| «Ich habe mich fast zu Tode geschunden» - Alfred Hrdlicka wird 80 Von Christian Fürst, dpa |
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| Donnerstag, 21. Februar 2008 um 07:11 Uhr | ||
Und dass er Kommunist sei, daraus macht der Bildhauer noch immer keinen Hehl. Doch kurz vor seinem Geburtstag musste der Jubilar immerhin eingestehen, dass es um seine Gesundheit nicht mehr zum Besten steht. Sein Körper, so verriet er Anfang des Jahres, sei «in einem bedenklichen Zustand». Er habe sich bei seiner Arbeit «zu Tode geschunden», sagt er. Es stünde keine Skulptur, «die ich nicht selbst gemacht habe». Nun sei deshalb sein Rücken kaputt. Doch Aufhören will der Mann, den die Medien einen «sensiblen Berserker» genannt haben, deshalb nicht. Denn die Leidenschaft an der Arbeit ist ihm geblieben.
«Wenn man nicht am Leben Anteil hat, sondern die Kunst in die Ecke stellt und sagt: das ist hübsch - das ist Blödsinn», ereiferte er sich vor fünf Jahren. «Leiden, Mitleiden, die Realität kennen - das zeichnet all die großen Künstler aus wie Goya und Shakespeare.» Seine bewusste Hinwendung zu konkretem Realismus hat dem gelernten Zahntechniker, der zwölf Jahre lang Malerei studierte, immer wieder heftige Kritik eingebracht. Doch Hrdlicka weist sie zurück: «Abstrakte Kunst, das ist eine dumme Definition. Kunst ist immer abstrakt. Ich bin in diese so genannte abstrakte Tendenz eingebrochen wie ein Steinzeitmensch.» Damit wurde Hrdlicka immerhin einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler überhaupt. Sein Holocaust- Mahnmal vor der Wiener Albertina gehört zu den bedeutendsten Werken der modernen Bildhauerei. Alfred Hrdlicka, der gebürtige Wiener, begann erst nach der Lehre als Zahntechniker mit der Ausbildung zum Künstler. Zunächst studierte er an der Akademie der bildenden Künste Malerei, bevor er in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba eintrat. Seiner ersten Ausstellung von Skulpturen 1960 folgten weitere im Wiener Künstlerhaus und in Salzburg. 1964 war er Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig. Bald erhielt er Professuren im benachbarten Deutschland, in Stuttgart, Hamburg und Berlin. Zahlreiche internationale Auszeichnungen erhielt der Zeichner und Grafiker Hrdlicka für seine Darstellung der leidenden und geschundenen Kreatur. Vor allem seine Skulpturen für den öffentlichen Raum provozieren immer wieder. 1963 erregt sich Salzburg über seinen «Orpheus». 1967 protestiert eine «Liga gegen entartete Kunst» gegen sein «Renner- Denkmal» in Wien. 1970 sorgt sein «Plötzenseer Totentanz» in West- Berlin für Kontroversen, und in Hamburg 1984 sein «Gegendenkmal» zu einem nationalistischen Kriegerdenkmal für Aufregung. Proteste gibt es auch gegen sein Monument für Friedrich Engels in Wuppertal. Erst 1989 folgt die Berufung an die Hochschule für angewandt Kunst in Wien; 1991 stellt er dann das monumentale Denkmals «Gegen Krieg und Faschismus» am Albertinaplatz im 1. Wiener Bezirk fertig, das Österreichs politische Rechte schäumen lässt. Den Mann, der seine Arbeit selbst «proletarisch» nennt, sieht's mit Genugtuung. Hrdlickas Menschendarstellungen sind martialisch und kraftvoll, aber auch unterdrückt, verletzt, gequält und geschunden - durch Menschenhand. Seine Leitmotive sind Krieg und Unterdrückung, Rebellion und Auflehnung. Dass er sich bei seinem «berserkerhaften» Arbeiten am Stein überarbeitet hat, spürt er heute jeden Tag. «Es gibt keine dreidimensionale Arbeit von mir, die ich nicht selber gemacht habe», gesteht er kürzlich der österreichischen Nachrichtenagentur apa. Doch der Drang zum Schaffen ist unverändert stark. Und so arbeitet Alfred Hrdlicka jetzt an Zeichnungen, die unter dem Sammelthema «Dschingis Khan» zusammen ausgestellt werden sollen. «Er hat das größte Reich auf der Welt gegründet. Die Arbeit daran hat mir Spaß gemacht, und natürlich wird es eine politische Färbung haben», kündigt er an. Für große bildhauerische Arbeiten fehlt ihm die Kraft, gesteht er der apa. «Ich glaube, dass es das Vernünftigste ist, wenn ich mich damit abfinde und nicht zu experimentierfreudig bin.» Groß feiern wird Hrdlicka seinen 80. ebensowenig wie seinen 75. Geburtstag. Doch Galerien und Museen vor allem in Österreich und Deutschland werden sei Werk in den nächsten Monaten gebührend würdigen. Rund 20 Ausstellungen und Feste stehen in diesem Hrdlicka- Jubiläumsjahr an. Doch nur die wenigsten seiner Werkschauen wird der Künstler besuchen. |
























































