| Aus dem Bildungskanon verschwunden: Der Künstler Hans von Marées Von Antje Lorscheider, dpa |
|
|
|
| Freitag, 06. Juni 2008 um 07:02 Uhr | ||
1957 lautete das Urteil des Kunsthistorikers Benno Reifenberg über Marées: «Der bedeutendste deutsche Künstler des vorigen Jahrhunderts lebte in Rom.» Heute ist Marées, der 1837 in Elberfeld geboren wurde und 1887 in Rom starb, weitgehend in Vergessenheit geraten. In seiner Geburtsstadt, dem heutigen Wuppertal, wird er nun in einer großen Überblicksschau in Erinnerung gerufen. Von Sonntag an sind im Von der Heydt-Museum rund 120 Werke aus allen Schaffensphasen - Gemälde wie Zeichnungen - zu sehen (bis 14. September). «Extrem wichtig» sei die Position Marées gewesen, meint Museumsdirektor Gerhard Finckh. «Mit seinem antikisierenden, neo-idealistischen Stil hat er eine Gegenposition zum zeitgleichen Impressionismus geschaffen, die nicht auf das Flüchtige, sondern das Ewige zielte.» «Ganymed» heißt eine Rötelzeichnung, in dem Marées das mythologische Thema im Hinblick auf eine eigene «ewige Dauer» ebenso eigenwillig wie unbescheiden umzudeuten scheint. Statt dass Zeus, der - verliebt in einen «schönen Knaben» - in der Gestalt eines Adlers den Jungen in sein Götterreich brutal entführt, klammert sich Marées selbst so in die Fänge des Raubvogels. Derart wird der Göttervater Zeus ihn gar nicht mehr los: Der unsterbliche Künstler ist auf dem Weg in den Olymp. Marées schwankte zeitlebens zwischen «massiven Selbstzweifeln» und «Größenwahn», erzählt Gerhard Finckh. Eher letzteres spricht aus dem Freundschaftsbildnis des Künstlers mit dem Maler Franz von Lenbach: Während sich der hinter Lenbach stehende Marées mit diabolisch hinterhältigem Lächeln ins gleißende Rampenlicht stellt, drängt er den als «Münchner Malerfürst» bekannten Lenbach nicht nur in den Schatten. Er lässt den Kurzsichtigen hinter seiner beschlagenen Brille auch wie blind aussehen. Lenbach war für Marées ein «nützlicher Freund». Der Münchener Maler verhalf Mareés zu Auftragsreisen nach Italien, wo er für einen Sammler Kopist italienische Altmeister kopierte. In Neapel entstand später eines seiner Hauptwerke: die Fresken in der neu gegründeten Zoologischen Station im Auftrag des Meeresbiologen Anton Dohrn. Die Entstehung des Freskenzyklus dokumentiert die Wuppertaler Schau mit Ölskizzen: Barfüßige Fischer, muskulöse Ruderer oder eine provisorische «Taverne» im neapolitanischen Ambiente. Unter deren Dach sitzen und stehen der Künstler, Auftraggeber samt Assistenten ebenso wie Marées bester Freund, der Bildhauer Adolf von Hildebrand. Deren Freundschaft hielt allerdings nur bis zur Heirat des Freundes. Marées massive «Enttäuschung» fand Niederschlag in der ersten Zeichnung zum Bild «Die drei Männer». Das ist als emotional aufgeladene Konfrontation insbesondere zweier Beteiligter mit den Zügen der beiden Künstler komponiert. Was auf der Zeichnung ganz deutlich ist: Der «dritte Mann» ist dort noch eine nackte Frau. Szenen mit «Nackerten» - ein allegorisches, wenngleich hie und da «schlüpfrig» wirkendes Spezialthema Marées - monierte 1904 der Wuppertaler Museumsverein aus Anlass einer bevorstehenden Marées- Schau in der Stadt. Angesichts der Scheinheiligkeit ihrer Begründung, «Verstoß gegen die Sittlichkeit!» schoben sie nach: «Schlecht gemalt ist es auch!»
(Internet: www.von-der-heydt-museum.de) |
























































