| Frankreich entdeckt deutschen Maler Lovis Corinth: Erste Ausstellung Von Sabine Glaubitz, dpa |
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| Mittwoch, 02. April 2008 um 07:06 Uhr | ||
Unter dem Titel «Lovis Corinth. Zwischen Impressionismus und Expressionismus» zeigt das Pariser Musée d'Orsay in Frankreich die erste große Ausstellung, die zeitgleich auf das 150. Geburtsjahr des Künstlers fällt. Zusammen mit Max Liebermann und Max Slevogt bildete Corinth das berühmte «Triumvirat des deutschen Impressionismus». Die 110 Werke, darunter rund 80 Gemälde, sind bis zum 22. Juni zu sehen. Die Ausstellung wird danach im Museum der bildenden Künste in Leipzig und im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg ausgestellt.
Corinths Malstil ist zutiefst individuell: Von einer tonigen akademischen Malweise wechselte er zu einer lichteren impressionistischen Palette, um später zu einer wilden ausdrucksstarken Farbigkeit überzugehen. «Corinth kam zwar von der akademischen Malerei her, doch er überschritt ständig ihre Grenzen. Seine Malerei hat überrascht, provoziert und sogar schockiert», sagte Serge Lemoine, der Kurator der Ausstellung. Vor allem nach seinem Schlaganfall im Jahr 1911 schuf er Bilder in immer grelleren Farben und verzerrten Umrissen, deren Formen einzig aus der Farbe her entstanden. Der in Tapiau (Ostpreußen) geborene Künstler, der eigentlich Franz Heinrich Louis Corinth hieß, war Mitglied der Münchner und ab 1899 der Berliner Sezession. Doch nicht nur seine unbändige Malweise provozierte, auch seine Themen. Tod, Sex und Nacktheit stehen im Mittelpunkt seiner Bilder, aber auch biblische und mythische Sujets, die er zum Teil ins Groteske zieht. Vor allem die späteren, sehr expressionistischen Werke wurden zur Zeit des Nationalsozialismus als «entartet» betrachtet. In diese Welt wilder Farben, sinnlicher und überbordender Lebensfülle taucht die Ausstellung den Besucher, der die ganze Bandbreite der «Corinthischen» Malerei entdeckt. Das erste Bild «Selbstporträt mit seiner Frau und Sektglas» steht gleich beispielhaft für eines der besonderen Merkmale des Künstlers. Corinth hat sich in 42 Ölgemälden und rund 140 Papierwerken eindrucksvoll porträtiert, unter anderem als Ritter, Bacchus oder mit einem Skelett. Diese exzessive Darstellung seiner selbst und das wechselnde Rollenspiel machen seine Porträts - von 1900 an malte er jedes Jahr zu seinem Geburtstag ein Selbstbildnis - zu eindrucksvollen psychologischen Werken. Corinths lockere und moderne Malerei hat zahlreiche zeitgenössische Künstler beeinflusst wie zum Beispiel Lucian Freud, den bedeutendsten britischen Maler der Gegenwart. So erinnert die simple und grobe Pinselführung, mit der Freud seine Akte und auch Selbstporträts malt, sehr an die von Corinth. Ihre Modelle ähneln sich in ihrer Leibesfülle, in ihrer farbigen Darstellung nackter menschlicher Körperteile und auch darin, dass ihre Proportionen nicht immer stimmen. Für die meisten Akte stand Corinths Frau Modell, die mehr als zwanzig Jahre jüngere Charlotte Berend, die selbst Malerin war. Die Ausstellung vereint die bedeutendsten Werke Corinths, von denen die meisten aus deutschen Museen stammen, wie «Das große Martyrium», «Liegender Akt», «Nach dem Bade», «Selbstporträt mit Glas» und «Ecce Homo», sein letztes großes Werk, das er noch vor seiner Reise am 16. Juni 1925 nach Amsterdam beendete, um dort Bilder von Rembrandt, einer seiner Inspirationsquellen, anzuschauen. Ein Tag später starb er in der Nähe von Amsterdam an einer Lungenentzündung. |
























































