| Historikerin Timea Junghaus kämpft für die Kultur der Sinti und Roma Von Ulrike Cordes |
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| Sonntag, 10. Februar 2008 um 17:35 Uhr | ||
Kollegin Kiba Lumberg schuf einen schwarzen «Zigeunerrock», der ähnlich wie ein toter Schmetterling in einer Sammlung mit Messern an der Wand befestigt war. Beide gehörten zu den insgesamt 16 Künstlern aus acht Ländern, die erstmals auf der Biennale einen «Roma-Pavillon» bestücken durften. Initiatorin und Kuratorin der Ausstellung war die ungarische Kunsthistorikerin Timea Junghaus.
Für ihren Einsatz für die Kultur der früher als «Zigeuner» verfemten Roma hat Junghaus am Sonntag den mit 75 000 Euro dotierten «Kairos - Europäischer Kulturpreis» der Hamburger Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. erhalten. «Mit unserem Pavillon "Paradise Lost" wollten wir beweisen, dass Sinti und Roma heute bildende Kunst auf Welt- Niveau erarbeiten. Zugleich spiegeln viele Werke die Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Identität», sagte die Wissenschaftlerin der Deutschen-Presseagentur dpa. Seit 2005 leitet Junghaus das Roma Cultural Participation Project am Budapester Open Society Institut, das vom ungarisch-amerikanischen Milliardär George Soros gegründet wurde und sich für die Wertschätzung kultureller Minderheiten engagiert. Mit grob geschätzten zehn Millionen Angehörigen bilden Sinti und Roma die größte ethnische Minorität Europas. «Viele unserer Künstler leiden immer noch an historisch bedingten Minderwertigkeits-Komplexen», sagte die Tochter einer Roma-Mutter und eines Sinti-Vaters, erste Akademikerin ihrer Familie. «Ihre Werke sind auch Ausdruck errungenen Selbstbewusstseins.» Nach allen Verfolgungen, die ihren grausigen Höhepunkt in der Ermordung von rund einer halben Million Roma durch die Nazis fanden, kämpfen die Mitglieder dieser weit verstreuten Ethnie seit einigen Jahrzehnten auch in Vereinigungen verstärkt um Anerkennung ihrer Kultur und eigenen Identität. «Unser Ziel ist friedliche Koexistenz. Viele wünschen sich menschenwürdige Lebensbedingungen, brauchen aber auch finanzielle Unterstützung», sagte Junghaus. Eine Assimilation in ihren jeweiligen Ländern wollen die meisten Roma, deren Vorfahren vor allem im 11. und 12. Jahrhundert aus Indien nach Europa kamen, jedoch nicht. «Wir möchten unsere Lebensweise und unsere Traditionen nicht aufgeben», sagte die Wissenschaftlerin. Dennoch polarisierten sich die politischen Ziele heute: Roma und Sinti, die in Wohnwagen umherziehen oder in eigenen Siedlungen leben, seien konservativer als urbane Mitglieder wie sie, die das Erbe mit dem Zeitgemäßen zu verbinden wüssten. Ein Merkmal der ursprünglichen Roma-Kultur sind hierarchisch gegliederte Großfamilien. Männer haben das Sagen, Frauen hingegen gelten als Trägerinnen von Schönheit und Weisheit. In ihrer Religion - je nach Umfeld muslimisch oder christlich - pflegen die Menschen auch Elemente älterer Glaubensrichtungen: So verbindet alle der Mythos von der indischen Göttin Kali. Zahlreiche Mitglieder sprechen immer noch die lange schriftlose Sprache Romani und sind daher Analphabeten. Das uralte Klischee des Bettelns und Stehlens resultiere schlicht aus der Tatsache, dass die früheren Zigeuner aufgrund geringer beruflicher Chancen ihre Familien manchmal tatsächlich nicht anders ernähren konnten, sagte Junghaus. Ein beliebtes Aufgabenfeld war die Musik - von «Zigeuner-Orchestern» bis zum Gitarristen. |
























































