| Großstadtmaler im Fischerdorf: Die Entdeckung des Expressionismus |
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| Freitag, 29. August 2008 um 06:59 Uhr | ||
Brücke Maler, Oldenburg, DangastIm friesländischen Fischerdorf Dangast am Jadebusen verlebten die von Karl Schmidt- Rottluff und Erich Heckel angeführten «Brücke»-Maler aus Dresden und später Berlin zwischen 1907 und 1912 produktive Sommer. 1908 hatten Schmidt-Rottluff und Heckel im Oldenburger Augusteum, das damals vor allem der großherzoglichen Sammlung Alter Meister vorbehalten war, ihre erste große Einzelausstellung. 100 Jahre danach wird in einer Doppelausstellung vom 31. August bis 16. November Rückschau gehalten: unter dem Titel «Expressionismus - Auftakt zur Moderne» in der heutigen Dependance Augusteum des Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte und im Horst-Janssen- Museum. Eine gern kolportierte Anekdote behauptet, die Maler hätten Dangast «entdeckt», als sie mit dem Finger auf einem Atlas zufällig auf das Dorf an der Nordseeküste tippten. «Der Realität näher kommt, dass preiswerte Unterkünfte und die Anbindung an das Eisenbahnnetz ausschlaggebend waren», meint der Oldenburger Kunsthistoriker Jörg Michael Henneberg. Er engagiert sich im Auftrag des Kulturverbandes Oldenburgische Landschaft für den «Künstlerort Dangast» als offizielles Markenzeichen zur Anhebung des Kulturtourismus. «Dangast ohne jegliche theatralische Ablenkung war das Kontrastprogramm zum glanzvollen Dresden», sagt Bernd Küster. Der Direktor des Landesmuseums war Ideengeber der Expressionismus- Retrospektive, zu der auch Abstecher in Literatur, Film und Theater gehören. Erst in der Abgeschiedenheit von Dangast schlug die Geburtsstunde des Expressionismus mit seiner abstrahierenden und flächigen Farbigkeit. Bis dahin hatten die «Brücke»-Maler sich noch an Vincent van Gogh und dem französischen Impressionismus orientiert. Mit 60 Meisterwerken, darunter Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde und Max Pechstein, wird in der üppigen Schau an historischem Ort die Geschichte der «Brücke» über die Dangaster Zeit hinaus fortgeschrieben. In Berlin waren die heillos zerstrittenen Gruppenmitglieder Einzelkämpfer geworden, und als Sommerfrische war jetzt Ostsee statt Nordsee angesagt. Als Ergänzung zu den leuchtenden Landschaften im Augusteum präsentiert das Horst- Janssen-Museum das Thema Großstadt im Werk der Expressionisten mit rund 100 Blättern der Druckgrafik. Finanziert wird das 300 000 Euro teure Gesamtprojekt von Land, Stadt, Sponsoren und den beteiligten Institutionen. Der aus der Region stammende Dichter Georg von der Vring (1889-1968) war ein früher Bewunderer der «neuartigen Maler» hinter dem Deich. Er staunte darüber, dass sie zu nie zuvor gesehenen Farben inspiriert wurden in einer Gegend, in der nicht selten «das Watt grau, das Wasser grau, der Himmel grau» sind. (Das Augusteum, Elisabethstraße 1, des Landesmuseums ist dienstags bis freitags von 9.00-17.00, donnerstags bis 20.00, samstags und sonntags von 10.00-17.00 Uhr geöffnet; das Horst-Janssen-Museum, Am Stadtmuseum 4-8, ist dienstags bis sonntags von 10.00-18.00 Uhr geöffnet; der Eintritt für beide Ausstellungen einschließlich Bahnfahrt in Nordwest kostet 11.00 Euro; die Kataloge kosten 24,90 Euro (Landesmuseum) und 19,90 Euro (Janssen-Museum).) (Internet: www.expressionimus-oldenburg.de)
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