| Maler Balthus wäre 100 geworden: Kunst zwischen Unschuld und Erotik Von Sabine Glaubitz, dpa |
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| Mittwoch, 27. Februar 2008 um 19:02 Uhr | ||
Doch für den am 18. Februar 2001 im Alter von 92 Jahren gestorbenen Maler hatten seine Darstellungen weder etwas Verwerfliches noch Lolitahaftes, sondern waren rein sinnliche Abbildungen von Lust und Unschuld. Diese meist in bürgerlichen Interieurs dargestellte erwachende Sexualität junger Mädchen machte Balthus, der am kommenden Freitag 100 Jahre alte geworden wäre, weltberühmt. «Schon bei seiner ersten Ausstellung im Jahr 1934 kam es zum Skandal, weil die Szene eines Gemäldes als versuchter Missbrauch eines Mädchen interpretiert wurde», sagte Sabine Rewald, Kuratorin der ersten großen Balthus-Einzelausstellung, die 2007 in Deutschland, in Köln, stattfand. Während große internationale Museen wie das Pariser Centre Georges Pompidou und das Metropolitan Museum in New York Gemälde des eigenwilligen Malers besitzen, sind seine Arbeiten in Deutschland weniger bekannt. Balthus selbst nannte seinen Stil «zeitlosen Realismus». Er war Autodidakt und seine Kunstschule der Louvre. Wochenlang verbrachte er seine Nachmittage in dem Pariser Museum, wo er Werke von David, Poussin, Chardin und Courbet studierte und kopierte. Balthus war ein Verfechter des altmeisterlichen Handwerks. Er war dem Gegenständlichen verhaftet und seine Pinselführung geradlinig, klassisch und expressiv. Zwar verkehrte er in den 20er und 30er Jahren mit Alberto Giacometti, André Malraux und Georges Bataille und lernte den Impressionismus, Kubismus und Surrealismus kennen, doch lehnte er fast alle Kunststile ab: «Die Fähigkeit zu malen verschwindet. Es gibt praktisch niemanden mehr, der sie korrekt beherrscht. Um das zu bestätigen, genügt es, die Maler unseres Jahrhunderts zu betrachten. Die meisten unter ihnen haben nichts zu vermitteln, und ihre Werke enthalten nichts Beachtenswertes für die anderen Künstler. Der einzige, der eine Ausnahme darstellte, war Braque.» Der Künstler, der mit Geburtsnamen Balthazar Klossowski de Rola hieß und aus einer polnischen Künstlerfamilie stammte, wurde in Paris geboren und wuchs in einem kosmopolitisch gebildeten Milieu auf. Seine Mutter war Malerin und mit dem Dichter Rainer Maria Rilke befreundet. Und durch seinen Vater, einen bekannten Pariser Kunsthistoriker, lernte er Bonnard, Matisse und Monet kennen. Balthus galt zeitlebens als Sonderling und Außenseiter. Während seiner Pariser Zeit arbeitete er zurückgezogen und intensiv in seinem Atelier im 6. Arrondissement, mitten im Herzen der Stadt. 1976 schließlich erwarb er in der Schweiz, wo er einen Teil seiner Jugend verbracht hatte, das noble, weiträumige Holzhaus Grand Chalet in Rossinière im Kanton Waadt, in dem er bis zu seinem Tod im Februar 2001 mit fast 93 Jahren lebte. Der Maler hinterlässt ein Gesamtwerk von rund 350 Gemälden und 1 600 Zeichnungen, darunter das Porträt des Künstlerkollegen Joan Miró, seine Schweizer und französischen Landschaften, die von asiatischer Malerei beeinflussten Stillleben und die erotischen Porträts junger Mädchen, die heute wohl am bekanntesten sind. |
























































