| Freiburger Historiker: «Adel sieht Kunst als Manövriermasse» |
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| Mittwoch, 27. Februar 2008 um 06:59 Uhr | ||
Kritisch sieht er deshalb auch den Verkauf des mittelalterlichen Hausbuchs durch das Adelshaus Waldburg-Wolfegg. Der Experte für die Geschichte der südwestdeutschen Adelsgeschlechter sagte: «Es ist aus kulturpolitischer Sicht nur schwer verständlich, wenn Spitzenstücke aus einer gewachsenen Sammlung herausgebrochen werden, um sie zu Geld zu machen.» Deshalb müsse das Land ein stärkeres Interesse aufbringen, «beim Bewahren zu helfen». Angesichts weiterer drohender Verkäufe fordert Bumiller eine Absprache zwischen Politik, Kulturvertretern und Adel über eine grundsätzliche Haltung zum Kulturverkauf und zur staatlichen Unterstützung. Bumiller zeigt aber auch Verständnis für das Verhalten des Hauses Waldburg-Wolfegg. «Man kann niemandem über Jahrhunderte im Voraus vorschreiben, wie er sich in schweren Zeiten zu verhalten hat», sagte der Historiker. «Und wer einmal ein Dach in seinem eigenen Haus renoviert hat, der kann sich ausmalen, welche enormen Kosten das bei einem Adelssitz verschlingen würde.» Nach seiner Ansicht befindet sich der deutsche Adel in einer Zwickmühle: «Erst wird 200 Jahre von ihm verlangt, bürgerlich zu werden, jetzt wird er plötzlich an seine Traditionen und Verpflichtungen gegenüber seinem Erbe erinnert.» Nach Angaben Bumillers hatten die Adelshäuser zunächst vor allem im 19. Jahrhundert an ihrem Kulturgut festgehalten. «Das war ihre Antwort auf den damaligen Verlust der politischen Macht und eine Legitimation für das Bewahren von Adel und Traditionen», erklärt der Freiburger. «Für viele Häuser fing in dieser Zeit auch erst das Sammeln von Kulturschätzen an.» Andere machten ihren Kunstbesitz zugänglich, um ihren Rang herauszustellen. Im 20. Jahrhundert änderte sich diese Einstellung: «Das Haus Hohenzollern hat bereits 1926 aus Geldnot nach dem Befall ihres Forstes durch Borkenkäfer Kunstschätze für Millionen verkauft», sagte Bumiller. Am Beispiel des Verkaufs der berühmten Waldseemüllerkarte vor sieben Jahren lasse sich auch die jüngste Motivation der oberschwäbischen Adelsfamilie Waldburg-Wolfegg zum verkauf des Hausbuches nachvollziehen. «Der Fürst verfolgt seine Idee des "ideal ownership", des idealen Eigentümers.» Während die zwölfteilige Weltkarte des Freiburger Kartographen Martin Waldseemüller aus dem Jahr 1507 auf Schloss Wolfegg nicht öffentlich zugänglich war, seien die Holzschnitte in der US-Kongressbibliothek ausgestellt. Beim Hausbuch allerdings stellt sich für Bumiller die Frage, ob ein privater Bankier als neuer Käufer auch ein idealer Eigentümer ist. «Hier kommt das Land als erster Anwärter infrage.» Wichtig sei vor allem, dass das Buch auch künftig der Forschung zugänglich ist. Gespräch: Martin Oversohl, dpa |
























































