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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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«Perser der Ostsee» - Fischer verewigten Heimatmotive in Teppichen Von Martina Rathke, dpa PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 12. März 2008 um 16:11 Uhr

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Dass derlei Darstellungen vom aufkommenden Nationalsozialismus im Sinne der eigenen Ideologie in eine «völkische» Tradition gestellt wurden, konnte die notgedrungen als Kunsthandwerker tätigen Fischer nicht verhindern. So besaß auch Adolf Hitler ein Exemplar. Doch über ideologische und politische Umbrüche hinweg blieben Freester Teppiche, die ihren Ursprung in den pommerschen Fischerdörfchen Freest, Lubmin und Spandowerhagen bei Greifswald haben, begehrte Luxusartikel. Auch die DDR-Staatschefs Walter Ulbricht und Erich Honecker bekamen sie einst als Gastgeschenke. Einige dieser Teppiche gingen in die Bestände renommierter Museen ein und wurden auf internationalen Ausstellungen gezeigt. Ihre künstlerische Qualität brachte ihnen den Namen «Perser von der Ostseeküste» ein.

Erstmals präsentiert nun die Universität Greifswald in einer Ausstellung den gesamten künstlerischen Nachlass des Erfinders der Freester Fischerteppiche, Rudolf Stundl. Begleitend dazu erscheint ein Katalog, der die wirtschaftlichen und politischen Umstände und die Hintergründe für den Erfolg der Teppiche beleuchtet, wie die Kustodin der Greifswalder Universität, Birgit Dahlenburg, berichtet. Mit dem Tod des gebürtigen Österreichers ging 1990 dessen Nachlass - 23 kunstvoll geknüpfte Fischerteppiche und Wandbehänge - an die Universität. Anlass der aktuellen Ausstellung, die an diesem Donnerstag eröffnet wird, ist der 110. Geburtstag Stundls. Als wohl ältestes Ausstellungsstück wird ein Paradiesteppich aus dem Jahr 1929 gezeigt, der Anfangszeit der knüpfenden Fischer.

Dass es die Teppiche gibt, ist der ökonomisch schlechten Lage der Fischer in Zeiten der Weltwirtschaftskrise zu verdanken. 1927 sah sich die Provinzialregierung in Stettin gezwungen, wegen der drohenden Überfischung ein dreijähriges Fangverbot für die südliche Ostsee zu erlassen, wie Stundl-Kenner Kurt Feltkamp berichtet. Als Hilfe für die Fischer suchte der damalige Greifswalder Landrat Werner Kogge per Zeitungsannonce einen erfahrenen Textilfachmann, der den im Netzeflicken erfahrenen Fischern das Knüpfen von Orientteppichen beibringen sollte.

Stundl, der zuvor in Zagreb, Budapest und Breslau verschiedene Versuche für eine dauerhafte berufliche Existenz gestartet hatte, bewarb sich auf die Annonce. Doch anstatt die Fischer orientalische Teppichmuster nachknüpfen zu lassen, entwickelte Stundl in der Region verwurzelte Motive und fügte sie - geometrisch vereinfacht - zu kunstvollen Ornamenten zusammen. Aus der «ABM» für Fischer entwickelte sich in wenigen Jahren eine Genossenschaft. Ende 1932 wurde in den Landkreisen Greifswald und Usedom bereits an 100 Knüpfstühlen gearbeitet.

«Die Ursprünglichkeit der norddeutschen Küstenlandschaft fand ein Pendant in der Ornamentik der Freester Teppiche», erklärt die Kustodin der Universität, Birgit Dahlenburg, einen Grund für den Erfolg der Textilien. Die Kunstwissenschaftlerin ist zudem davon überzeugt, dass Stundl ein cleverer Marketingstratege war. Innerhalb von wenigen Jahren habe er es geschafft, die Teppiche zu einem begehrten Luxusartikel zu machen.

1932 mehrten sich dann auch Presseberichte, in denen die Teppiche «völkisch» interpretiert wurden. Einige Redakteure erfanden sogar eine 700-jährige Teppichtradition mit germanischen Wurzeln, wie Dahlenburg und Feltkamp recherchierten. «Parteipolitisch war Stundl indessen nie aktiv», erklärt die Kustodin. Zwischen 1940 und 1945 saß Stundl sogar im Gefängnis. Der Grund dafür liegt noch weitgehend im Dunkeln, dürfte aber möglicherweise in der vermuteten Homosexualität Stundls begründet liegen.

Wegen seiner Inhaftierung galt Stundl nach Kriegsende als Verfolgter des Naziregimes. Die Teppichknüpferei wurde unter der Bezeichnung «Volkskunst an der Ostsee» in der DDR erfolgreich weitergeführt, auch nach dem Ausscheiden Stundls im Jahr 1972. Die politische Wende im Jahr 1990 leitete dann aber auch das Ende der Teppich-Genossenschaft ein. Nur noch zwei Knüpferinnen führen das Handwerk bis heute in Eigenregie weiter. Ihre Produkte sind in Galerien und bei Teppich-Liebhabern begehrt. Mehrere Versuche, unter anderem mit der Agentur für Arbeit, ein Unternehmen auf die Beine zu stellen, das die Tradition Stundls weiterführt, scheiterten.


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