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Donnerstag, 31. Juli 2008 um 06:59 Uhr |
Betrug, Immendorff, Fälschung Das Düsseldorfer Landgericht muss prüfen, ob der Kunstprofessor (1945-2007) von Dritten gemalte Kopien seiner Bilder als eigene ausgegeben und verkauft hat. Seine Witwe war gegen die geplante Versteigerung eines angeblichen Immendorff-Gemäldes vorgegangen, nachdem der Kölner Galerist des Künstlers, Michael Werner, das Bild als Fälschung eingestuft hatte. Das Original im Wert von 150 000 Euro befinde sich in Neuseeland. Werner erstattete sogar Strafanzeige. Die Eigentümer legten jedoch ein handschriftliches Zertifikat Immendorffs («Die Echtheit meines Werkes bestätige ich.») und Eidesstattliche Versicherungen vor, denen zufolge der Malerfürst das Bild in seinem Atelier 1999 für 30 000 Mark verkauft habe. Das war die Zeit, in der Immendorff kostspielige Sex- und Drogenorgien feierte und finanziell klamm gewesen sein soll. Sollte sich diese Version bestätigen, das Bild aber nicht von Immendorffs Hand stammen, hätte dessen Witwe mit Schadenersatzforderungen zu rechnen. «Das wäre Betrug zum Nachteil des Erwerbers», sagt Rechtsanwalt Jochen Zirkel. Das Gerichtsverfahren hätte sich dann für die 28-jährige Oda Jaune als Eigentor erwiesen. Doch die künstlerische Freiheit ist groß. Es ist kein Geheimnis, dass an vielen Werken großer Maler quer durch die Jahrhunderte viele Hände beteiligt waren und in ihren Ateliers Heerscharen fleißiger Helfer arbeiteten. So herrschte in Immendorffs Düsseldorfer Atelier auch dann noch Hochbetrieb, als der Künstler durch seine unheilbare Nervenkrankheit ALS fast vollständig gelähmt war. Eifrige Assistenten brachten Farbe auf die Leinwände, überwacht vom großen Meister, der die Bilder schließlich autorisierte und als seine Werke anerkannte. «Entscheidend ist, ob der Künstler die Werke als seine erklärt hat oder nicht. Der Wille des Künstlers ist entscheidend, ob einem der Herstellungsprozess gefallen mag oder nicht», sagte Klaus Gerrit Friese, Vorsitzender des Bundesverbandes deutscher Galerien. «Immendorff war schließlich nicht unzurechnungsfähig.» Es sei auch nicht verboten, Kopien der eigenen Werke anzufertigen - «auch wenn das niemand mag». Dies sei Teil des künstlerischen Prozesses «und völlig legitim». Bei dem umstrittenen Bild soll es sich um eine Kopie des Werkes «Ready-made de L'histoire dans Café de Flore» von 1987 handeln, 1,00 Meter mal 1,20 Meter groß. Nach Angaben Werners muss das inzwischen beschlagnahmte Bild jüngeren Datums sein. Handelt es sich um eine Variante des Originals, möglicherweise aus fremder Hand - aber mit dem rechtlichen Segen des Malerfürsten - könnte es mit dem entsprechenden Hinweis dennoch versteigert werden. Das Landgericht muss nun prüfen, ob es nicht auch auf eigene Faust eines Assistenten entstand und die Echtheits-Bescheinigung gefälscht oder gestohlen ist. Bis dahin, so kamen die Streitparteien am Mittwoch in einem Vergleich überein, bleibt das Bild in sicherer Verwahrung - die Kosten dafür wird der spätere Verlierer des Streitfalls tragen.
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Donnerstag, 31. Juli 2008 um 06:56 Uhr |
Hitler, Karrikatur, Erich Ohser Unter dem Titel «Idylle mit doppeltem Boden» solle gezeigt werden, wie subtil der Zeichner in den bislang als völlig unpolitisch geltenden Bildergeschichten zwischen 1934 und 1937 im NSDAP-Blatt «Berliner Illustrierte Zeitung» (BIZ) das Regime und Adolf Hitler auf die Schippe nahm, sagte der Chef des Kulturbetriebs der Stadt Plauen, Friedrich Reichel, am Mittwoch der dpa und bestätigte damit einen Bericht der in Chemnitz erscheinenden «Freien Presse». «Erich Ohser ist nach dem Krieg lange auf die scheinbar heile Vater-Sohn-Welt reduziert worden», sagte der Plauener Kulturwissenschaftler Detlef Manfred Müller, der zwei Jahre lang über den «anderen» Ohser forschte. Seine Ergebnisse erscheinen demnächst in Form eines Kataloges. «Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Schublade "harmlos und unpolitisch" nicht zu ihm passt.» Zwischen den Zeilen werde deutlich, dass Ohser immer ein politischer Zeichner gewesen sei, sagte Müller. «Das war kein klassischer Widerstand, sehr wohl aber Dissidenz.» Ohser habe etwa eindeutig Adolf-Karikaturen gezeichnet, auch NS- Propagandaminister Joseph Goebbels sei stark verfremdet von ihm durch den Kakao gezogen worden, erklärte der Forscher. Der Cartoonist, der vor 1933 für die SPD-Zeitung «Vorwärts» arbeitete, habe sich selbst treu bleiben wollen, erklärte Müller. 1934 war Ohser zur «BIZ» gekommen - allerdings mit der Vorgabe, nur unpolitisch und nicht unter seinem Namen zu zeichnen. Ohser wählte das berühmte Pseudonym e.o. plauen, seine Initialen und den Namen seiner Heimatstadt. Dass er hinter dem scheinbar sorglosen Vater-Sohn-Alltag Hohn und Spott verstecken konnte, lag laut Müller auch an der scheinbar liberalen Phase der Nazis Mitte der 30er Jahre. Goebbels habe die Comics ausdrücklich geduldet. «Die NS-Publizistik war vielfältiger als zumeist angenommen.» Betont liberal habe sich etwa auch die Wochenzeitschrift «Das Reich» gegeben, für die Ohser von 1940 an zeichnete. Laut Müller erschienen auch in diesem Blatt Hitler- Karikaturen. 1944 wurde Ohser wegen NS-kritischer Äußerungen schließlich denunziert. Er entging dem Prozess vor dem Volksgerichtshof durch Selbstmord. (Internet: www.galerie.e.o.plauen.de)
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Donnerstag, 31. Juli 2008 um 06:54 Uhr |
van Gogh, übermalt Unter dem Werk «Grasgrond», das eine grüne Wiese zeigt, fanden sie ein übermaltes, in dunklen Farben gehaltenes Frauenporträt. Dieses konnte jetzt am Hamburger Forschungszentrum DESY mit Hilfe einer speziellen Röntgentechnik in bisher unerreichter Detailgenauigkeit rekonstruiert werden, wie die Forscher am Mittwoch mitteilten. Das Werk «Grasgrond», das dem Kröller-Müller Museum im niederländischen Otterlo gehört, malte van Gogh 1887 in Paris. Vorangegangene Forschungsarbeiten hatten bereits die schwachen Konturen eines Kopfes hinter dem Gemälde erahnen lassen. Um den Frauenkopf sichtbar zu machen, bestrahlten die Wissenschaftler die das Porträt bedeckende Fläche von 17,5 mal 17,5 Zentimetern zwei Tage lang mit einem intensiven und sehr feinen Röntgenstrahl. Die wieder abgegebene Strahlung der einzelnen Farbschichten - die sogenannte Fluoreszenzstrahlung - wurde gemessen und analysiert. Aus den so gewonnenen Informationen errechnete ein Computer dann anschließend ein «Farbfoto« des Porträts, das übermalt worden war. Nach Angaben der internationalen Forschergruppe ist bekannt, dass Vincent van Gogh häufig seine älteren Werke übermalte. Experten gehen davon aus, dass sich unter etwa einem Drittel seiner Bilder noch ein weiteres Werk verbirgt. Die Rekonstruktion soll Kunsthistorikern helfen, die Entwicklung in van Goghs Werk besser zu verstehen. Die verwendete Technik sei auch für die Erforschung weiterer verborgener Bilder wegbereitend, teilte DESY mit. Das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) ist ein mit öffentlichen Mitteln finanziertes nationales Forschungszentrum und gehört zur Helmholtz-Gemeinschaft. Schwerpunkt ist die Teilchenphysik. DESY baut und betreibt Teilchen- Beschleunigungsanlagen, die in Tunneln unter Hamburg verlaufen.
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Mittwoch, 30. Juli 2008 um 06:56 Uhr |
Der Künstler Fred Feuerstein Es ist eine Riesenspinne aus Stahl und Kunststoff, die im Speyerer Domgarten sitzt und Groß und Klein in ihren Bann schlägt. Der Künstler mit dem originellen Namen hat das als Klettergerüst und Lehrmodell gestaltete Tier bei einem umweltpädagogischen Projekt zusammen mit Kindern entworfen und es dann selbst gebaut. Seit nunmehr fünf Jahren zieht die orangefarbene Baldachinspinne, zu der ein großes Kletternetz gehört, Einheimische und Touristen an. «Ich bin froh, dass ich es gemacht habe», sagt der 62-jährige Feuerstein, dessen Namen auch ein berühmtes Comic-Steinzeitmännchen trägt. «Ich hätte ja nie gedacht, dass die so bespielt wird!» Feuerstein ist in vielen Kunsttechniken zu Hause, doch seine Leidenschaft gilt zweifelsohne der Malerei. «Ich habe es mit dem Wesen der Farbe», erklärt der aus dem badischen Oberhausen stammende Mann, der nach einer Kirchenrestauratorlehre in Mannheim Kunst studierte und 1970 über einen Freund nach Speyer kam. Sein Atelier, das in einer ehemaligen Parkettfabrik untergebracht ist, gibt davon Zeugnis. Hier finden sich Pastellfarben-Gemälde, die Reihen von Dreiecken in verschiedenen Farben vor wechselnden Farbhintergründen zeigen, neben der psychedelisch anmutenden Darstellung einer aus Schichten bestehenden Welt, aus der eine Autobahn hervorbricht. Zarte Aquarelle, die Landschaften zeigen, stehen neben einem Drehständer mit dutzenden Bildern, die die Geschichte des Menschen und seiner Umwelt von Anbeginn an erzählen. Mensch, Natur und die Entfremdung des Menschen von der Natur: Das sei das Grundthema seines Werkes, erklärt der sanftmütig wirkende Künstler, der bewusst auf einen Computer verzichtet und lieber mit dem Fahrrad durch die Natur fährt, um sich inspirieren zu lassen. «Je mehr wir uns entfremden, desto mehr verstehen wir die Natur nicht mehr, desto mehr wird sie zerstört», klagt Feuerstein, der die Natur als seine Kraftquelle bezeichnet. Seine Forderung: «Wir brauchen ein anderes Bewusstsein: Wir müssen die Natur lieben.» Denn schließlich könne der Mensch nicht von der Erde auswandern. Seine Themen verarbeitet Feuerstein in Bilder- oder Plastiken- Serien, die sowohl gegenständlich wie auch abstrakt gestaltet sein können. Sie kommen nicht reißerisch daher, sondern beeindrucken eher durch Harmonie und Ästhetik. «Die Bilder müssen eine unheimliche Ruhe zurückgeben», sagt er etwa über seine Aquarelle, von denen viele auf Reisen entstanden - durch Afrika, Finnland und Afghanistan sowie durch Russland und Israel. «Das war für mich sehr wichtig, weil ich dabei die Unterschiedlichkeit der Kulturen kennengelernt habe.» Mehrere tausend Bilder hat er schätzungsweise bislang gemalt, viele hat er verkauft. «Ich muss davon leben», sagt der Vater eines 25- jährigen Sohnes und einer neunjährigen Tochter, die aus einer späten außerehelichen Beziehung stammt. Und weil nicht zu jeder Zeit Bilder zum Verkaufen da sind, arbeitet er im Auftrag von Stadt und Bildungseinrichtungen auch mit Kindern und Schülern. So malte er zuletzt mit Kindern einer Speyerer Grundschule die vier Elemente auf eine Schulwand. Privat plant der Künstler, der in den vergangenen zwei Jahren seine Frau, seine Eltern und eine Schwester verlor, eine 18-teilige Serie von Ölgemälden, in denen er sich mit dem Tod und dem Menschen im heutigen Dasein befasst. «Der Mensch müsste transparenter werden, er ist viel zu materialistisch», sagt er. Feuerstein selbst lehnte vor einigen Jahren eine Einladung ins Fernsehen ab, wo er mit dem Komiker Herbert Feuerstein hätte auftreten sollen. «Es wäre nicht um die Kunst gegangen, sondern nur um heiteres Namensraten», sagt der Künstler, der auf den Namen Manfred Feuerstein getauft, nach dem Willen seiner Mutter aber Fred Feuerstein genannt wurde. Das gleichnamige Comic-Steinzeitmännchen sei erst nach seiner Geburt entstanden - «ich habe 14 Jahre Vorrechte», sagt er scherzhaft. Und außerdem sei ihm sein Name nicht so wichtig.
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