| Wie Kritzeleien auf Schultafeln - US-Künstler Cy Twombly wird 80 Von Carla S. Reissman, dpa |
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| Samstag, 19. April 2008 um 19:47 Uhr | ||
Seine Werke werden nicht von dominanten Farbensembles beherrscht wie die von Marc Rothko und sind nicht so knallig bunt wie die von Willem de Kooning. Cy Twomblys Gemälde sind filigran und wie absichtslos hingewischt. Sie erinnern an schnelle Kritzeleien auf Kneipentischen oder öffentlichen Toiletten, an schwungvolle Krakeleien auf Schultafeln. Sie gelten trotzdem als monumental. Am Freitag (25. April) feiert Cy Twombly - mit Pollock, Rothko und de Kooning einer der bedeutendsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus - seinen 80. Geburtstag.
Twomblys «Graffiti»-Bilder spalten allerdings das Publikum. Anhänger zahlen Millionen von Dollars für ein Werk, errichten ihm ein eigenes Museum (wie in Houston) und schreiben begeisterte Kritiken. Einem großen Teil der Kunstfreunde bleibt sein Werk allerdings verschlossen. Vor allem in Europa wurden seine Werke lange Zeit mehr geschätzt als in Amerika. Erst in den 80er Jahren begannen auch seine Landsleute sich für ihn zu erwärmen. Den Zenit seiner Popularität erreichte er 1994 nach seiner Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art. Danach gingen auch die Preise für seine Werke deutlich in die Höhe. Edwin Parker Twombly Junior wurde 1928 in Lexington, US- Bundesstaat Virginia, als Sohn eines ehemaligen Baseballspielers und Leichtathletik-Trainer geboren. «Cy» - der Spitzname seines Vaters - blieb auch an ihm hängen. Nach Kunststudien in Boston und Washington kam Twombly zu einem Stipendium an die Art Students' League in New York City, wo er den Pop-Art-Künstler Robert Rauschenberg kennenlernte. Für kurze Zeit wurde Twombly in den frühen 1950er Jahren zur Armee einberufen. Er blieb allerdings in der Nähe von New York stationiert und beschäftigte sich dort mit der Dechiffrierung verschlüsselter Nachrichten. Das rätselhafte grafische Zeichen- Tableau seiner Werke wird gerne mit dieser Tätigkeit beim Militär erklärt. Danach hielt den aufstrebenden Künstler nichts mehr in den USA. Zusammen mit Rauschenberg ging Twombly auf ausgedehnte Reisen nach Spanien, Italien und Nordafrika. Er verliebte dort sich in die mediterranen Farben und Formen - und in Tatia Franchetti, die Schwester des italienischen Kunstmäzens Giorgio Franchetti. Der hatte 1958 eine erste Schau mit Twombly-Werken in Europa organisiert, die Rom, Venedig und Mailand begeisterte und schnell ausverkauft war. Seitdem lebt und arbeitet Twombly in Rom und hat ein Atelier im 120 Kilometer südlich gelegenen Bergdorf Gaeta. Mit Tatia bekam er einen Sohn, Cyrus Alessandro. Schon als Kind hatten Twombly die Geschichte der Antike, die Sagen und Mythen Griechenlands und Roms fasziniert. In den 60er Jahren wurden sie zum Mittelpunkt seines Werks. Die Wirkung seiner Arbeiten basierte immer auf einer raffinierten Mehrdimensionalität, einem Netzwerk aus Linie, Komposition, Farbe und Raum. Diese geniale Einfachheit verstärkte sich in den Kreidearbeiten auf schiefergrauem Grund aus den 1970er Jahren. In der darauffolgenden Dekade arbeitete Twombly deutlich weniger. Er widmete sich zunehmend Motiven aus der Natur, und es entstanden fast expressionistische Arbeiten. Im Spätwerk wie «Hero und Leander» (1981-1984), einem Wand füllenden Triptychon von über sechs Metern Länge, erreichte er nach Kritikermeinung die Qualität von William Turner und Claude Monet. Twombly lebt sehr zurück gezogen und gibt kaum Interviews. Stattdessen war eines seiner Werke vor kurzem der Mittelpunkt eines kleinen Skandals. Eine Französin hatte bei einer Ausstellung in Avignon ihre Bewunderung für ein Werk Twomblys auf ungewöhnliche Weise zum Ausdruck gebracht. Sie drückte einen knallroten Kussmund auf das ansonsten makellos weiße Gemälde, das auf zwei Millionen Euro geschätzt wird. Zu ihrer Verteidigung sagte sie, sie habe sich durch die «Macht der Kunst» provozieren lassen. Cy Twombly fand diese Idee wohl eher abstrakt und verklagte sie auf Schadensersatz. |
























































