| 60 Jahre Landeskunstsammlung - Bilder für Minister und Sachbearbeiter |
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| Sonntag, 28. Dezember 2008 um 10:49 Uhr | ||
Kunst, Fellbach, WerkeGroßflächige Gemälde mit kräftigen Farben und auch ein dreidimensionales Kunstwerk mit integrierten Essstäbchen hängen in Beate Reichs Arbeitszimmer in Mainz. «Kunst muss berühren», sagt die Sozialdemokratin. «Die intensiven Farben haben es mir angetan. Und das Werk mit den Essstäbchen ist einfach witzig.» Reichs moderne nonfigurative Kunst ist geliehen - sie stammt aus der Kunstsammlung des Landes Rheinland-Pfalz, die vor 60 Jahren, 1948, begründet wurde. Etwa 9500 Objekte umfasst die Kollektion. «Die meisten davon, rund 9000, sind ausgeliehen», sagt die Kunstreferentin des Kulturministeriums in Mainz, Ariane Fellbach-Stein. «Alle Landesbediensteten vom Sachbearbeiter bis zur Ministerin können bei uns Kunst für ihre Arbeitszimmer bekommen. Privilegien für Regierungsmitglieder gibt es nicht.» Alte Meister oder Klassische Moderne oder frühe chinesische Holzschnitte - Fehlanzeige. «Wir kaufen in der Regel nur Werke von zeitgenössischen Künstlern in Rheinland-Pfalz an», erklärt Fellbach- Stein. Eine Ausnahme bildet die erworbene Kunst der Stipendiaten des Künstlerhauses Balmoral in Bad Ems: Diese jungen Künstler kommen oft aus anderen Bundesländern oder aus dem Ausland. Der Sprecher des Kulturministeriums, Michael Au, sagt: «Es geht uns darum, Kunst zu fördern und lebendig zu halten, statt sie in dunklen Depots schlummern zu lassen.» Viele Beschäftigte des Landes hätten externe Besucher: «Das ist eine schöne Gelegenheit, für Kunst im Allgemeinen und für rheinland-pfälzische Künstlerinnen und Künstler im Besonderen zu werben.» Nicht nur das: «Manche Mitarbeiter beschäftigten sich selbst so intensiv mit ihrer ausgewählten Kunst an der Wand, dass sie von dem Künstler oder der Künstlerin noch weitere Werke für ihr eigenes Zuhause kaufen», berichtet Au. Die promovierte Kunsthistorikerin Fellbach-Stein ergänzt: «Wenn Landesbedienstete in den Ruhestand gehen, müssen sie mit ihrem Dienstausweis auch die entliehenen Werke zurückgeben. Oft haben sie aber eine so starke Bindung daran, dass sei dann andere Werke desselben Künstlers erwerben.» Die Mitarbeiter, die sich ein Kunstobjekt neu aussuchen, müssen einen Leihvertrag unterschreiben. Kosten entstehen ihnen nicht. Den Wert der Kunstwerke beziffert Fellbach-Stein auf «meist 1000 bis 5000 Euro, im Einzelfall auch schon mal darüber liegend». Jedes Jahr kauft das Land neue Objekte. In den neuen Doppelhaushalt 2009/2010 sind hierfür jährlich jeweils 99 400 Euro eingestellt. Was nicht verliehen ist, schlummert in der sogenannten Kunstkammer, einem Depot in einem mehrstöckigen Gebäude in Mainz- Bretzenheim. «Die Kunstsammlung wird vom Landesmuseum Mainz betreut. Sie hat aber eine eigene Etage und eine eigene Inventarisierung», erläutert Fellbach-Stein. Die Kunstwerke hängen hier platzsparend an riesigen Ausziehwänden. Die Vielfalt ist groß: «Wir sammeln sämtliche Sparten, von der hochsensiblen Papierarbeit über Gemälde, Skulpturen, Fotos, Grafiken bis zur Videoinstallation», sagt die Kunstreferentin. «Was wir ausleihen, sollte aber eine gewisse Bürotauglichkeit haben.» Ziehen Landesmitarbeiter in andere Räume um, müssen sie Fellbach- Stein informieren. «Wir überprüfen auch alle zwei Jahre, ob es Beschädigungen gibt und ob noch alle verliehenen Werke da sind.» Früher, vor der Zeit der computergestützten Inventarisierung, seien schon mal Verluste zu beklagen gewesen, «aber in meinen zehn Jahren hier ist nie was weggekommen», betont die Kunstexpertin. Auch Beschädigungen seien selten: «Wenn überhaupt etwas kaputt geht, ist es eher die Verglasung bei gerahmten Objekten.» |
























































