| Der ewig-kreative Robert Gernhardt: Sein Nachlass in Schulheften Von Thomas Maier, dpa |
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| Donnerstag, 03. April 2008 um 19:34 Uhr | ||
Eine Ausstellung im Frankfurter Literaturhaus zeigt den Nachlass vom 4. April bis 1. Juni und dokumentiert zugleich die ungeheure Produktivität des Schriftstellers, der am 30. Juni 2006 im Alter von 68 Jahren in Frankfurt starb. Auf Tausenden von DIN-A-5- Seiten hat das Multitalent bis wenige Tage vor seinem Tod Wortspiele, Cartoons, Kritzeleien bis zu philosophischen Gedanken über seine Krebskrankheit und das nahende Ende festgehalten.
Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach hat für die Schau zusammen mit Gernhardts Witwe Almut Gehebe-Gernhardt 170 Schulhefte - es waren immer Hefte der Marke «Brunnen» - ausgewählt. Unter dem Titel «Kippfiguren. Robert Gernhardts Brunnen-Hefte» ist die Ausstellung nach der Station in Marbach nun in Gernhardts Heimatstadt zu sehen. Gerhardt, der zuerst als Karikaturist und Satiriker der «Frankfurter Neuen Schule» berühmt wurde und auch für Otto Waalkes' Filme textete, gilt mit seiner Lyrik und Prosa als einer der bedeutendsten Autoren der Nachkriegszeit. «Die Hefte waren immer dabei», berichtet Gernhardts Frau. Für Robert Gernhardt waren sie weniger ein Tagebuch, sondern eine Art Werkstatt. Darin sprudelt der Künstler geradezu über vor Kreativität. Entwürfe für bekannte Gedichten sind da zu finden genauso wie die satirisch-zeichnerische Beschäftigung mit den von ihm geliebten (Haus)-Tieren wie Hunden und Katzen. Gernhardt reflektiert über den Literaturbetrieb und berichtet über Aufenthalte in seinem toskanischen Zweitwohnsitz Montaio. Dann wiederum zeichnet er einen hohen kirchlichen Würdenträger unter der Überschrift «Zu Besuch beim Papst» und der Unterzeile: «Herzlich willkommen! Kann ich euch was anbeten?». Doch Gernhardt konnte sich genauso über sich selbst lustig machen. Auf ein leeres Blatt schreibt er einmal: «Ein Zeichner steckt in einer Krise/vermeinend, niemand sähe diese.» In seinen letzten Lebensjahren widmet sich Gernhardt - fast unbarmherzig - immer mehr dem von der Krankheit gezeichneten Körper und dessen Veränderungen. Unermüdlich setzt er seine Notizen in seinen Schulheften fort, und diese werde intimer. Er sei doch wohl zeitlebens ein «homo producens» gewesen, schreibt er dann wenige Tage vor seinem Tod. Die Eintragungen im Anfang Juni 2006 begonnenen «Brunnen»-Heft enden mit der Zeichnung einer schlafenden Katze. Die letzten Worten lauten: «Die Gegenwart, die mich davon abhält, mir über die Zukunft allzuviele Gedanken zu machen. Noch, noch...» Gernhardt sei ein «proteushafter Erfinder» gewesen und habe «ein neues Blatt in der deutschen Poesie aufgeschlagen», sagte am Donnerstag der Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach. Er hat im vergangenen Jahr mit dem Georg-Büchner-Preis die wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands erhalten, die Gernhardt trotz der Vielzahl seiner Auszeichnungen versagt blieb. Die «Brunnen»-Hefte sind Teil des Nachlasses von Robert Gernhardt, den er dem Deutschen Literaturarchiv vermacht hat. In seiner Wahlheimat Frankfurt - Gernhardt wurde 1937 in Estland geboren und hatte in Stuttgart und Berlin Malerei und Germanistik studiert - wird der Zeichner und Schriftsteller weiterhin heiß und innig geliebt. Frankfurts Kulturdezernent wollte Gernhardt sogar jetzt ein Denkmal setzen. Doch das fand dessen Frau nun für einen so respektlosen und weiterhin höchst lebendigen Dichter nun doch etwas zu früh. |
























































