| Bruch mit der Vergangenheit: «So als hätte die Malerei nie existiert» |
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| Dienstag, 04. November 2008 um 06:38 Uhr | ||
Lyon, Museum für Schöne Künste, Kunst, 1945
Sie vereint Maler und Stilrichtungen, die nie zusammen ausgestellt wurden, geht über die Konfrontation abstrakter Expressionismus (Amerika) - lyrische Abstraktion (Europa) hinaus und zeigt mehr als 170 Werke von Malern, die nach dem Trauma des Zweiten Weltkriegs nur eines wollten: sich in ihrer Arbeit von der Vergangenheit und jeglicher Ideologie und Kunstrichtung befreien. Die bis zum 2. Februar dauernde Ausstellung zeigt bedeutende Künstler wie Rothko, Pollock, Wols, Hartung, Soulages, aber auch weniger bekannte wie Carl Buchheister, Jean Fautrier und Sal Sirugo. Die Ausstellung ist gewagt, denn sie präsentiert Werke, die so noch nie nebeneinander gezeigt wurden. Eine Premiere ist sicherlich die Vereinigung von Pierre Soulages, Lucio Fontana und Barnett Newman in einem Saal. Während der Franzose zwischen 1946 und 1948 dicke Teerstriche unter Fensterglas entwarf, schuf der Italiener die bekannten Loch- und Schlitzwerke und der Amerikaner seine leuchtenden Farbbilder mit schlichten vertikalen Streifen. «Vieles trennt diese Künstler, doch schufen alle drei einfarbige Oberflächen, die eine Leere darstellen, eine Art Tabula rasa, die nur durch ein einziges, eventuell sich wiederholendes Element durchbrochen wird», erklärte Eric de Chassey, Kurator der Ausstellung. «Tabula rasa» heißt das Schlüsselwort der Ausstellung, die in diesem Sinn auch auf die herkömmlichen Kategorien der Modernen Kunst nach 1945 wie abstrakter Expressionismus, lyrischer Expressionismus, informelle Kunst oder geometrische Abstraktion verzichtet. Stattdessen führen Worte wie Experimentieren, Erforschen, Versuchen oder Leeren durch die Säle, die den Bruch mit der Vergangenheit und den Neubeginn in der Kunst zum Ausdruck bringen sollen. «Die meisten Begriffe wurden damals von Kunstkritikern ins Leben gerufen. Es gibt keinen Grund, warum die Ansicht von Kritikern vor 50 Jahren mehr Gültigkeit haben soll als die von Kunsthistorikern heute», meinte der Kurator. Sowohl Pollock als auch Newman wehrten sich gegen die Klassifizierung als abstrakter Expressionist. Was zählte, so der Kurator, sei das Bedürfnis gewesen, ihre Gefühle nach dem Trauma bildhaft auszudrücken - sei es in Form spontaner gestischer Malerei oder durch destruktives Schmieren und Kratzen auf der Leinwand. Die Auflösung der begrifflichen Grenzen schafft die übliche geografische Einschränkung auf Paris und New York ab. So sind neben polnischen Malern wie Jerzy Skarzynski und Andrzej Wroblewski, Antonio Saura aus Spanien zu sehen, Erik Ortvad aus Dänemark und Carl Buchheister aus Deutschland. Der Entstehungszeitraum wurde auf die Jahre 1945 zwischen 1949 beschränkt. «Eine Zeit, die künstlerisch besonders produktiv und innovativ war», sagte der Kurator. Der Titel der Ausstellung ist einem Interview mit dem amerikanischen Künstler Newman entlehnt: «Das Problem des Sujets begann sich eindeutig als wesentliches Problem in der Malerei abzuzeichnen. Weder die Plastizität noch die Oberfläche stellten Probleme: Sie waren bedeutungslos geworden... In dieser Situation der moralischen Krise hatten sie keine Bedeutung mehr. Man muss wieder von Null anfangen. So als hätte die Malerei nie existiert.»
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