| Kunst im Kaufhaus - Orpheus als Chor und Schleef als Maler Von Sophia-Caroline Kosel, dpa |
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| Sonntag, 27. April 2008 um 15:24 Uhr | ||
«Ich brauche Freiheit und Liebe. Zum Teufel. Ich liebe den Nachbarn», sprechen die Mädchen im Chor. «Perfekt, dann können wir uns endlich trennen», antwortet der Jungs-Trupp. So beginnt Offenbachs Operette um Orpheus und Euridike als modernes Bühnenstück in einem ehemaligen Kaufhaus an der Saale in Halle, das seit Samstag vier Monate lang als Kunsthalle geöffnet ist - mit Theater und Bildender Kunst. 300 Zuschauer bejubelten die Premiere der Inszenierung des Thalia Theaters Halle (Regie Mira Ebert). Es ist eine Hommage an einen der bedeutendsten und umstrittensten deutschen Regisseure: Einar Schleef (1944-2001). Er ersetzte Schauspieler gerne mit Chören. In Halle übernehmen Ensembles der Stadt die Rollen, vom Gospelchor bis zum Landesjugendchor. Pluto wird von vier Rappern - in weißen Pelzmänteln und riesigen Plüsch-Tigern um den Hals - gespielt. Drei Pianisten und ein Schlagzeuger ersetzen das Orchester und musizieren auf historischen Tasteninstrumenten aus dem Händelhaus in Halle. Während Orpheus vor dem großen Hinweisschild «Elektro- Einbaugeräte» im Technikraum des verlassenen Kaufhauses in die Unterwelt abtaucht, lockt im Erdgeschoss des monströsen DDR-Baus auf 9000 Quadratmetern Bildende Kunst - und wieder Einar Schleef: Sieben Jahre nach seinem frühen Tod zeigt eine Retrospektive Teile seines bislang nahezu unbekannten malerischen Werkes. Von zarten Bleistift- Akten aus Studentenzeiten bis zu farbenfreudigen großen Deutschlandbildern aus seinem letzten Lebensjahr - 250 Zeichnungen und 90 Gemälde sind im einstigen Konsumtempel zu sehen; und nebenan die Werke von 48 meist jungen Stipendiaten der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in der Schau «48 Karat». Die Umgebung der Bilder und des Theaterstücks sind grauer Linoleumboden, unverkleidete dicke Heizungsrohre, unverputzte Wände, ungewohnte Weite. Wichtigstes Bühnenbild bei Orpheus ist der Olymp, ein riesiger Sandhaufen. Darauf liegen die Götter - Chorsängerinnen und -Sänger um die 50 - im Tiefschlaf, während Jupiter - junge Männer in weißen Anzügen - sich im Sprechchor lobpreist: «Wir haben vieles bewegt und sind gut aufgestellt für die Zukunft». Das hat Parallelen zu beiden gesellschaftlichen Epochen, die das 1981 als sozialistische Errungenschaft gebaute und vor einigen Monaten von Karstadt aufgegebene Kaufhaus durchlebt hat. Der einzige «echte» Schauspieler Harald Höbinger erinnert als Hans Styx daran: Mit einer Taschenlampe betritt er den komplett verdunkelten Raum und berichtet: «Am 8.1.83 lagen 4000 Artikel im Lager, die wir in 29 Abteilungen anboten. - Am 15.2.86 verpflegten wir in der Kantine 550 bis 750 Mitarbeiter pro Tag. - ... Am 28.6. 1990 waren sie bereit, alle Arbeitskräfte zu übernehmen.». Dann singt er in Sachsen-Anhalts größter Stadt, die von Einwohner- und damit Konsumentenschwund gezeichnet ist, sein trauriges Lied «Als ich noch Prinz war in Arkadien». Der rappende Pluto reicht ihm eine Flasche und fordert schroff: «Trink und vergiss!» (Internet: www.einar-schleef.de; www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/48karat.htm; www.thaliatheaterhalle.de) |
























































