| Das Grauen hinter dem Kunstwerk - Luc Tuymans im Haus der Kunst |
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| Freitag, 29. Februar 2008 um 18:54 Uhr | ||
Das Münchner Haus der Kunst zeigt von diesem Sonntag bis zum 12. Mai unter dem Titel «Wenn der Frühling kommt» rund 90 Werke aus 30 Schaffensjahren des Erfolgsmalers. Tuymans' Werke befassen sich mit den Strukturen der Macht, Manipulation und Katastrophen der Geschichte vom Holocaust bis zum Terrorangriff auf das World Trade Center am 11. September 2001. Tuymans sagte am Freitag in München, eine Ausstellung in dem von Adolf Hitler in Auftrag gegebenen Haus der Kunst sei sein Wunsch gewesen. Tuymans selbst arrangierte seine Bilder in dem früheren Nazi-Bau. Die Farben der Gemälde Tuymans' sind blass und kalt, das eigentliche Ereignis wird oft nicht dargestellt und die Titel der Werke sind oft nichtssagend. Doch dahinter steckt eine provozierende Kritik. Basis für Tuymans' die Bilder sind zumeist Fotografien oder Zeitungsausschnitte. So etwa in seiner Werkgruppe «Les Revenants» (2007), die sich mit der Inszenierung kirchlicher Macht und dem mächtigen Jesuitenorden beschäftigt. Das wie eine verblasste Fotografie wirkende Bild «The Deal» zeigt eine Begegnung von Papst Benedikt XVI. mit dem damaligen Generaloberen des Jesuitenordens, Pater Peter Hans Kolvenbach. Kolvenbach hatte zu dem Zeitpunkt bereits seinen Rücktritt angekündigt. Das Bild zeigt eine medial inszenierte Versöhnungsgeste des «weißen» und des «schwarzen» Papstes, zwischen denen in der Realität eine tiefe Kluft liegt. Friedlich erscheint ein riesiges blass-blaues Stillleben mit Wasserkaraffe, Obst und einem Kaninchen. Das überdimensionierte Bild, das auf der Kasseler Documenta 2002 ausgestellt wurde, ist Tuymans' Antwort auf die damals in den Medien vermittelte Bilderflut der Terroranschläge vom 11. September. Das Bild wirke unpolitisch und fast idyllisch, sagte Tuymans. Doch durch die Vergrößerung der Trivialität und durch die Aufhängung in der historisch belastete große Halle im Haus der Kunst werde es politisch aufgeladen. Ohne Erklärungen des Künstlers wären die Bilder kaum zu entschlüsseln. Ein Ausstellungsbegleitheft enthält daher neben den Bildbeschreibungen Interpretation der Werke. So malte Tuymans beispielsweise in grauen Farben ein Badezimmer. Es handelt sich aber nach seinen Worten um einen Tisch in Auschwitz, auf dem Leichen von Häftlingen seziert wurden. Horror verbergen auch zwei kleine Bilder mit Händen und blauen, grünen und braunen Farbkreisen - In dem Diptychon «Die Wiedergutmachung» verweist der Tuymans auf einen gleichnamigen Dokumentarfilm der Münchnerin Katrin Seybold von 1987, in dem es um überlebende Opfer von Experimenten in Konzentrationslagern geht. Im Schreibtisch eines Arztes waren nach dessen Tod Aufnahmen von Augäpfeln und Händen gefunden worden. Eigens für die Ausstellung in München entstanden ist die Wandmalerei «Wonderland», die sich mit der Eröffnung des kalifornischen Disneylands 1955 beschäftigt. Der Vergnügungspark war dem Besucherandrang nicht gewachsen.
Tuymans wurde 1958 in Belgien geboren und lebt in Antwerpen. Der 59-Jährige hat Malerei studiert, experimentierte mit dem Film und beschäftigt sich auch theoretisch mit Kunst. Seine Werke hängen in den wichtigsten Museen von New York bis Paris. Doch der Künstler, der als einer der renommiertesten Maler seiner Generation gilt, hat noch ein weiteres Talent: Bei der Vernissage tritt der Rockmusiker Tuymans am Samstag abend mit seiner Band auf. |
























































