| Der Maler als Skulpteur - Die andere Seite von Picasso und Co. |
|
|
|
| Samstag, 05. Juli 2008 um 08:47 Uhr | ||
So gesehen kann man derzeit in Baden-Baden jede Menge erfahren. Denn im dortigen Museum Frieder Burda werden gerade 20 berühmte Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts präsentiert. Das Besondere: Die Maler-Promis sind nicht nur mit ihren Bildern vertreten, sondern auch mit ausgewählten plastischen Arbeiten. Unter dem Titel «Die Skulpturen der Maler - Malerei und Plastik im Dialog» sind von diesem Samstag an bis zum 26. Oktober 140 Werke zu sehen. Gast-Kurator Jean-Louis Prat hat zusammen mit dem Hausherrn und Sammler Frieder Burda seine internationalen Kontakte spielen lassen und mit Leihgaben aus über 40 Sammlungen und Museen eine beachtliche Schau zusammengetragen. Die erste größere Skulpturen-Ausstellung in dem Privat-Museum hat das Innere des Hauses verändert: Die Künstler werden in Nischen und Kabinetts präsentiert, von wo sie teils augenzwinkernd oder provokativ in einen spannenden Dialog miteinander treten. Zu den Highlights zählt das Degas-Kabinett. Da ist die bezaubernde bronzene «Kleine vierzehnjährige Tänzerin» (1878-1881), die gleich einer Tabledancerin auf einem runden Podest postiert ist. Die Figur, der manche eine gewisse Frivolität unterstellen, steht vor einem gemalten, aus den USA ausgeliehenen Kleinod des Künstlers, auf das Frieder Burda besonders stolz ist: Degas' selten gezeigtes Gemälde «Probe im Foyer de la danse» aus der Washingtoner Phillips Collection. Der Welt des Tanzes stehen eher exotische Welten von Paul Gauguin, Ernst Ludwig Kirchner oder Amedeo Modigliani gegenüber. Farbige gemalte Akte von Henri Matisse kontrastieren mit dessen kräftig geschwungenen Bronze-Arbeiten. Dazwischen sind kleine Entdeckungen möglich wie Alberto Giacomettis filigrane «Figur zwischen zwei Häusern». Marc Chagalls bunte Fabelwesen auf der Leinwand finden ihr Pendant in eng umschlungenen, ganz plastisch Liebenden. So anders Bild und Skulptur erscheinen - der Betrachter entdeckt doch immer die selben Züge, etwa in Picassos Ölbild «Jacqueline» aus dem Jahr 1960 und dem bemalten (Blech-)«Frauenkopf» aus fast der gleichen Zeit. Sind auch die Stile, Materialien und Herangehensweisen verschieden, so haben sie aus Sicht von Kurator Prat doch eines gemeinsam: «Große kreative Geister, die "von Haus aus" eigentlich Maler sind, nutzen ihre bildhauerische Erfahrung, um mit großer Freizügigkeit neue Wege zu gehen.» Der Schalk blitzt oft daraus hervor, etwa in Picassos «Frau mit Schlüssel», Joan Mirós leicht subversiven Objekten oder Willem de Koonings wuchtigen Figuren. Sozusagen als Türsteher zeigt die riesige Bronze «Capricorn» von Max Ernst dem Besucher, wo es lang geht. «Durch ihre immer neuen Trouvaillen erfinden die Maler Lösungen, an die die Bildhauer selbst nie zu denken gewagt hätten», sagt Prat, Skulpturenexperte und langjähriger Direktor der renommierten Fondation Maeght im südfranzösischen St. Paul de Vence. «Die Entdeckung des Räumlichen veranlasst zahlreiche Maler, sich vorübergehend von der Farbe und von der Zweidimensionalität der Leinwand zu verabschieden.» Manchmal wurde auch schlicht aus der Not eine Tugend gemacht: So stieg der Maler Georges Braque 1939 auf die Skulptur um - wohl auch, weil es schwierig war, im Krieg Leinwand und Farben aufzutreiben, aber auch, weil es der «Gewohnheit entgegenwirkte». Henri Matisse schließlich kam zuweilen dann zum Bildhauern, wenn er der «Malerei überdrüssig» war. (Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (288 Seiten, 29,00 Euro). Öffnung: Dienstag bis Sonntag 10.00 -18.00 Uhr, Montag geschlossen) |
























































