| Kunst, Satire und die Politik: Klaus Staeck wird 70 und kämpft weiter Von Wilfried Mommert, dpa |
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| Freitag, 22. Februar 2008 um 07:47 Uhr | ||
Eine unter Künstlern bis heute äusserst umstrittene These, aber da hat Klaus Staeck mit der rebellischen 68er-Generation übereingestimmt, auch wenn er als eingetragenes SPD-Mitglied von den «auf den Straßen kämpfenden» Jugendlichen und Studenten seinerzeit schief angesehen wurde. «Das war ja unter der damaligen jungen Linken mit das Schlimmste, was denkbar war», erinnert sich der heutige Präsident der Berliner Akademie der Künste, der am Donnerstag (28. Februar) seinen 70. Geburtstag feiert. Ideologisch sein und «verbohrt» denken, war seine Sache nie. Er lässt sich gerne auch als «Praktiker mit dem verwegenen Glauben an die Vernunft» bezeichnen und hat Solidarität nie als Einbahnstraße verstanden.
Dabei hat der in Bitterfeld zur Schule gegangene satirische Plakatkünstler und Grafiker aus Heidelberg wie nur wenige Künstler in Deutschland nach dem Krieg zahllose Bilder geschaffen, die heute zum kollektiven Gedächtnis einer ganzen Gesellschaft gehören. «Alle reden vom Klima - wir ruinieren es» und «Arbeiter, die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen!», ein Plakat mit dem Bildnis der Mutter Albrecht Dürers und der Frage «Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?» oder die plakative Feststellung: «Ein Land, das solche Fußballer, Rennfahrer, Tennisspieler und Boxer hat, braucht keine Universitäten». Dass er wegen mancher seiner bewusst provokativen Fragen und Auftritte auch massenhaft Prozesse bestreiten musste verschweigt er nicht, auch nicht, dass er sie bisher alle gewonnen hat. Von Bilderstürmereien in seinen Ausstellungen sogar mit Beteiligung aufgebrachter Politiker ganz zu schweigen. So ist Staeck schon seit Jahrzehnten «Ohne Auftrag - Unterwegs in Sachen Kunst und Politik», wie er seine im Jahr 2000 erschienene Autobiografie auch nennt. Und da galt es auch im Frühjahr 2006 Flagge zu zeigen, als sich nach dem überraschenden Rücktritt von Adolf Muschg die Berliner Akademie in höchster Not befand und keiner Muschgs Nachfolger werden wollte. «Mein Lebensziel war das nicht, aber einer musste es machen, wegducken galt nicht», erinnert sich Staeck in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Damals nach seiner Wahl für eine zunächst dreijährige Amtszeit (bis Frühjahr 2009) meinte Staeck: «Was sind das für Zeiten, in denen ein Satiriker zum Präsidenten gewählt wird? Und ehrlich: Würden Sie diesem Mann eine Akademie anvertrauen?» Aber es wäre seiner Ansicht nach fahrlässig gewesen, die Künstlersozietät mit ihrem satzungsgemäßen Auftrag, die Politik auch zu beraten, sich selbst zu überlassen. Abgesehen davon, dass sie vom Bund mit jährlich rund 18 Millionen Euro finanziell getragen wird und der Ruf in der Öffentlichkeit in der krisenhaften Situation nach ihrem «Gebrauchswert» plötzlich wieder lauter wurde (wie schon einmal beim heftigen Streit um die Vereinigung der beiden Ost- und West- Berliner Akademien 1993 unter Walter Jens und Heiner Müller). «Politik und Kunst haben durch diesen Job noch eine neue Dimension gewonnen», meint der heutige Akademiepräsident. «Man wird auch als Künstler anders ernst genommen. Und wir brauchen den öffentlichen Raum wie zum Beispiel diesen Pariser Platz in Hofnähe zur Regierung», verteidigt Staeck den umstrittenen Akademie-Neubau mit verschiedenen Tücken an Berlins «erster Adresse» zwischen dem Hotel Adlon und der neuen US-Botschaft. Parlament, Kanzleramt und Botschaften in Steinwurfweite - das scheint der ideale Platz für einen «politischen Künstler» zu sein. Aber als «Gesinnungstäter» hat sich Staeck nie verstanden. «Ich weiß um die Sorgen der Kleinbürger und weiß, wie man sie auch satirisch erreicht, eben nicht mit der roten Fahne, bodenständig, aber risikobereit.» Und «nichts ist erledigt», wie er weiß. Auch nicht seine Arbeit als Künstler, die als Akademiepräsident denn doch etwas zu kurz kommt, wie Staeck, ohne laut zu klagen, deutlich anklingen lässt («Man möchte doch auch als Künstler wahrgenommen werden»). Der Grafiker, einer der bedeutendsten deutschen «politischen Künstler» der Gegenwart, freut sich als Akademiepräsident über die lange Besucherschlange zur Zille- Ausstellung in seinem Haus am Pariser Platz. «Das ist populäre Kunst im besten Sinne des Wortes, so wie ich es auch verstehe.» |
























































