| Fotokünstler ohne Fotos - Georg Winter schärft die Wahrnehmung |
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| Dienstag, 23. Dezember 2008 um 09:40 Uhr | ||
Kunst, Winter, FilmDer ist zwar genauso so groß wie eine Fotokamera, und er hängt auch an einem normalen Kameratragegurt - aber es ist eben auf den ersten Blick ein schwarzes Objekt aus Holz, ohne Sucher, Linse oder Auslöser. Der Stuttgarter Georg Winter beschreibt die Eigenschaften des Geräts mit normalen Technikbegriffen. Die Kameras seines «Ukiyo Camera Systems» seien «hochauflösend» und «wartungsfrei», zudem bestimme auch die mentale Haltung «die Qualität der Bildorganisation.» Der Konzeptkünstler und nach eigenen Angaben «der aktuelle Kulturbetrieb» sind überzeugt, dass es sich bei dem schwarzen Kasten um mehr als eine funktionslose Holzkiste handelt - seine Kamera verändere die Wahrnehmung der Beteiligten. «Mich interessiert sehr die Grenze zwischen Massenpsychologie und Fotografie» sagt Winter. Die Welt, wie sie die Menschen wahrnehmen, sei eine Konstruktion. «Wenn wir aus dem Fenster blicken und Bäume sehen, sagen wir "grün". In anderen Sprachen gibt es andere Begriffe für dieselbe Erscheinung. Missverständnisse sind möglich», erläutert er ein Beispiel. Warum solle also seine Kamera nicht funktionieren? «Kamera ist das, was wir dafür, davor und davon halten», sagt er. Die Anwendung der Gegenstände im Alltag der Beteiligten mit ihrer eigenen Wahrnehmung nennt Winter «selbstorganisierende Performance». Obwohl er weltweit künstlerisch tätig ist, unter anderem in Tokio, Paris und München, pflegt Winter ein unaufgeregtes Verhältnis zum sonst so extravaganten Kunstbetrieb. «Ich sehe keine Besonderheit im Künstlersein. Der Druck herauszuragen, das hat viel Spaß an der Kunst genommen.» Künstler seien heute keine Exzentriker mehr, es gehe kaum noch darum, Grenzen zu überschreiten. Es gehe eher um Wirklichkeit, Beteiligung und Alltag. «Und da ist Reduktion häufig spannender», erklärt der gelernte Schauwerbegestalter. Winter weiß, dass sein Verständnis von Kunst schwer zu vermarkten ist. «Ich bin wahrscheinlich der einzige Fotokünstler, der auf die Herstellung von Fotoabzügen verzichtet und vielmehr am offenen Auge der Rezipienten arbeitet», fasst der 46-Jährige lächelnd zusammen. Er arbeitet deshalb seit 1994 auch als Professor an Hochschulen, hatte unter anderem Lehraufträge in Zürich, Hamburg und Berlin. Momentan besetzt er an der Hochschule der Bildenden Künste in Saarbrücken den Lehrstuhl für Bildhauerei. Dass er es dennoch auch mit seiner kreativen Arbeit ernst meint, zeigt ein anderes Projekt, «Losing Horses», ein Film über «Don Quijote». Winter engagierte Schauspieler, Filmmusiker und Stunt- Pferde, um einen Film zu drehen, der nie ins Kino kommt. Der Film sei zwar nicht mit herkömmlichen Mitteln aufgenommen worden, sondern habe vor Ort eine filmische Situation geschafft. Für Winter ist das kein Manko. «Was ist Film? Vielleicht eine Konstruktion von Illusionen, an der ein Wahrnehmungsapparat beteiligt ist. Der Kopf, den wir am wenigsten durchschauen», führt er aus. Sehr aufwendig sei auch eine Performance zur «Interaktiven Television» gewesen. In der Nähe von Hannover bekamen 30 Haushalte testweise einen neuen Fernseher - selbstverständlich auch hier ein schwarzlackiertes Holzmodell, das kein Programm übertragen konnte. Viele Teilnehmer seien dabei in leicht zugänglicher Form zum ersten Mal vom Kulturbetrieb ernstgenommen worden. «Wahrscheinlich ist ein solcher Monitor als Medium doch leichter zu vermitteln als eine moderne Skulptur», erklärt Winter. Auch das sei für ihn eine wichtige kreative Motivation. «Shakespeare ist eine gute Inspiration für mich. Er ermöglicht den Einstieg aus dem Alltag in die Kunst und holt die Leute dort ab, wo sie sind. Wenn die Kunst einen solchen Spielraum offenhalten kann, ist viel erreicht.» |
























































