| Baustelle Heimat: Künstlerische Sicht auf verstaubtes Thema Von Simona Block, dpa |
|
|
|
| Mittwoch, 14. Mai 2008 um 19:44 Uhr | ||
Er soll - in Anlehnung an Verpackungskünstler Christo - von diesem Samstag an Gäste auf die «Baustelle Heimat» locken. Anlass sei der 100. Jahrestag der Gründung des Landesvereins für Sächsischen Heimatschutz, sagt Museumsdirektor Igor A. Jenzen. Gemeinsam mit dem für spektakuläre Inszenierungen bekannten Künstler Holger John hat er den Heimatbegriff überdacht. Nach vielen Vorschlägen und Ideen ist der «kühne Versuch eines neuen Museumsformats» entstanden: moderne Interpretation statt Präsentation von Heimatvereinen und Trachten. Die «Baustelle Heimat» soll bis zum 26. Oktober Assoziationsfelder bieten, an denen die Leute weiterdenken. «Heimat ist die Sehnsucht nach Erdung, Verwurzelung in Zeiten der Globalisierung und kein Ort, sondern die Gesellschaft. Heimat findet dort statt, wo Menschen sind», sagt Jenzen. «Sie verändert sich ständig und ist nichts von Geburt an Bestehendes, sondern auch mehrfach Erlebbares. «Wir wollten davon weg, dass man sie immer hinter sich vermutet, sie ist immer um einen herum», sagt Jenzen. Heimat lasse sich nicht darstellen, sei Prozess und Arbeit. «Sie ist nur scheinbar konsumierbar, entsteht tatsächlich im Miteinander und der aktiven Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Zeit», sagt Jenzen. Davon ausgehend werde der Besucher über einen künstlerischen Parcours durch die individuellen und gesellschaftlichen Aspekte des Begriffs geführt. John und seine Mitstreiter machten das Gewölbe im Erdgeschoss zur Baustelle, auf der Jeder Hand anlegen, Entscheidungen fällen und seine Meinung für Nachfolgende sichtbar hinterlassen darf. Besucher werden zum Mitmachen verführt und durch gezielte Fragen zum Gespräch herausgefordert. Der Weg von der Kindheit ins Leben führt sogar über eine goldene, mit Strass besetzte Brücke, vorbei an einem großen Ying-Yang aus Sammeltassen-Kollektion und 26 000 Goldtalern aus Schokolade. «Das, was die Besucher denken, meinen oder fühlen, steht im Zentrum der Ausstellung», sagt Jenzen. Sie soll am Ende anders aussehen, der Besucher selbst zum Exponat werden oder es sogar herstellen. «Hier hängen die Bilder nicht an der Wand, sondern entstehen in den Köpfen. Es ist eine Ausstellung, die das Kopfkino zum Laufen bringt. Wir stellen aus, was im Volk gedacht wird.» Solcherart «Schlachtfelder» gebe es in Dresden derzeit genug: Waldschlösschenbrücke, Neumarkt, Gewandhaus. Aspekte des Begriffs sind am Bauzaun aufgereiht. «Dieser ist eine Art Grenzzaun, denn Heimat hat immer auch etwas mit Ausgrenzung und Eingrenzung zu tun.» Zudem diene er als Klagemauer für Statements. Zwischen farbigen Bretterwänden und verschiedenen Räumen wird der Besucher stetig herausgefordert: Er kann entweder selbst ein Haus sägen und bemalen oder aus Modellen Häuser, Siedlungen oder Windkraftanlagen schaffen, wobei er dafür Bäume opfern muss. An einer Stelle werden Kindheitserinnerungen, andernorts Meinungen abgefragt. Die Schau sei «das modernste begehbare Heimatobjekt», das man nicht von außen in einer Vitrine betrachten, sondern begehen könne, beschreibt John. Es biete die Möglichkeit, sich an dem mit Zitaten, Texten, Sprichwörtern und Schlagworten versehenen Zaun entlangzuschlängeln und seine Position zu finden. Nach Angaben von Jenzen ist kein Exponat älter als fünf Wochen. Heimelig wird es in der ersten Etage, wo alte Bauernschränke ihre Informationen zur Kulturgeschichte des Begriffs Heimat preisgeben «wie moderne Computer aus Holz». Das aus einem abgebrochenen Fachwerkhaus in der Oberlausitz gerettete Umgebindestuben-Fragment bildet die authentische Kulisse für «Heimatabende». «Dort treffen erzgebirgische Mundartdichter auf Poetry-Slammer, Spitzenklöppler auf Avantgardekünstler oder Philosophen auf Philatelisten», sagt Jenzen.
(Internet: www.skd-dresden.de) |
























































