| Chefsache Kunst: Bundestag pflegt eigene Kunstsammlung als Artothek |
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| Freitag, 12. Dezember 2008 um 07:29 Uhr | ||
Bundestag, Kunstsammlung, ArtothekDie Kollektion des Deutschen Bundestages vereint Arbeiten von Künstlern, die einst zeitgenössisch waren oder es derzeit sind. Damit stellt sie einen Querschnitt durch das Kunstschaffen der Bundesrepublik dar. Dass das deutsche Parlament neben den «Kunst-am-Bau»-Werken eine eigene Kollektion besitzt und mit Ankäufen Kunstförderung betreibt, ist aber kaum bekannt. Dabei machen regelmäßige Ausstellungen im Marie- Elisabeth-Lüders-Haus auf den besonderen Schatz aufmerksam. Neben dieser «parlamentarischen» Kunstsammlung gibt es seit Jahrzehnten auch Ankäufe zeitgenössischer Kunst des Bundes (unter Verantwortung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann mit einem Ankaufsetat von jährlich 500 000 Euro), die unter anderem in Ministerien, Botschaften oder im Kanzleramt und auch als Leihgaben in Museen gezeigt wird. Der 2005 mit «Bildern der Macht» von Herlinde Koebel eröffnete Kunst-Raum soll das Fenster zur aktuellen Kunstszene offenhalten. «Zum Auftakt gezeigt wurden ihre Porträts von Jungpolitikern wie Angela Merkel und Gerhard Schröder», erzählt Andreas Kaernbach, der seit 2000 das Referat «Kunst im Deutschen Bundestag» leitet, Sekretär des Kunstbeirates und Kurator der Kunstsammlung ist. Vor 39 Jahren hatte der CDU-Abgeordnete Gustav Stein - Mitbegründer des Kulturkreises der Deutschen Industrie und Kunstsammler - das Programm 500 mal 500 im Parlament erkämpft. «Er durfte 500 Grafiken ankaufen, die inklusive Rahmen jeweils nicht mehr als 500 Mark kosten.» Gerade hatten Künstler wie Georg Meistermann, HAP Grieshaber oder Günther Uecker die Sitzungssäle im sogenannten «Langen Eugen» in Bonn gestaltet. «Dem Ankauf der Grafiken zugrunde lag die Überlegung, dass Werke zeitgenössischer Kunst auch für das Arbeitsumfeld in den Büros der Parlamentarier zur Verfügung stehen sollten. Seitdem können sich die Abgeordneten aus dem Fundus, der seit 1976 über einen festen Ankaufstitel im Bundestags-Budget erweitert wird, Kunst ausleihen. Was erworben wird, entscheidet ein Kunstbeirat, der für sämtliche Kunstprojekte im Parlament verantwortlich zeichnet: Kunst-am-Bau- Installationen, Ankäufe, Ausstellungen aus dem Bestand oder zu Erwerbungen im Kunst-Raum. Dabei hat die Sammlung kein Profil im eigentlichen Sinne, sondern sie ist eine Artothek mit Angeboten für viele Geschmäcker und Kunstverständnisse. Mit einem Spektrum vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart kann sie sich sehen lassen, wobei nach 1990 viele Werke made in Ostdeutschland dazukamen. «Vor der Wende hatten wir nicht eine Arbeit aus dem Osten», sagt Kaernbach. Erst unter den Bundestagspräsidenten Rita Süssmuth (CDU) und Wolfgang Thierse (SPD) seien mit besonderem Nachdruck Werke aus den neuen Ländern angekauft worden. «Wir haben nach Kräften aufgeholt.» Dominierten in den ersten Jahrzehnten teilungsbedingt Werke von West-Künstlern, sind es nun Beispiele aus der Berliner, Leipziger und Dresdner Szene. So wurden in diesem Jahr das Werk des jungen Dresdner Künstlers Peter Wuttke erworben, ferner Tuschezeichnungen der Israelin Yehudit Sasportas. Um den Bestand zu erweitern, stehen jährlich derzeit 175 000 Euro zur Verfügung. «Das reicht nicht für Gerhard Richter, das ist auch nicht beabsichtigt. Es sollen Werke von noch nicht so bekannten Künstlern angekauft werden.» Dies sei schon ein kulturpolitisches Zeichen. «Der Bundestag ist der Spiegel der Gesellschaft, anders ist es auch bei den Abgeordneten nicht, das geht durch alle Fraktionen», sagt Kaernbach. Das Okay für Erwerbungen gibt der vom Ältestenrat eingesetzte Kunstbeirat. «Vorsitzender ist immer der Parlamentspräsident, denn Kunst ist Chefsache im Haus.» Kaernbach recherchiert meist auf Kunstmessen und arbeitet am liebsten mit Galerien zusammen. «Künstler nehmen eine Absage eher persönlich, Galerien sind da entspannter.» Die Jury entscheide ja nicht nur nach Qualität, sondern auch mit Blick auf das Budget. Die Sammlung hat vorwiegend Papierarbeiten im Bestand. «Einen Sam Francis im Original, also Unikatarbeiten, können wir uns nicht leisten; dann kann es auch eine Farblithografie sein.» Einen gewissen Stellenwert hat dabei die Fotografie, während die Skulptur eher schwach vertreten ist. «Die Büros sind ja relativ klein», sagt der Kurator. Über eine Erweiterung des Spektrums werde nachgedacht. «Vielleicht ist es künftig möglich, Bildschirme zu verleihen, auf denen per Chip ein Videokunstwerk aufgespielt wird.» (Internet: www.bundestag.de/bau_kunst/kunst/index.html) |
























































