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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Genie der Freundschaft: «Brücke»-Maler Heckel zum 125. Geburtstag PDF Drucken E-Mail
Samstag, 26. Juli 2008 um 10:20 Uhr

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125. Geburtstag Erich Heckel

Der aus Sachsen stammende Maler und Grafiker Erich Heckel (1883-1970), der am 31. Juli vor 125 Jahren geboren wurde, gehört zu den Wegbereitern einer Revolution in der bildenden Kunst. Der Mitbegründer der «Brücke», für die er 1905 Maler wie Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff gewann, gilt als einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Expressionismus. Vor allem in seinen frühen blockhaften Holzschnitten schuf Heckel dessen Menschentypus mit überhoher Stirn und tiefen Blicken.

Blätter wie die berühmten Darstellungen der halbwüchsigen Fränzi von 1910 gehören zu den gesuchtesten und teuersten Objekten bei Kunstauktionen. «Nicht minder innovativ waren die frühen Ölgemälde, die mit ihren großen Flächen an die Holzschnitte anschließen und leuchtende Farbigkeit mit teils emotionaler Pinselführung ins Bild bringen», sagt die Kuratorin der Dresdner Galerie Neue Meister, Birgit Dalbajewa. Das in fast rauschhaftem Rot gehaltene Bild des schlafenden Max Pechstein etwa, der später wie Emil Nolde kurze Zeit zur «Brücke» stieß, markiere die hohe Emotionalität und den starken Ausdruckswillen dieser ersten «Wilden» der Kunstgeschichte.

Bis 1914 dominierte auch bei Heckel der gemeinsame «Brücke»-Stil, den er allerdings verhaltener, lyrischer und mit strenger formaler Disziplin ausführte. Er galt als die einfühlsamste Persönlichkeit unter den «Brücke»-Malern, seine Interessen konzentrierten sich schon als Gymnasiast vorwiegend auf Dichtung und Philosophie. Mit seinem integrierenden Wesen hielt er die unterschiedlichen Charaktere der Künstlergruppe zusammen, wobei er selbst hinter seiner Kunst zu verblassen schien. «Einsamkeit ist das Beste, was man hat», schrieb der introvertierte Künstler einmal.

Nach dem revolutionären Schaffen der «Brücke» veränderte sich sein Stil wesentlich. Die Kompositionen wurden strenger, die leuchtenden Farben wichen einer gedämpften kühleren Farbigkeit. Neue Möglichkeiten, die veränderte Gefühlswelt adäquat umzusetzen, eröffneten sich in Auseinandersetzung mit den damals aktuellen Kunstformen wie Kubismus oder Futurismus. Dabei war Heckels Schaffen von drei Motiven bestimmt: Badende, Akt im Interieur und Landschaft.

«Dazu kamen später die Großstadt, der Film, Schauspieler und literarische Themen sowie Stillleben», sagt Dalbajewa. Häufig begegne man auch dem Pierrot, der etwas Elegisches habe. «Und er hat viele Lesende und Schlafende gemalt und gezeichnet, wobei seine spätere Frau Sidi das Hauptmodell war», erläutert die Kunsthistorikerin.

Heckel wurde als Sohn eines Eisenbahnbau-Ingenieurs in Döbeln geboren. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Chemnitz nahm er ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Dresden auf, was er nach nur drei Semestern wieder aufgab. Am 7. Juni 1905 gründete er in einem leerstehenden Fleischerladen mit den Studienkollegen Schmidt- Rottluff, Kirchner und Fritz Bleyl die Malergruppe «Brücke», die das erste Sammelbecken des Frühexpressionismus wurde. Als Maler war Heckel im strengen Sinne Autodidakt, hatte aber als Gymnasiast viel gezeichnet und gemalt sowie auch als Architekturstudent Zeichen- und Kunstunterricht.

Seine neoimpressionistischen Ölbilder änderten sich erst 1907, als Heckel mit Jugendfreund Schmidt-Rottluff den Ort Dangast an der Nordsee entdeckte. Hier malte er die rote Ziegelei und erreicht mit «Dorftanz» 1908 dieselbe Kraft wie Kirchner, meint Dalbajewa. Prägte damals das Authentische, Ungeschliffene die Gemälde, sind später eher gebrochene Töne typisch. Nach und während des Ersten Weltkrieges kamen philosophische Hintergründe dazu.

Seit 1911 lebte Heckel in Berlin, wo sich die «Brücke» im Mai 1913 auflöste. Im selben Jahr hatte Heckel seine erste Einzelausstellung.

Während des Ersten Weltkriegs war er Sanitäter, traf Max Beckmann und hatte freundschaftlichen Kontakt mit dem belgischen Maler James Ensor. Nach Kriegsende bezog er in Berlin ein neues Atelier. In den 1920er Jahren beruhigte sich Heckels Malweise. 1937 wurden 729 Werke von den Nazis als «entartet» aus deutschen Museen entfernt, ein Großteil seines Lebenswerks. Der Zerstörung seines Ateliers durch Bomben 1944 und einem Depotbrand fielen weitere Gemälde zum Opfer.

Die Vernichtung dieses Frühwerks habe die Rezeption von Heckels Oeuvre wesentlich beeinflusst, sagt Dalbajewa. Eine Neufassung das Werkverzeichnisses der Gemälde soll nun ebenso den Fokus auf Heckels Spätwerk legen wie auf die international stärker beachteten Gemälde der Dresdner und Berliner Zeit. «Heckel steht nicht so im Rampenlicht wie Kirchner, in der kunstgeschichtlichen Wertung aber ist er gleichrangig.» In seinem Schaffen sei eine Kontinuität vom Früh- bis zum Spätwerk erkennbar. Letzteres entstand nach 1945 in Hemmenhofen am Bodensee, wo Heckel am 27. Januar 1970, mit 86 Jahren, starb. In seinem Haus wird der Nachlass des Künstlers verwahrt und gepflegt, seine Werke hängen in allen großen deutschen Museen.



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