wohl kaum jemand verbinden. Dabei gibt es sogar ein Museum, das sich der Lackkunst widmet.
Münster (dpa/lnw) - Mitten in Münsters Altstadt steht Deutschlands einziges «Museum für Lackkunst». Mehr als 2000 Exponate aus Ostasien, Europa und der islamischen Welt aus über zwei Jahrtausenden sind dort ausgestellt - vom lackverzierten Schrank bis zur Schnupftabakdose. Getragen wird das Museum von dem Chemiekonzern BASF. «Viele denken, wir zeigen die Unternehmensgeschichte», sagt Museumsdirektorin Monika Kopplin. Dabei geht es auf den 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche stattdessen nur um Lack.
Gezeigt werden Alltagsgegenstände, vom Geschirr bis zum Kleiderschrank. Alle sind mit Lack überzogen und kunstvoll verziert - zum Beispiel mit Haifischhaut. Die ist etwa in einen koreanischen Kleiderkasten aus dem 19. Jahrhundert eingearbeitet. Um Lackverzierungen aufzupeppen, greifen Künstler häufig in die Trickkiste. Grund dafür ist die begrenzte Farbskala des Lacks, die sich stets zwischen Schwarz, Rot und Goldtönen bewegt. Nur wenige Pigmente haben in Lack Bestand, weil der Rohwerkstoff toxisch ist.
Perlmutt oder Messingdrähte sind beliebte Stoffe, um den Lack zu veredeln. «Man kann mit Lack Oberflächenreize und Glanzeffekte erzeugen, die mit keinem anderen Werkstoff möglich sind», sagt Direktorin Kopplin. Ein leicht zu handhabender Werkstoff sei Lack aber nicht. «Er erfordert nicht nur sehr viel Zeit, sondern auch Perfektion. Lack erzieht den Künstler», findet die Kunsthistorikerin. Bis ein Werk fertig ist, dauert es lange. Eine Schicht braucht einen ganzen Tag zum Trocknen. Und auf manchen Gegenständen sind 200 Schichten aufgetragen.
Die Motive auf den Lackoberflächen sind vielfältig: Pflanzen, Tiere, Menschen und Muster. Was nach detailverliebter Dekoration aussieht, hat oft eine Bedeutung. Fledermäuse auf asiatischen Werken etwa stehen für Glück. «Die Exponate sind sehr symbolreich und erzählen Geschichten», sagt Museumssprecherin Julia Kroker. Wie der Drache, der in den Lack eines Schranks aus China geschnitzt ist. Dem Tier fehlt eine Kralle. «Drachen mit fünf Krallen waren nur für Kaiser gedacht», erzählt Kroker. «Sobald das Objekt den Besitzer wechselte, wurde die fünfte Kralle wegretuschiert.»
Die Sammlung in Münster setzt sich aus dem Bestand des ehemaligen Kölner Lackmuseums Herbig-Haarhaus und der privaten Sammlung des Wuppertaler Lackfabrikanten Kurt Herberts zusammen. Ein Großteil der Exponate stammt aus Asien, das älteste Objekt datiert aus dem Jahr 500 vor Christus. «Die Wiege der Lackkunst steht in China», sagt Kroker. Aber auch in Europa war die Kunst gefragt, besonders im 18. und 19. Jahrhundert. Dabei sollte stets der Anschein des «Originals aus Asien» erweckt werden. Landestypische Motive wie Windräder in niederländischen Werken verrieten jedoch die europäische Herkunft.
Wie viele Besucher das 1993 gegründete Museum jedes Jahr zählt, will Sprecherin Kroker nicht verraten. «Wir müssen die Leute neugierig machen», sagt die Kulturmanagerin. In dem Online-Netzwerk «Facebook» hat das ungewöhnliche Museum bisher rund 230 Fans. Zum Vergleich: Das Museum Folkwang in Essen hat online knapp 3000 Anhänger. Kunsthistorikerin Kopplin bringt das Dilemma ihres Museums auf den Punkt: «Oft wissen ja nicht einmal die Fachkollegen, was es mit der Lackkunst auf sich hat.»
http://www.museum-fuer-lackkunst.de
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