| «Aufbruch nach Amerika» zeigt Grosz zwischen Flucht und Verheißung |
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| Samstag, 02. August 2008 um 11:32 Uhr | ||
George Grosz, CuxhavenZugleich faszinierte ihn, wie das Amerika der 30er Jahre mit dem Kapitalismus umging. Als Künstler widmete sich George Grosz genauso einfühlsam dem persönlichen Porträt wie er grell überzeichnend den Irrwitz der «Goldenen Zwanziger» festhielt. Ein dreiteiliges Ausstellungsprojekt in Cuxhaven zeigt vom 3. August bis 5. Oktober die Ambivalenz des Großen der Moderne unter einem besonderen Aspekt: Weil Grosz 1933 über Cuxhaven Deutschland verließ und 1959 dort in die Heimat zurückkehrte, spürt «Aufbruch nach Amerika» dem Einfluss der USA auf den Künstler und seinen Gefühlen gegenüber der Wahlheimat nach. Hinter den zahlreichen Grosz-Ausstellungen namhafter Museen braucht sich das Projekt im hohen Norden Niedersachsens nicht zu verstecken. Dabei hat eher ein Zufall zu der Schau geführt, die sowohl den Maler als auch den Schriftsteller und sogar den Fotografen Grosz würdigt. «Auf der Suche nach Prominenten, die über Cuxhaven emigriert sind, bin ich durch eine Fotoausstellung auf Grosz gestoßen», sagt Horst Koperschmidt, der für die niedersächsische Hafengesellschaft N-Ports den 1902 gebauten Cuxhavener Passagierterminal «Hapag-Hallen» betreut. Grosz hatte 1932 seine erste Überfahrt für einen Kurzaufenthalt in den USA von Cuxhaven nach New York und seine ersten Streifzüge durch die Millionen-Metropole mit einer eigens gekauften Leica festgehalten. «So weit wir wissen, ist es seine einzige, allerdings großartige und vielseitige fotografische Arbeit», sagt Ausstellungskuratorin Friederike Schmidt-Möbus. Mit ihrer Unterstützung holte Koperschmidt die Fotoausstellung «Das Auge des Künstlers» nach Cuxhaven. 30 von insgesamt 90 Aufnahmen sollen am Ort des «Aufbruchs nach Amerika» - den Hapag-Hallen - gezeigt werden. Die Wissenschaftlerin und der Hafenmanager gehören einem kleinen kulturellen Netzwerk an, das sich in Cuxhaven um den Nachlass des Humoristen Joachim Ringelnatz gebildet hat. Die Ringelnatz-Stiftung ist Veranstalterin des Ausstellungsprojektes. «Diese Verbindung hat historische Parallelen», sagt die Vorsitzende der Ringelnatz- Stiftung, Erika Fischer. Ringelnatz und Grosz gehörten in Berlin demselben Kunstkreis an; beide wurden von den Nationalsozialisten als «entartet» verfemt und verfolgt. Grosz, der schon frühzeitig die dunklen Schatten des drohenden Terrors aufgemalt hatte, verließ seine Heimat 1933 endgültig und ging in die USA. Auch wenn er das romantische Bild in Wirklichkeit nicht fand - Amerika hat Grosz intensiv inspiriert. Das spiegeln sowohl seine Fotos als auch die Werke wider, die Schmidt-Möbus für den zweiten Teil des Ausstellungsprojektes im Cuxhavener Schloss Ritzebüttel zusammengestellt hat. Dieser Teil heißt nicht umsonst «Zwei Welten». Von der romantisierten Verheißung über den reellen Fluchtpunkt und der wirtschaftlich einträglichen Wahlheimat entwickelt sich Amerika zur Verzweiflung für Grosz. Die Ausstellung zeigt dies am Beispiel der «Stickmen», bei denen der Familienmensch Grosz selbst seine Frau und seine beiden geliebten Söhne zu insektengleichen Strichmännchen und Schattengestalten reduziert. «Bleiben müssen» stellt als dritter Ausstellungsteil im Ringelnatz-Museum die unterschiedlichen Wege von Ringelnatz und Grosz stellvertretend für die Vielzahl der Künstlerschicksale im Dritten Reich gegenüber. Ein Jahr, nachdem Grosz ausgewandert war, starb Ringelnatz - von den Nazis mit Auftrittsverbot belegt - völlig verarmt in Berlin an Tuberkulose. Nur knapp eineinhalb Monate nach der Rückkehr aus Amerika erlag Grosz 1959 nach einem nächtlichen Zechgelage mit Freunden in Berlin einem Herzversagen. (Internet: www.ringelnatzmuseum.de) |
























































