| Traumjob und Herkulesaufgabe: Lehmann prägte Preußenstiftung Von Wilfried Mommert, dpa |
|
|
|
| Mittwoch, 27. Februar 2008 um 18:59 Uhr | ||
In Berlin hatte Lehmann nach eigenem Bekunden vor neun Jahren seinen «Traumjob» gefunden. Der nächste wartet schon auf den stets korrekt gekleideten Mann aus Breslau mit politischem Problembewusstsein und diplomatischem Geschick und auch Charisma - als Nachfolger von Jutta Limbach an der Spitze des Goethe-Instituts unter dem Dach des Auswärtigen Amtes. Dort sitzt mit Frank-Walter Steinmeier (SPD), der die Preußenstiftung gern als den «kulturellen Augapfel der Republik» bezeichnet, ein der Kultur wohlgesonnener Dienstherr. Und Lehmann wiederum schwebt eine stärkere Zusammenarbeit von Preußenstiftung und Goethe-Institut vor. Lehmann scheint der gemachte Mann auch für den neuen Posten zu sein, ein Mann mit hoher Kompetenz für kulturpolitische Zusammenhänge und auch Verwicklungen, wie er auf dem heiklen Parkett der Beutekunst bewiesen hat - dabei immer diplomatisch aber standfest. Die Fachleute der Preußenstiftung hatten erstmals Zugang zu den Geheimdepots in Moskau. Lehmann sieht sogar eine «neue Nachdenklichkeit» in Moskau zu dem Thema. Gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern werde jetzt die Verlust- und Transportliste über jene Kunstgegenstände aus Deutschland, die in Russland lagern, aufgearbeitet - «damit wir überhaupt wissen, worüber wir verhandeln, was noch in welchem Zustand vorhanden ist». Und auch im Hinblick auf die in Krakau lagernden kostbaren Handschriften der Berliner Staatsbibliothek von Mozart bis Goethe (die sogenannte Berlinka) hat Lehmann nie aufgehört, beharrlich und leise die «dicken Bretter zu bohren». Er wird nicht müde zu betonen, dass es sich hier nicht um Beutekunst handelt, vielmehr war die kostbare Bibliothek kriegsbedingt aus Sicherheitsgründen nach Schlesien verlagert worden und befand sich wegen der Westverschiebung Polens nach Kriegsende auf polnischem Territorium. Aber Lehmann weiß auch um die historische Verpflichtung der Preußenstiftung bei der Rückgabe von Kunstwerken an die rechtmäßigen Eigentümer, die von den Nazis enteignet wurden. In den letzten Jahren seien bereits mehrere Gemälde zurückgegeben worden. Vor allem aber hat Lehmann in den zurückliegenden Jahren unermüdlich am weiteren Glanz des «nationalen Kulturerbes», wie er die Preußenstiftung nennt («Preußen reichte früher schließlich vom Rhein bis nach Königsberg»), gearbeitet. Nach der Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie und des Bodemuseums (dessen Fussböden zurzeit allerdings unter Schädlingsbefall leiden) wird das Neue Museum für Nofretete wiederaufgebaut und die Staatsbibliothek Unter den Linden erhält ihren zentralen Lesesaal zurück, beides schon 2009. Die eigentliche Krönung seiner Arbeit wird Lehmann aber von seinem neuen Posten aus verfolgen, die nun seinem jüngeren Nachfolger, dem 48-jährigen aus München stammenden Hermann Parzinger obliegt: Die Vollendung des «unvergleichlichen El Dorados der Kunst und der Wissenschaft in der Mitte Berlins» mit der Museumsinsel und dem benachbarten, vom Bundestag beschlossenen Humboldt-Forum, das ab 2010 mit den Fassaden des historischen Stadtschlosses aufgebaut wird. Es soll den außereuropäischen Kulturen ein Schaufenster im Herzen der deutschen Hauptstadt bieten - für rund 550 Millionen Euro Baukosten. «Unser letzter großer Wurf», meint Lehmann. |
























































