| 39. «Art Basel» steht im Zeichen eines überhitzten Kunstmarkts Von Sabine Glaubitz, dpa |
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| Sonntag, 01. Juni 2008 um 17:49 Uhr | ||
«Die große Begeisterung für zeitgenössische Kunst hat dazu geführt, dass der Markt mit Werken fast schon überflutet word. Der Markt braucht eine Verschnaufpause», sagt der Kunstberater Marc Blondeau, ehemaliger Sotheby's-Chef für Frankreich. Die Auswirkungen der Preisexplosion für moderne Kunst seien besorgniserregend, denn sie führten unter anderem dazu, dass die Galeristen ihre Künstler zu einer immer größeren Produktivität drängen und statt Qualität Quantität erzeugen. Das Jahr 2007 war ein Spitzenjahr. Die Installation «Lullaby Spring», ein riesiger Stahlrahmen mit handgefertigten Gipsmurmeln des britischen Künstlers Damien Hirst wechselte für 14,5 Millionen Euro den Besitzer und das tonnenschwere, rot schimmernde Metallherz «Hanging Heart» von Jeff Koons für rund 16 Millionen Euro. Auch für die Basler Messe, das Epizentrum des internationalen Kunstmarkts, war das vergangene Jahr fantastisch, viele Galeristen sprachen von den besten Kaufergebnissen aller Zeiten. Auch die 39. Ausgabe der an diesem Mittwoch (4. Juni) beginnenden «Art», könnte wieder in das Guinnessbuch der Rekorde eingehen. Denn 300 renommierte und finanzstarke Galerien zeigen wieder hochwertige zeitgenössische Kunst. Laut Artprice, der weltweit führenden Kunstpreisdatenbank, haben sich die Verkäufe von Kunstwerken, die Preise in Millionenhöhe erzielten, in den vergangenen Jahren fast vervierfacht: Sie stieg von 263 Anfang der 1990er Jahre auf 825 im Jahr 2006 und auf 1254 im Jahr 2007. Während sich die Rekordpreise bisher insbesondere auf Impressionisten und Klassiker der Moderne konzentrierten, stehen längst auch Arbeiten lebender Künstler hoch im Kurs. Erst vor wenigen Wochen wurde ein lebensgroßes Aktgemälde des britisch-deutschen Künstlers Lucien Freud für fast 21 Millionen Euro zum vorläufig teuersten Werk eines lebenden Künstlers. Diese Entwicklung sieht Klaus Gerrit Friese, Vorstand des Bundesverbandes deutscher Galeristen (BVDG), auch aus künstlerischen Gründen kritisch. Durch die in astronomische Höhen gestiegene Preise werde die Kunst in der Öffentlichkeit zwar stärker wahrgenommen, doch gleichzeitig der künstlerische Aspekt in den Hintergrund gedrängt. «Wichtig ist bei diesen medienwirksamen Versteigerungen, dass man wieder an die Kunst denkt, dass man wieder über den Inhalt redet und nicht den Marktpreis», meint der Stuttgarter Galerist, der gleichzeitig daran erinnert, dass eine der wesentlichen Arbeiten des Galeristen die Förderung von Nachwuchskünstlern ist. Um den Nachwuchs zu fördern, hat die «Art Basel» schon vor Jahren Spezialsektoren eingeführt wie zum Beispiel «Art Statements», einen Bereich mit Einzelausstellungen junger Künstler. Aus 290 Bewerbungen wurden 31 Künstler ausgewählt, 5 mehr als im Vorjahr. Allein 9 der Kunstschaffenden leben und arbeiten in Berlin. Rekordpreise für Kunst gab es zu jeder Zeit. Doch längst ist Kunst zu einem finanziellen Investment geworden. Bei den derzeitigen unsicheren Börsen-Zeiten gilt der Kunstmarkt vielen als sichere Wertanlage, betonen Experten. Mit moderner und zeitgenössischer Kunst lässt sich heute viel Geld verdienen. Geld, von dem es immer mehr gibt, denn die Zahl der Millionäre in der Welt nimmt zu, vor allem in den neuen aufstrebenden Industrienationen wie China, Russland und Indien. Da sich viele der guten Klassiker der Moderne in Museen und Privatsammlungen befinden, decken sich die Superreichen mit Werken von Lucien Freud, Jeff Koons, Gerhard Richter, Andreas Gursky oder Thomas Struth ein. Als Stimmungsbarometer der Branche setzt die Basler Kunstmesse denn auch dieses Jahr wieder auf die lebenden Stars der Kunstszene sowie die zeitgenössischen Ikonen Francis Bacon, Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat.
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