| «Lumen Christie's»: Kreuzweg zwischen Kunst, Kirche und Kommerz Von Ellen Kollender, dpa |
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| Freitag, 14. März 2008 um 07:11 Uhr | ||
Das Stammhirn funkelt in der Abendsonne. Das Kleinhirn leuchtet golden. Der Passant erkennt es erst auf den zweiten Blick. Er muss an den Zaun herantreten, um sich dem vorbeihuschenden Eindruck zu vergewissern. Dann entdeckt er noch mehr: ein altes Bahnticket, Hunderte von belichteten Dias, einen eingetüteten Glückscent, zwei schmunzelnde Engel lauter Fundstücke, die sich scheinbar zufällig an diesem Ort zusammengefunden haben.
Doch der Zaun ist Kunst. Er ist ein Beitrag von Arne Lösekann zu einem künstlerischen «Kreuzweg» durch die Hamburger Altstadt, Speicherstadt und Hafen City. «Lumen Christies» nennt sich das Projekt von Hamburger Stadtentwicklern und der Hauptkirche St. Katharinen, bei dem insgesamt 20 freie Künstler und Künstlerinnen den traditionellen Passionsweg auf ihre eigene Weise nachempfunden haben. Auf 14 Stationen haben sie ihre Werke für vier Wochen bis zum 6. April im öffentlichen Raum der Stadt installiert. «Die Kreuzwege sollen den Dialog zwischen Kunst, Kirche und Stadtentwicklung fördern», sagt Organisator Rolf Kellner. Der Titel «Lumen Christie's» stellt eine Kollage aus zwei Firmenlogos dar. «Lumen» ist ein Restaurant in Wiesbaden, «Christie's» eines der größten Auktionshäuser der Welt. «Zugleich spielt der Name aber auch auf ein zentrales Motiv der Osterliturgie an», sagt Kellner: «Das Licht Christus.» Das Wortspiel steht für die Verflechtung von Geld- und Heilsökonomie, von Kirche, Kunst und Kommerz. Der «Kreuzweg» führt seine Teilnehmer über die Kibbelstegbrücken von dem alten in den neuen Stadtteil. Hier ragen Baukräne in den grauen Himmel, moderne Büro- und Wohngebäude reihen sich entlang des Sandtorkais - die sich in den seichten Wellen der Elbe spiegeln. Auf den Marco-Polo-Terrassen dann wieder ein Stück unscheinbare Kunst: 16 mobile Toilettenkabinen. Ihre Dächer ergeben zusammen ein weißes Kreuz. «Sehen aus wie moderne Badehäuschen», meint eine Besucherin. «Das weiße Kreuz ist für die Bauarbeiter hier ein Begriff. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg malte man die Kreuze auf die Baugerüste», erklärt Kellner. Hier konnten die Bauarbeiter Hilfe bekommen, wenn es Unfälle oder Verletzungen gab. «Dieser Kreuzweg bringt mich meiner Stadt näher», sagt eine Rentnerin, die sich der Gruppe angeschlossen hat. Neugierig lauscht sie Kellners Worten, der gerade über die Installation von Julia Münz und Annika Unterburg referiert - ein Holzgestell mit der Aufschrift «Wünsche versenken». «Über die Kunst entdecke ich Ecken, die ich vorher nicht kannte und eher als unscheinbar empfunden habe», meint sie. Was aber hat das Plastikgehirn mit dem Leidensweg Jesu zu tun? Wer sich die Mühe macht, zählt genau 1650 Dias und Fundstücke am Zaun. «Jedes Element steht für einen Meter der exakt 1650 Meter langen Via Dolorosa in Jerusalem, die Jesus nach seiner Verurteilung bis zum Ort der Kreuzigung gegangen sein soll», so der Künstler. «Sie bilden einen eigenen kleinen Kreuzweg eines nach Erlösung suchenden Hamburgers.» |
























































