| Unerwartete Gleichung: Ausstellung über Mathematik und Kunst in Wien Von Miriam Bandar, dpa |
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| Freitag, 29. Februar 2008 um 18:51 Uhr | ||
Doch im MUMOK (Museum für moderne Kunst) in Wien hat der Künstler Carl Andre den Lehrsatz aus Stahlquadraten auf den Boden gebaut, daneben hängt ein deutlich farbigeres Bild zum gleichen Thema. Passend zum Jahr der Mathematik in Deutschland zeigt die Ausstellung «Genau und anders» mit rund 300 Werken von Dürer bis Sol LeWitt ab Freitag bis zum 18. Mai, dass die Gleichung Mathematik plus Kunst auch aufgehen kann.
«Wer von uns liebt schon Mathe außer ein paar Spezialisten», sagt MUMOK-Direktor Edelbert Köb. Die Ausstellung sei sicherlich ein Experiment, wolle aber zeigen, dass Zahlen, Maß und Proportionen überall vorhanden sind. Ein Gang durch die Schau mit vielen rechten Winkeln kann seiner Ansicht nach reinigend für Geist und Seele sein. «Ohne Mathematik funktioniert unser ganzes Leben nicht», sagt auch der Kurator Wolfgang Drechsler. Die Ausstellung solle demonstrieren, wie mathematische Fragestellungen die Kunst des 20. Jahrhunderts mit beeinflussten. Gleich im ersten Raum hängen drei mehrere Meter hohe Bilder mit je einem dreidimensionalen Kubus aus schwarzen und weißen Streifen. Welche Seite sich nach vorne schiebt, liegt im Auge des Betrachters. Davor stehen weiße, aus Rechtecken zusammengesetzte Strukturkörper von Sol LeWitt. «Die interessante Eigenschaft des Kubus ist, dass er relativ uninteressant ist», prangt als Kommentar des Künstlers an der Wand. In den Installationen, Videos, Plastiken und Bildern von 120 Künstlern auf den drei Stockwerken finden sich alle möglichen Formen der Rechenkunst von Variationen von Kreisen und Spiralen bis zu frühen Computergrafiken. Doch Erklärungen zu Werken wie «40 Druckstöcke, die sämtliche archimedische Körper sowie ihre Erzeugbarkeit durch Abstumpfung von regulären Polyedern zeigen» sucht der rechenunkundige Besucher vergebens. Die Künstler gehen mit dem mathematischen Unterbau ihrer Werke ganz unterschiedlich - von ironisch bis ernst - um: Während der schwarze Bildschirm mit blinkenden ansteigenden Zahlen von James Riddle noch verständlich wirkt, liegen den Bronzeformen von Ruth Vollmer komplexere Berechnungen zu Grunde. «Viele der Künstler haben mit Mathematikern eng zusammengearbeitet», sagt der deutsche Mitorganisator der Schau, Michael Rottmann, der selbst Mathematik und Kunst studiert hat. Andere seien selbst Wissenschaftler gewesen und entsprächen so gar nicht dem Klischeebild des wilden Malers am Rande des Existenzminimums, der zur Selbsttherapie zum Pinsel greift. Oft gibt es laut Rottmann das Vorurteil, dass die als sinnlich- emotional empfundene Kunst nichts mit der rational-schnöden Mathematik zu tun hat. Doch für ihn sind es zwei Sichtweisen auf die Welt, zwei verschiedene Sprachen, die sich nicht ausschließen: «Mit Modellen der Mathematik kann ich auch die Welt beschreiben.» Als Beispiel nennt er eine vom Himmel fallende Feder, die als Bild oder Video sicherlich ihren ganz eigenen Reiz habe. Der selbe Vorgang könne aber ebenso sehr reduziert mit einer Rechenformel beschrieben werden. Die Ausstellung zeige die Schnittmenge beider Sprachen. In seinen «Fünfzehn Variationen zu dem gleichen Thema» aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigt Max Bill verschiedene Strichzeichnungen, die als Grundlage ein Achteck haben. «Ich bin der Auffassung, dass es möglich sei, eine Kunst weitgehend auf Grund einer mathematischen Denkweise zu entwickeln», wird Bill zitiert. Doch für Rechenfan Rottmann hat die Mathematik auch ihre Grenzen. «Eine Liebeserklärung würde ich meiner Freundin sicherlich nicht in der Sprache der Mathematik machen», gesteht er ein. |
























































