| Von Knautschke bis Max Liebermann - 100 Jahre Märkisches Museum Von Elke Vogel, dpa |
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| Freitag, 11. April 2008 um 07:09 Uhr | ||
Als sich dann am 10. Juni 1908 nach neunjähriger Bauzeit die Türen für die Bürger der Stadt öffneten, war Wilhelm II. nicht dabei. Während sich Großbourgeoisie und Militär in der höfischen Repräsentationskultur sonnten, gab es erstmals ein Museum vom und für das Bürgertum. In Zeitungsberichten hieß es damals über die Eröffnungsfeier: «Hier dominierte nicht die Uniform, sondern der Gehrock.» Zum 100-jährigen Bestehen zeigt das am Köllnischen Park an der Spree gelegene Museum nun die Ausstellung «Gefühlte Geschichte» (11. April bis 1. Februar 2009).
Schon vor 100 Jahren sorgte die Architektur des mit Stilelementen aus Gotik und Renaissance fast einer Kirche gleichenden Museums für Aufsehen. Stadtbaurat Ludwig Hoffmann (1852- 1932) hatte für den roten Backstein-Bau Anleihen bei historischen Gebäuden aus der Mark Brandenburg und Norddeutschland genommen. Heute wohnen in einem kleinen Gehege im Park die vom Bezirk Mitte gepflegten Braunbären Maxi und Schnute - tierische Symbole für die Bären-Stadt Berlin. Jüngere deutsche Geschichte markieren schon vor dem Ausstellungshaus sieben Teilstücke der Mauer, die die Stadt bis 1989 in zwei Hälften teilte. «Zur Eröffnung im Jahr 1908 besaß das Museum 2000 bis 3000 Exponate, heute sind es rund 7,5 Millionen Stücke», erzählt Sammlungs-Kurator Kurt Winkler. «Schaut, das sind wir!» - so habe das Credo der selbstbewussten Bürgerschaft damals gelautet. Die Berliner waren aufgerufen, für das Selbstverständnis der Bewohner und die Stadtgeschichte wertvolle Dinge ins Museum zu bringen. Zu besichtigen sind Zeugnisse von prähistorischen Siedlungen ebenso wie Musikautomaten oder gesellschaftskritische Zille-Zeichnungen. Architekt Hoffmann schuf für die Ausstellungsstücke die passenden Räume: So werden Ritterrüstungen und Schwerter bis heute in einem mittelalterlichen Waffensaal präsentiert. Die von Kirchen gestifteten sakralen Kunstwerke haben ihren Platz in einer gotischen Kapelle. Aber auch Alltagsgegenstände kamen von Anfang an in den 40 Räumen des Museums unter. Gleich in der Eingangshalle habe früher als Stolz der Bürger die von der ersten selbst verwalteten Feuerwehr der Stadt gespendete Feuerspritze gestanden, sagt Winkler. So kommt es, dass das Museum auch so kuriose Exponate beherbergt wie einen 1888 in einer Spree-Schleuse gefundenen Mammut-Knochen. Oder die Haut des legendären Berliner Flusspferd-Bullen Knautschke - als Überlebender des Bombenhagels im Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang der Publikumsliebling im Zoologischen Garten. Aber auch wertvolle Gemälde von Künstlern wie Liebermann, Munch, Kirchner, Pechstein und Feininger gehören zum Bestand. Vor allem jüngere Stadtgeschichte soll von 2012 an im benachbarten Marinehaus auf rund 3000 zusätzlichen Quadratmetern Fläche präsentiert werden. Die beiden Häuser sollen künftig der zentrale Standort der Stiftung Stadtmuseum sein. Die Jubiläums-Ausstellung bietet einen virtuellen Rundgang durch das Museum wie es sich den Besuchern im Jahr 1908 präsentierte. Historische Innenaufnahmen des Fotografen Ernst von Brauchitsch vermitteln zusammen mit Originalexponaten aus der Ersteinrichtung ein Bild von dem von Hoffmann als «Stimmungs- und Erlebnismuseum» konzipierten Haus. Damals galt das Märkische Museum als Schatzkammer des untergehenden «Alt-Berlin» und als Schaufenster der von Theodor Fontane beschworenen Mark Brandenburg. Auch aus dem kaiserlichen Besitz erhielt das Museum eine Schenkung. «Wir wissen aber leider nicht was», sagt der Sammlungs-Direktor. |
























































