| Der Erste Weltkrieg und die Kunst: Mit Euphorie in die Katastrophe Von Karin Güthlein, dpa |
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| Mittwoch, 02. April 2008 um 07:07 Uhr | ||
«Richtige Pazifisten gab es zunächst auch unter den bildenden Künstlern nicht», betont Bernd Küster. Der Direktor des Oldenburger Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte untersucht in seiner Ausstellung «Der Erste Weltkrieg und die Kunst» erstmals die vielschichtigen und oft widersprüchlichen Reaktionen der Künstler auf den Kriegsverlauf. «Von der Propaganda zum Widerstand» lautet der Untertitel der Dokumentation, die vom 3. April bis 15. Juni in der Museumsdependance Augusteum mehr als 200 Exponate von 60 Künstlern zeigt.
«Viele Intellektuelle und Künstler begrüßten den Konflikt als reinigende Kraft», stellt Küster fest. Sogar die Expressionismus- Avantgarde, darunter Otto Dix, Franz Marc und August Macke, meldete sich freiwillig zum Kriegseinsatz. Marc und Macke überlebten nicht, Dix wandelte sich zum Kriegsgegner. Für die Propaganda aktiv waren auch Altmeister wie Max Liebermann oder Lovis Corinth. In der chronologisch gegliederten Ausstellung ist Ernst Barlach einer von wenigen namhaften frühen Kriegsgegnern. Der Worpsweder Heinrich Vogeler, dessen Werk ein Schwerpunkt in den Sammlungen des Oldenburger Museums ist, erlebte eine tragische Wende seiner Biografie. Als 41-Jähriger, der keinen Kriegsdienst hätte leisten müssen, flüchtete der Maler aus einer langjährigen Ehekrise freiwillig an die Front und wurde Nachrichtenoffizier im Osten. Als er im Januar 1918, vom Elend des Krieges erschüttert, einen Friedensappell an den Kaiser richtete, wurde er als «Neuropath» aus dem Heeresdienst entlassen. Vogeler wurde Kommunist und starb 1942 krank und verarmt im russischen Exil. Zu den wenigen, die das Ende des Kaiserreichs und die Kriegsniederlage hartnäckig verdrängten, gehört der in der Ausstellung reichlich vertretene Schlachtenmaler Theodor Rocholl. Auch nach 1918 pinselte er Siege für die Nachwelt. «Das Entsetzlichste, was sich Menschenhirne ausmalen können», nannte Franz Marc 1916 den von Historikern als «Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts» bezeichneten Einschnitt in die europäische Geschichte. Eine Kunstbetrachtung über den weitaus entsetzlicheren Zweiten Weltkrieg lehnt Küster ab. 1939 seien im Unterschied zu 1914 alle namhaften deutschen Künstler von Emigration oder Berufsverbot betroffen gewesen. Für die zweitklassigen Künstler im Dienste der Nazis seien allenfalls die Historiker zuständig. Der Erste Weltkrieg dagegen habe Expressionismus und Kubismus erst zum endgültigen Durchbruch verholfen, als die Künstler für ihre Wut und Trauer über den drohenden Untergang der Zivilisation nach neuen Darstellungsformen suchten. (Das Augusteum des Oldenburger Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte, Elisabeth Str. 1, ist dienstags bis freitags von 09.00 bis 17.00 Uhr, donnerstags bis 20.00 Uhr, samstags und sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet; Der Eintritt kostet 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, Kinder bis sechs Jahre frei; der Begleitband zur Ausstellung hat 240 Seiten und kostet 25 Euro; Internet: www.landesmuseum-oldenburg.niedersachsen.de). |
























































