| Schleef neu entdeckt: Retrospektive zeigt Malerei und Zeichnungen Von Sophia-Caroline Kosel, dpa |
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| Mittwoch, 23. April 2008 um 06:47 Uhr | ||
Einar Schleef (1944-2001), einer der bedeutendsten und umstrittensten deutschsprachigen Regisseure, hat nahezu im Verborgenen auch gezeichnet und gemalt. Sieben Jahre nach seinem frühen Tod ist dieses noch unbekannte Werk nun erstmals zu sehen. «Einar Schleef. Der Maler» heißt der Titel der Retrospektive in einem ehemaligen Kaufhaus in Halle an der Saale, die am Samstag eröffnet wird. Zugleich hat dort ein Theaterstück Premiere, das ebenfalls an Schleef erinnert, und eine Ausstellung zeigt Arbeiten der bisherigen Stipendiaten der Kunststiftung Sachsen-Anhalt. Vier Monate lang wird der einstige Konsumtempel zur Kunsthalle.
Grauer Linoleumboden, grau verkleidete Rohre, Wände ohne Putz und kaputte Fensterscheiben. Das monströse Warenhaus in Halle können die Kunstfreunde pur in Beschlag nehmen. «Wir haben hier nicht einen Pinselstrich getan», sagt Michael Freitag, Kurator der Schleef- Schau. Der frühere Herausgeber der Zeitschrift «neue bildende kunst» hat den malerischen Nachlass von Schleef im Auftrag des Kunstmuseums des Landes Sachsen-Anhalt Stiftung Moritzburg aufgearbeitet. Vor vier Jahren hatte Stiftung die 6000 Zeichnungen und 156 Gemälde von den Erben als Dauerleihgabe bekommen. Im kommenden Jahr will Freitag das Werksverzeichnis präsentieren. Der Kurator hat sich bewusst dagegen entschieden, die nun ausgewählten 250 Zeichnungen und 90 Gemälde in den Gemächern der Moritzburg - einst Residenz der Erzbischöfe von Magdeburg - zu zeigen. «Schleefs Malerei widerstrebt der Seidentapete», sagt Freitag. «Mit seinen Inszenierungen ist er bewusst aus den Theatern herausgegangen und seine Bilder hat er nicht für Museen gemalt.» Im 9000 Quadratmeter großen Erdgeschoss des einstigen Kaufhauses sind 3000 Quadratmeter Platz für Schleef. Auf 18 Meter langen Stellwänden hat Freitag das Werk von 2001 bis 1964 geordnet. Fünf riesige grell-bunte Deutschlandbilder aus dem letzten Lebensjahr des Künstlers empfangen die Besucher. Aus den Jahren 1985 bis 1987 sind «Tagebuchbilder» zu sehen: gerasterte Bildflächen mit Erzählungen oder Notizen; laut Kurator eine Bildsonderform, die es nur bei Schleef gibt. Viele Werke hat der Dramatiker als Ersatz- Notizblock benutzt. «Mi. 11 Uhr Jonas. 14.30 Sasse» heißt es etwa auf einem Gemälde ohne Titel, das das Verhältnis zwischen Sohn, Mutter und Vater thematisiert. Auf einem Selbstbildnis aus dem Jahr 1980 sitzt der Künstler dick angezogen an einem Schreibtisch und vermerkt daneben: «4.1.80 - Ich friere!.. 1200 M monatl...Alle Fenster vereist. Dicke Strickjacke, 2 Paar Strümpfe, Doppeldecke.» Ebenfalls unter den Werken: Porträts auf Zeitungspapier, bunte Szenen aus dem New Yorker Nachtleben, zarte Gouachen, Stillleben, Kreide-Aktstudien und die leuchtenden Telefonzellen-Bilder. «Schleef hätte als Maler auch alles werden können, wenn es ihm genügt hätte», meint Freitag. «Er musste aber raus, mit Menschen agieren.» Mit seinen eigenwilligen, oft von Chören und choreografischen Elementen geprägten Inszenierungen hatte der studierte Maler und Bühnenbildner, der 1976 in den Westen gegangen war, regelmäßig für Furore gesorgt. Das Thalia Theater Halle bringt parallel zur Retrospektive eine Schleef-Hommage auf die Bühne: Die Operette «Orpheus in der Unterwelt», in der statt Schauspielern Chöre und Rapper agieren. (Internet: www.einar-schleef.de; www.kunststiftung-sachsen- anhalt.de/48karat.htm; www.thaliatheaterhalle.de/index.php?id=368) |
























































