| Klee, Kandinsky, Kinski - Die Münchner Kunstakademie feiert Jubiläum Von Britta Schultejans, dpa |
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| Donnerstag, 29. Mai 2008 um 07:11 Uhr | ||
Die 28-jährige Yurika Tahara strahlt. «Seinetwegen bin ich nach Deutschland gekommen». Die Japanerin ist eine von etwa 650 Studenten, die derzeit an der Akademie der Bildenden Künste München studieren. Vor drei Jahren kam sie nach Deutschland. Sie ist stolz darauf, dass sie an der traditionsreichen Hochschule lernen kann, die heuer ihren 200. Geburtstag feiert. In einer großen Ausstellung «Die Kraftprobe» im Haus der Kunst, die an diesem Freitag eröffnet wird, blickt die Akademie zurück auf ihre bewegte Geschichte. Paul Klee (1879-1940) war nicht der einzige berühmte Schüler der Akademie. Wassily Kandinsky (1866-1944) studierte in München und Franz Marc (1880-1916), aber auch die Architekten Friedrich von Gärtner (1791-1847) oder Bruno Paul (1874-1968) wurden dort ausgebildet. 1854 schrieb sich der seinerzeit 22-jährige Wilhelm Busch ein. Um überhaupt zugelassen zu werden, musste der spätere satirische Dichter und Zeichner auf den per Hochschulordnung verbotenen «Schnurr- und Knebelbart» verzichten sowie auf «auffällig lange Haare», die seit einem Polizeierlass im Jahr 1823 streng verboten waren. Keine Chance gab die Akademie einem jungen Studenten, der einer der bedeutendsten expressionistischen Maler werden sollte. 1898 lehnte die Akademieleitung den Bewerber Emil Nolde ab. Rückblickend ist die Entscheidung nur schwer zu verstehen. Allerdings hatte es die Akademie im selben Jahr auch mit einem handfesten Skandal zu tun: Professor Paul Höcker musste die Akademie verlassen. Angeblich sollte ein Strichjunge, zu dem er auch privat Kontakt hatte, für sein Madonnenbild Modell gestanden haben. In den Erinnerungen an sein Studium an der Münchner Akademie, das 1900 begann, schrieb Kandinsky: «Alles malte - oder dichtete, musizierte, oder fing zu tanzen an. In jedem Haus fand man unter dem Dach mindestens zwei Ateliers, wo manchmal nicht gerade viel gemalt wurde, aber stets viel diskutiert, disputiert, philosophiert und tüchtig getrunken». Als Kandinsky Anfang der 1930er Jahre nach München zurückkehrte, erkannte er die einst pulsierende Kunststadt kaum wieder: «Heute - nach so vielen Jahren - hat sich die geistige Atmosphäre in dem so schönen und trotz allem doch lieben München grundsätzlich verändert. Das damals so laute und unruhige Schwabing ist still geworden ... », schrieb er 1931. Dann übernahmen die Nazis die Macht in Deutschland und auch über den Kunstbetrieb. Bereits 1933, kurz nach der Machtergreifung, wurde Adolf Hitler auf Beschluss des Akademie-Kollegiums mit der «Medaille für Verdienste um die Kunst» in Gold ausgezeichnet. Akademieprofessor Adolf Ziegler organisierte 1937 die Ausstellung «Entartete Kunst». Nach Kriegsende 1945 entließ die alliierte Militärregierung die NSDAP-Mitglieder und NS-Künstler aus der Akademie. Bei einem Luftangriff waren 1944 das Archiv und große Teile der Kostümsammlung zerstört worden. Die Kunstakademie stand vor einem Neuanfang. Sechs Jahre nach Neugründung der Akademie gab im Jahr 1952 der Student Nikolaus Nakszynski ein Gastspiel in einer Malklasse. Weil es Spannungen zwischen ihm und seinen Kommilitonen gab, forderte sein Professor: «Laßt's mia den in Rua, des is a Schenie.» (Lasst mir den in Ruhe, das ist ein Genie). Der etwas sonderbare junge Mann sollte als Klaus Kinski eine Weltkarriere als Schauspieler machen. In den 1960er Jahren sah es an der Kunstakademie so aus wie an den meisten deutschen Universitäten. Junge Idealisten veranstalteten «Notstands-Happenings» und forderten, die NS-Zeit aufzuarbeiten. Im Februar 1969 rasten Studenten auf Motorrädern und Mopeds durch die Gänge der Hochschule, um «das Establishment einzuschüchtern und die Akademie zu entweihen.» Die «Bild»-Zeitung titelte: «Münchens Akademie in Schweinestall verwandelt.» Mit den Jahren wurde das Haus baufällig. 1998 musste es zeitweise gesperrt werden, nachdem Fassadenteile herabgefallen waren. 2003 wurde der Grundstein für den Erweiterungsbau gelegt, der 2005 fertiggestellt wurde. Im Jubiläumsjahr 2008 präsentiert sich nun das alte Gebäude frisch renoviert. Bald können die Studenten in den Altbau zurückkehren. Yurika Tahara kann dann in den Räumen studieren, in denen schon ihr großes Vorbild Paul Klee gesessen hat.
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