| Franz Radziwill zwischen Technik und Weltuntergang Von Karin Güthlein, dpa |
|
|
|
| Donnerstag, 13. März 2008 um 20:16 Uhr | ||
Aber trotz aller Fortschrittsbegeisterung lauert in der verschlüsselten Bildwelt von Franz Radziwill (1895 - 1983) immer auch eine bedrohliche Weltuntergangsstimmung. Der 25. Todestag des Malers am 12. August ist Anlass für die Jahresausstellung «Radziwill und die moderne Welt» im Radziwill-Haus in Dangast (Kreis Friesland). Die Schau mit fast 50 Gemälden, darunter viele selten gezeigte, aus allen Schaffensperioden wird am Sonntag (16.) eröffnet und dauert bis 11. Januar 2009.
Das Fischerdorf am Jadebusen war vor dem Ersten Weltkrieg als Sommerfrische der «Brücke»-Maler bekannt geworden. Die berühmten Expressionisten hatten der Idylle in Nordsee-Nähe längst den Rücken gekehrt, als der aus Bremen stammende gelernte Maurer und Autodidakt Franz Radziwill 1923 ein Fischerhaus kaufte. Hier malte er mehr als 800 Bilder, bevor ein Augenleiden ihn 1972 zum Aufhören zwang. Seit fast 20 Jahren betreibt die rührige Radziwill-Gesellschaft e.V. in dem unscheinbaren Haus in der Sielstraße ein Museum mit jährlich wechselnden Ausstellungen. In der Gesellschaft sind nach Angaben ihres Vorsitzenden, des Oldenburger Museumsdirektors Ewald Gäßler, fast 200 Verehrer, Sammler, Kunsthändler und -experten nicht nur aus Norddeutschland vereint. «Ich halte die Technik nicht für böse, böse aber kann sie oft werden, wenn sie falsch gehandhabt wird.» Mit einfachen Worten hat der Maler, auf dessen Bildern Menschen eine untergeordnete Rolle spielen, seine zwiespältige Haltung zum Spannungsverhältnis von Natur und Technik formuliert. Auf den jetzt in Dangast vereinten Bildern aus zwölf Museen und von vielen privaten Leihgebern bevölkern bekannte und unbekannte Flugobjekte den Himmel, schwimmen Ozeandampfer, Segel- und Kriegsschiffe auf den Meeren. Und fast immer lassen die mit vielen Details liebevoll ausgeschmückten Landschaften und Maschinen Endzeitstimmung aufkommen. Der alt gewordene Maler, der einst in die unberührte Natur am Jadebusen gezogen war, wurde im Alter zum gefürchteten Naturschützer. Die Kunstgeschichte hat den weit über seine Heimat bedeutenden und angesehenen Maler in drei Schubladen eingeordnet: Expressionismus, Neue Sachlichkeit und Magischer Realismus, der anderswo in Europa auch Surrealismus genannt wird. In der von der Radziwill-Gesellschaft im Einvernehmen mit der Tochter und Erbin des Malers betriebenen Aufarbeitung der Schaffensphasen gibt es eine Lücke. Die Bedeutung des Malers Radziwill ist inzwischen unumstritten - im Unterschied zu seiner Rolle im Dritten Reich. Radziwill trat 1933 in die NSDAP ein, wurde - allerdings nur für ein Jahr - mit der Düsseldorfer Professur des «entarteten» Paul Klee belohnt, bekam dann wegen einiger früher expressionistischer Bilder vorübergehend Ärger mit den Nazis. Wissenschaftlich seriös sei dieses Kapitel im Leben Radziwills noch immer nicht aufgearbeitet worden, bedauert Ewald Gäßler. Zur Zeit entstehe aber in den Vereinigten Staaten eine Doktorarbeit zum Thema, die vielleicht Grundlage für eine Dokumentation mit Ausstellung in Dangast werden könnte. Der Boom im Kunsthandel hat laut Gäßler auch die Preise für Radziwill in die Höhe getrieben. Bis zu 100 000 Euro kostet demnach inzwischen ein «großes und wichtiges Bild» des Malers, der bereits zu Lebzeiten als geschäftstüchtig galt. (Das Franz Radziwill-Haus in Varel/Dangast, Sielstraße 3, ist donnerstags bis samstags von 15.00 bis 18.00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet; der Eintritt kostet 2,50 Euro, Kinder bis sechs Jahre frei; der Katalog zur Ausstellung hat 148 Seiten und kostet 11,00 Euro; Internet: www.radziwill.de.) |
























































